Sprach er über Trennung von Thea? So lief die erste Folge von "Gottschalk liest?" ab

, aktualisiert am 20.03.2019 - 07:06 Uhr
Gastgeber Thomas Gottschalk (Mitte) mit Sarah Kuttner, Daniel Biskup, Vea Kaiser und Ferdinand von Schirach. Foto: BR

Die erste Folge der neuen Literatursendung "Gottschalk liest" im BR Fernsehen lief am Montagabend. Über seine Trennung von Ehefrau Thea hat Moderator Thomas Gottschalk nicht gesprochen. Die Sendung wurde am 5. März aufgezeichnet.

 

In der guten alten Zeit von "Wetten, dass?" hörte Thomas Gottschalk nie wirklich zu, wenn einer seiner Gäste ein Buch mitbrachte oder gar ein ernsthaftes Thema anzuschneiden versuchte. Wir alle werden älter, manche von uns auch weiser – wie der ewig jugendliche 68-jährige Kulmbacher. Der redet noch immer unablässig, steht aber, mittlerweile, selbstironisch drüber.

Kritik zur neuen Sendung von Thomas Gottschalk im BR

Weil der Moderator natürlich selber weiß, dass ihn alle für einen Leichtfuß halten, zitierte er in der ersten Folge von "Gottschalk liest?" auswendig eine Übersetzung von Paul Celan. Mit Vea Kaiser ("Rückwärtswalzer") parlierte er auf Latein. Die österreichische Schriftstellerin widersprach auch recht deutlich, als Gottschalk das traurige kulturkritische Lied von der wenig lesefreudigen Jugend anstimmen wollte.

Sarah Kuttner ("Kurt") verpasste Gottschalk gleich am Anfang einen Grundkurs in Sachen Literatur, als der Moderator meinte, sie habe die Geschichte ihres Buches selbst erlebt: Nein, die Geschichte ist nicht autobiografisch. Und sie ließ auch gleich noch einfließen, dass man nicht lesbisch "wird", sondern von Geburt an "ist".

Gottschalk-Suite im Hotel Bayerischen Hof ist Thema

Ferdinand von Schirach ("Kaffee und Zigaretten") schaute schön melancholisch und antwortete auf den etwas weitschweifigen Gottschalk dem Stil seiner Bücher entsprechend lakonisch. Dann erzählte er die hübsche Anekdote, wie ihm im Hotel Bayerischer Hof in München einmal die Gottschalk-Suite zugeteilt wurde. Die sei so buntscheckig wie die Kleidung des Moderators, weshalb er um ein einfaches Zimmer gebeten habe.

Dass Daniel Biskup seinen Fotoband "Wendejahre" vorstellen durfte, lässt hoffen, dass es in Zukunft ein Eckchen für Sachbücher geben könnte. Die letzten zehn Minuten der Runde schwächelten dann: Hier wurde erwartbar ergebnislos darüber gesprochen, ob es ein Rezept für Bestseller gäbe.

Trennung von Thea Gottschalk nicht thematisiert

Aufgezeichnet wurde die Sendung bereits am Faschingsdienstag im Parktheater Göggingen bei Augsburg. Von der frischen Trennung war daher naturgemäß nicht die Rede. Gottschalk ließ zwar Thomas Bernhards berüchtigtes Wort von der "Lechkloake" nicht unerwähnt. Bei der Einordnung der Stadt für die Weltgeschichte von Show und Literatur vergaß er allerdings ausgerechnet Bertolt Brecht.

Gottschalk nahm öfter in seinen viel zu langen Fragen plappernd die Antwort vorweg. Wenn aber auch weiterhin der eine oder andere Gast dem Moderator widerspricht und die Einspieler zu den Büchern etwas weniger werblich werden, könnte "Gottschalk liest" es schaffen, eine ordentliche und zugleich unterhaltsame Literatursendung zu sein, ohne dass die übermächtige Erinnerung an das selig verklärte "Literarische Quartett" störend herumspukt.


"Gottschalk liest?" wird am 24. März um 10.40 Uhr auf 3sat wiederholt. Die nächste Sendung folgt Mitte Juni.

 

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