Stadträte kritisieren Kooperation Pikant: Offizielles Stadtportal macht Werbung für Wiesnwirte

So präsentieren sich die Wiesnwirte in dem sozialen Netzwerk "Instagram". Eine städtische Firma erstellt seit neuestem die Inhalte – auch für die Internetseite wiesnwirte.de Foto: Screenshots: Instagram.com/wiesnwirte

Die städtische Tochter "München Portal GmbH" macht Werbung für die Wiesnwirte. Stadträte finden das anrüchig.

 

München - Noch drei Wochen, bis das größte Volksfest der Welt zum 186. Mal in München startet. Wer es minutengenau wissen will, kann den Countdown auf der offiziellen Internetseite des städtischen Festes verfolgen: oktoberfest.de. Seit vergangenem Jahr gehört die Internetseite einer städtischen Tochtergesellschaft: Der Portal München Betriebs-GmbH & Co. KG, Gesellschafter sind die Stadtwerke München und die Stadt selbst.

Derselben Gesellschaft gehört das Portal muenchen.de, das unter dem Motto "Das offizielle Stadtportal" läuft und laut Impressum ein Service der Landeshauptstadt und der Stadtwerke München ist.

Wiesn-Wirte bezahlen offizielles Münchner Stadtportal

In diesem Jahr hat die städtische Tochter einen Kooperationsvertrag mit der Vereinigung der Münchner Wiesnwirte abgeschlossen. Laut Unterlagen aus einer Beiratssitzung im Juli, die der AZ vorliegen, beinhaltet die Kooperation die "Erstellung von Web- und Social-Media-Inhalten", die Portal München GmbH wird für ihre Dienstleistung von den Wiesnwirten bezahlt. Auf Anfrage der AZ bestätigt die Gesellschaft das.

Die Werbeinhalte, die dabei entstehen, erscheinen auf der Internetseite wiesnwirte.de. Ebenso geht es um Video-, Bild- und Text-Inhalte, die in den sozialen Netzwerken Facebook und Instagram (@wiesnwirte) veröffentlicht werden.

Städtische Tochter macht Werbung für Wiesnwirte

In Kurzfilmchen, auf hübsch hergerichteten Fotos und mit knackig formulierten Texten zeigen sich die Wiesnwirte auf Instagram und Facebook von ihrer besten Seite, auf wiesnwirte.de wird ihr Engagement – im sozialen Bereich und für Umweltschutz – hervorgehoben.

Kurz gesagt: Eine städtische Tochter macht Werbung für Wiesnwirte, die zusammen während des Oktoberfestes etwa 130 Millionen Euro netto einnehmen. Problematisch? Die Bayernpartei findet diese neue Kooperation in gleich mehreren Punkten höchst fragwürdig.

"Haben diese Geschäftsbeziehungen ein Geschmäckle?", kommentieren die Stadträte der Bayernpartei die Kooperation in einer Anfrage, die sie heute bei OB Dieter Reiter (SPD) abgeben möchten.

Schmidbauer: Beziehung Wiesnwirte-Stadt hinterlässt "ungutes Gefühl"

"Es gibt Tausende Web-Agenturen, die die Wiesnwirte hätten beauftragen können", sagt Stadtrat Mario Schmidbauer (Bayernpartei). Dass gerade die Portal München GmbH beauftragt wurde, müsse einen "aufhorchen lassen". Die "immer enger werdende Beziehung Wiesnwirte-Stadt" hinterlasse ein "ungutes Gefühl" bei ihm.

Die Stadträte der Bayernpartei fragen sich, welche Vorteile die Wiesnwirte daraus ziehen, dass sie mit muenchen.de zusammenarbeiten. "Kaufen sie sich dabei exklusive Informationen, Bildmaterial oder Ähnliches ein, das nur eine städtische Firma bieten kann? Und entstehen dabei Vorteile, die andere Webagenturen nicht bieten könnten?", fragt Schmidbauer.

"Leistungen erfolgen gegen eine marktübliche Vergütung"

Auch würde der Stadtrat gerne wissen, aus wie vielen weiteren Web-Agenturen die Wiesnwirte die Portal München GmbH ausgewählt haben. "Oder haben sie vielleicht gar nicht ausgeschrieben, sondern sind direkt auf die städtische Tochtergesellschaft zugegangen?", fragt Schmidbauer. Daraus ergibt sich für ihn noch eine Folgefrage: "Gibt es für die Wiesnwirte vielleicht sogar einen Freundschaftspreis von der Portal München GmbH?"

Zur Frage nach dem Volumen des Kooperationsvertrages versichert eine Sprecherin von muenchen.de: "Die Leistungen erfolgen gegen eine marktübliche Vergütung." Zahlen nennt sie nicht. Wie hoch eine Vergütung aussehen könnte, zeigt ein Blick in das Honorarbarometer der Deutschen PR-Gesellschaft (DPRG), das branchenübliche Vergütungen abbildet. Diese variieren jedoch je nach Firmengröße und Umfang der Aufträge. Ein erster Ansatz: Bei einer "großen Konzeption" einer "mittelgroßen Firma" ist man mit etwa 10.716 Euro dabei, eine Pressekonferenz kostet im Schnitt 6.345 Euro.

Doch Schmidbauer geht es um mehr als die Frage nach dem Honorar. OB Reiter solle auch klären, ob es "Interessenskonflikte geben könnte durch die Verquickungen einer städtischen Tochterfirma mit den Wiesnwirten".

Ranft (FDP): "Ich habe erhebliche Bedenken"

Fragwürdig findet auch Stadtrat Thomas Ranft (FDP) die Kooperation. Der AZ sagt er: "Die Stadt sollte sich nicht hergeben als Werbeplattform für die Wiesnwirte." Auch müsse man die Vereinbarung "rechtlich prüfen". Ranft: "Ich habe da erhebliche Bedenken."

Der FDP-Stadtrat hat das Thema zudem in einem zuständigen Ausschuss – etwa dem Wirtschafts- oder IT-Ausschuss, wo sonst Themen rund um muenchen.de behandelt würden – vermisst. Er sagt der AZ: "Wenn die Gesellschaft es nicht groß an die Öffentlichkeit bringen wollte, hätte es zumindest im nichtöffentlichen Teil behandelt werden müssen."

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