Schelte für Rummenigge Schenk kritisiert Bayern-Trip nach Katar

Sylvia Schenk (links) knöpft sich Bayern-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge vor. Foto: dpa

Trainingslager Doha/Katar: Es ist ein umstrittene Reise des FC Bayern. Die Anti-Korruptions-Expertin Sylvia Schenk wirft Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge eine "erschreckende Verharmlosung der Probleme" vor.

 

München - Zum sechsten Mal bereitet sich der FC Bayern in Katar auf die Rückrunde der Bundesliga vor. Die Reise ist auch bei den Fans umstritten. Die Klub-Verantwortlichen bemühen sich, das Thema kleinzuhalten.

Doch das Ganze bleibt ein Thema - unter anderem bei den Anhängern. Der "Club Nr. 12", eine Dachorganisation aktiver Fans des FC Bayern, teilte auf Anfrage mit: "Wir betrachten die Reise nach Katar aufgrund der dortigen Menschenrechtsverletzungen sehr kritisch."

Und nein, ergänzte der Sprecher, es habe nicht, wie behauptet, ein Gespräch mit dem Klub-Vorstand über das Thema gegeben. In Foren und sozialen Netzwerken kritisieren Fans, dass der FC Bayern nicht verantwortungsbewusst handele.

Die Frankfurter Anti-Korruptions-Expertin Sylvia Schenk kritisierte den FC Bayern am Mittwoch in einer Kolumne für "Focus Online" und warf Klubchef Karl-Heinz Rummenigge dabei eine "erschreckende Verharmlosung der Probleme" vor Ort vor: Der FC Bayern "verbräme" diese Probleme mit dem Verweis auf eine "andere Kultur".

Özcan Mutlu, Sprecher für Sportpolitik der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, sagte, es sei "unglaublich, dass der FC Bayern nichts dazu lernt". Sozialdemokratische Politiker des Europaparlaments hatten schon kurz nach der Bekanntgabe des Trainingslagers Kritik an der Entscheidung geübt. In Katar gebe es "seit Jahren grobe Verletzungen der Menschenrechte", kritisierte Norbert Neuser, Koordinator des Ausschusses für Entwicklung.

Die Spanierin Elena Valenciano, Vorsitzende des Komitees für Menschenrechte, prangerte an: Die Bestrafungen in Katar etwa für Blasphemie, Alkoholkonsum oder Homosexualität "sind inhuman".

Zur diesjährigen Reise hat sich Rummenigge öffentlich nur in einem Interview mit der "Sport Bild" geäußert. Unter anderem sagte er: "Ein Trainingslager ist keine politische Äußerung. Niemand sollte Dinge vermischen, die nicht zusammengehören."

Außerdem, ergänzte der Vorstandschef: Die Partner in Doha "kennen unsere Überzeugungen, zum Beispiel bei der Frage von Arbeiterrechten. Aber sie werden uns nur zuhören auf der Grundlage von Respekt und Vertrauen."

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Bayern-Kapitän Philipp Lahm meinte am Mittwoch, "dass der Verein immer sehr offen mit bestimmten Themen umgeht, auch mit politischen Themen, und so ist es in der Thematik auch". Zudem warf er die Frage auf: "Was ist besser? Geht man wirklich offen mit dem Thema um oder sagt man, man bleibt einfach zu Hause. Oder fährt man hin und spricht darüber? Wir werden das Beste daraus machen."

Lahm gilt als Diplomat und steht daher im Ruf, eine Art Außenminister des FC Bayern zu sein. Er übernahm denn auch kurz vor dem Abflug die heikle Aufgabe, die Reise der Münchner nach Doha/Katar zu rechtfertigen.

"Die Mannschaft und alle im Verein beschäftigen sich mit dem Thema, was in Katar los ist", behauptete er. Und nein, die Mannschaft werde "nicht die Augen zumachen".

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Karl-Heinz Rummenigge saß nicht im Flugzeug. Im vergangenen Jahr geriet der Trip zum PR-Desaster, weil die Münchner auf dem Rückweg noch ein Spiel in Saudi-Arabien absolvierten. Just zu einem Zeitpunkt, als dort ein bekannter Blogger ausgepeitscht werden sollte.

Es hagelte Kritik, von allen Seiten. Rummenigge räumte später ein, Fehler begangen zu haben, der FC Bayern, sagte er, hätte deutlicher ansprechen sollen, dass er "jede Bestrafung" verurteile, "die nicht im Einklang mit den Menschenrechten steht".

Nur wenige Wochen nach der Reise nach Katar und Saudi-Arabien schuf er zudem die Abteilung Public Affairs: Ein ehemaliger Journalist der "Süddeutsche Zeitung" soll den Vorstand und seinen Vorsitzenden nun unter anderem dann unterstützen, wenn es um gesellschaftliche Themen geht.

 

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