Sie sind mächtig und scheu Heimliche Wiesn-Könige: Pletschacher-Brüder gehören fast alle Zelte

Die heimlichen Könige der Wiesn: Toni Pletschacher und sein Sohn Tobias auf der Theresienwiese. Bis zum 10. November müssen sie ihre vielen Zelte wieder abbauen und in die Lagerhallen bringen. Foto: Privat

Die Brüder Pletschacher sind die heimlichen Wiesn-Könige. Fast alle Zelte gehören ihnen. So mächtig sie sind, so scheu sind sie. Für die AZ macht Toni (54), der Älteste, eine Ausnahme: Er redet über seine Zelt-Welt.

München - Nach der Wiesn ist vor dem Hauptstress: Sobald das Oktoberfest vorbei ist, beginnt für die Brüder Pletschacher die heiße Phase. Die Brüder Pletschacher? Das sind die heimlichen Könige der Wiesn.

Ob Löwenbräu, Schottenhamel, Winzerer Fähndl, Hacker, Weinzelt oder Kalbsbraterei – fast alle Zelte, die großen und kleinen (auch auf der Oidn Wiesn), gehören ihnen. Nicht etwa den jeweiligen Wirten, wie viele glauben. Die meisten Gastronomen leasen die Zelte von den Pletschacher-Brüdern Toni, Ulli und Peter aus Dasing, die auch für Auf- und Abbau, Transport und Lagerung zuständig sind. Ein Wahnsinns-Aufwand. Theoretisch könnte man mit Pletschachers Material 35.000 Quadratmeter Zelt bauen.

Seitdem das Familienunternehmen, das auch Supermärkte, Almen und Hotels baut, die Deuter Zelt- und Hallenbau GmbH übernommen hat, eine Firma, für die die Pletschachers einst als Subunternehmer tätig waren, kamen fünf Zelte und die Ochsenbraterei hinzu. Nur das Käfer-Zelt und die Augustiner-Festhalle sind nicht in ihrer Hand.

AZ: Herr Pletschacher, wie fühlt man sich als König der Wiesn?
TONI PLETSCHACHER:
Ach, mei. König? Zelt-König sagen manche. So seh ich mich nicht. Wie ich mich fühle, kann ich Ihnen aber sagen: beschäftigt.

Wie viel Zeit haben Sie, um alle Zelte abzubauen?
Fünf Wochen. Am 10. November muss alles weg sein.

Wie schaffen Sie das?
Mit Disziplin – und zwölf Leuten pro Zelt. Ob groß oder klein, mit oder ohne Bestuhlung, das nimmt sich nicht viel. 70 bis 90 Lkw-Fahrten müssen Sie pro Zelt rechnen. Mein 24-jähriger Sohn Tobias packt auch mit an, er ist für Ammer zuständig.

Kriegen Sie Muskelkater?
Naa. Die Zeiten sind vorbei.

Wann fallen Sie ins Bett?
Um halb zehn. Um vier Uhr morgens steh ich wieder auf.

Mit dem Löwenbräuzelt fing 1999 alles an.
Ursprünglich begann Opa Anton nach dem Krieg als Ein-Mann-Unternehmen. Für die Wiesn war das Löwenbräuzelt in Eigenregie der Start. Seitdem hat sich manches geändert, der Sicherheitszaun, solche Dinge.

Wie änderten sich die Zelte?
Es wird alles immer gehobener.

Jetzt fehlen Ihnen nur Käfer und Augustiner. Richtig?
Es passt, wie es ist. Ich gestehe: Ich habe mir beide Zelte angeschaut. Sie sind gut gemacht.

Waren Sie täglich draußen?
Klar. Ich muss ja meine Kunden besuchen, abends schreiben mir die Hausmeister der Zelte WhatsApp-Nachrichten, wo es was zu reparieren gibt.

Was geht am ehesten kaputt?
Der Boden.

Nach dem Wiesn-Abbau gibt's drei Tage Urlaub

Was ist Ihr Lieblingszelt?
Ich mag alle Zelte sehr gern. Es ist toll, dass sie so unterschiedlich sind. Das macht den Reiz aus. Die Gäste gehen ins Zelt und haben nur Augen für einen freien Platz. Ich schau immer handwerklich, ob alles passt – und bin froh, wenn alles gut über die Bühne gegangen ist.

Was machen Sie besser als Ihre Zeltbau-Kollegen?
Vielleicht sind wir ein bisserl lustiger und besser drauf? Die Arbeit macht Spaß, das ist wichtig und motivierend.

Wie viel Punkte haben Sie eigentlich in Flensburg?
Keinen. Das ist schon eine Leistung – bei 60.000 Kilometern, die ich im Jahr zurücklege.

Was gönnen Sie sich nach dem Wiesn-Abbau?
Drei Tage Urlaub.

Sind Sie Camping-Fan?
Na, danke. Ich bin auch mal froh, wenn ich kein Zelt sehe.

 

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