Sie ziehen in den Bundestag ein Die künftigen bayerischen AfD-Abgeordneten

Der bayerische AfD-Vorsitzende Petr Bystron wurde von der Partei nur auf Landeslistenplatz vier gesetzt. Foto: dpa

Die Mehrheit der künftigen bayerischen AfD-Abgeordneten steht weit rechts. Die Partei kann damit rechnen, eine zweistellige Zahl bayerischer Abgeordneter in den Bundestag zu entsenden.

München - Die ersten neun von ihnen im Kurzporträt:

Spitzenkandidat MARTIN HEBNER, 57, kegelte bei der Kandidatenkür im Frühjahr Bystron vom ersten Platz. Bystron unterstützte Parteisanktionen gegen den Thüringer Rechtsaußen Björn Höcke, Hebner und andere waren dagegen. Der Diplom-Informatiker ist ansonsten ein eher unbeschriebenes Blatt.

Auf Platz zwei der bayerischen AfD-Liste steht der Verschwörungstheoretiker PETER BOEHRINGER. Er glaubt, die Bundesregierung werde von einer geheimen Organisation gelenkt: Die "heutige, supranationalen Befehlen gehorchende BRD-Führungsclique" sei "inzwischen krimineller als die kommunistische der DDR", schreibt er in seinem Internet-Blog. Boehringer sieht eine "von oben angeordnete Auflösung Deutschlands" und wirft der EU, Bundesregierung und Frankfurter Bankbranche "massive, unlegitimierte und initiale Gewalt gegen Recht und Völker" vor. Zu seinen Themen gehört auch die Frage, ob die Goldreserven der Bundesbank wirklich existieren.

Auf Platz drei zieht CORINNA MIAZGA als einzige Frau auf einem vorderen AfD-Listenplatz in den Bundestag ein. Gegen die Straubinger Kreisvorsitzende lief ein inzwischen abgeschlossenes jahrelanges Parteiausschlussverfahren, nach Miazgas eigenen Worten wegen "Lucke-Lästerung" des früheren Parteichefs. Sie bewarb sich unter anderem mit dem Argument, ein Asylbewerberheim in Straubing verhindert zu haben. Miazga war 2016 an einem Programmentwurf der Niederbayern-AfD beteiligt, in dem eine Einschränkung der Religionsfreiheit mit dem Verbot von Moscheen gefordert wurde.

Der Landesvorsitzende PETR BYSTRON auf Platz vier ist anerkannter Asylbewerber aus der ehemaligen Tschechoslowakei, macht aber Front gegen muslimische Flüchtlinge. Er wird vom bayerischen Verfassungsschutz beobachtet - Bystron wollte die AfD zum "Schutzschild" der rechtsextremen "Identitären Bewegung" und der ausländerfeindlichen Pegida machen.

Auch gegen den Nürnberger Kreisvorsitzenden MARTIN SICHERT auf Platz fünf lief zu Zeiten des ehemaligen Parteichefs Bernd Lucke ein Parteiausschlussverfahren wegen Rechtsextremismus-Verdachts. Sichert soll nach Lucke-Aussagen aus dem Jahre 2014 unter anderem behauptet haben, im Zweiten Weltkrieg hätten die "zwei größten Massenmörder" gesiegt. Außerdem soll Sichert gefordert haben, einen Sexualtäter zur Frau umzuoperieren und nackt nach Marokko zurückzuschicken. Sichert nennt die SPD "Scharia-Partei Deutschlands" und wirft Parteien und Medien "Deutschenfeindlichkeit" vor.

Auf Platz sechs steht HANS-JÖRG MÜLLER, der Vorsitzende des AfD-Mittelstandsforums. Er agitierte auf Facebook gegen "EU-Diktatoren" und angeblich drohenden Wahlbetrug großen Stils durch die Behörden.

PETER FELSER, ehemaliger Bundeswehr-Offizier, ist auf Platz sieben der bayerischen AfD-Liste und Kreisvorsitzender Oberallgäu/Kempten/Lindau. Er wirft auf seiner Webseite "Altparteien und den mit ihnen verfilzten Medien" vor, den demokratischen Diskurs zu unterdrücken.

Auf Platz acht steht ebenfalls ein ehemaliger Bundeswehr-Offizier. Der frühere Kampfpilot GEROLD OTTEN aus dem Münchner Vorort Putzbrunn ist Manager beim Airbus-Konzern und nach eigenen Angaben Verkaufsdirektor für den Eurofighter.

Auf Platz neun zieht der Finanzberater STEPHAN PROTSCHKA in den Bundestag ein. Auf dem Twitter-Account des niederbayerischen AfD-Bezirksvorsitzenden finden sich extremistische Aussagen: "Merkel plant deutschen Völkermord", schrieb er Ende 2014. "Die EU ist nicht Europa, die EU ist das Vierte Reich."

 

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