Schauspielerin im AZ-Interview Uschi Glas und ihre Probleme mit der CSU: "Habe schwer diskutiert"

Clemens Hagen.
Obwohl sie seit jeher mit der CSU sympathisiert, hat sie in der Flüchtlingspolitik eine andere Meinung. Foto: API/Viviane Simon

Uschi Glas verteidigt ihre Ansicht, dass es keine Obergrenze für Flüchtlinge geben darf – und grenzt sich damit scharf zur CSU-Meinung ab. Was die Schauspielerin sonst noch an der Partei stört, erklärt sie im AZ-Interview.

 

München - Die 73-jährige Münchnerin Uschi Glas gehört zu den beliebtesten Schauspielerinnen Deutschlands. Und sie hat eine klare Ansicht, was die Flüchtlingspolitik betrifft - auch wenn diese nicht mit der der CSU konform geht.

AZ: Frau Glas, Sie waren immer das CSU-Schätzchen. Jetzt konnte man Sie in der Stadt auf FDP-Wahlplakaten sehen. Woher der Sinneswandel?
USCHI GLAS: Ich wurde von Thomas Sattelberger (FDP-Bundestagskandidat für den Münchner Süden) angesprochen, ob ich an einem Bürgerdialog teilnehmen möchte. Er war der erste Politiker, der mit einem solchen Vorschlag zu mir kam. Ich fand das okay und hätte es auch gemacht, wenn jemand von der SPD gefragt hätte.

Aber es stimmt, dass Sie bei aller Sympathie für die Partei auch ein gewaltiges Problem mit der CSU haben. Nämlich die Obergrenze für die Aufnahme von Flüchtlingen. Richtig?
Sicher, im Sommer 2015 wurde viel Hals über Kopf entschieden, und es wurden auch Fehler gemacht. Aber es war eine schreckliche Notsituation. Wenn man sich erinnert, wie da die Menschen im Schlamm standen, im Dreck, die Kinder auf den Schultern. Da ging es darum zu helfen. Menschen, die aus Kriegsgebieten kommen, haben ein Recht darauf, aufgenommen zu werden.

"Christlich und sozial - das finde ich ziemlich gut"

Ist die CSU wegen der Flüchtlingsobergrenze für Sie unwählbar geworden?
Nein, die CSU macht viele Dinge richtig. In diesem Punkt sind wir eben unterschiedlicher Auffassung. Wenn die mich deshalb nicht mehr mögen ...

Haben Sie mit CSU-Politikern über dieses Thema geredet?
Ja, natürlich, ich habe da schwerst diskutiert.

Mit wem?
Na, mit dem Herrn Scheuer, mit dem Herrn Seehofer und mit dem Herrn Söder. Da ging es mit den Argumenten hoch her. Aber es gibt bei denen auch andere Dinge, die ich unmöglich finde, zum Beispiel das Betreuungsgeld für Mütter, die sogenannte "Herdprämie".

Was mögen Sie denn noch an der CSU?
Als junges Mädchen bin ich zur CSU gekommen, weil ich von meiner Mutter her immer sehr sozial erzogen wurde. Meine Mutter hat auch immer anderen abgegeben, obwohl wir selber nicht viel hatten. Dann habe ich mir gedacht: Christlich und sozial – das finde ich eigentlich ziemlich gut. Wenn man das Glück hat, was auf die Beine stellen zu können, dann hat man auch die Verpflichtung, anderen zu helfen, die das nicht so gut schaffen. Das C und das S nehme ich halt ernst.

Ernster als die Partei selbst?
Es ist ja nicht alles schlecht, was die CSU gemacht hat. Ich komme aus einer Zeit, als Bayern noch Notstandsgebiet war, besonders meine Heimat Niederbayern. Wenn ich mir heute anschaue, wie dort alles prosperiert, dann ist das schon toll. Aber in einer Demokratie muss es eben auch erlaubt sein, eine andere Meinung zu haben.

"Nicht, dass die Stimme verloren geht"

Etwas indiskret gefragt: Wo machen Sie im September Ihr Kreuzerl hin?
Schwierig. Man möchte natürlich nicht, dass die Stimme verlorengeht. Also muss man mit Erst- und Zweitstimme hin- und herjonglieren.

Ein anderes umstrittenes Thema sind die Abschiebungen. Verstehen Sie es, wenn ein junger Afghane, der hier bestens integriert ist, einer geregelten Arbeit nachgeht, Deutschland wieder verlassen muss, weil Afghanistan als sicheres Herkunftsland eingestuft wird?
Nein, das verstehe ich nicht. Es ist ja auch so, dass diese jungen Menschen, wenn sie hier einen Beruf erlernt und einen Abschluss gemacht haben, beim Wiederaufbau ihres Heimatlandes helfen können, wenn es erst einmal befriedet ist.

Viele Geflüchtete, die sich schon in Deutschland befinden, dürfen nicht arbeiten, weil ihr Aufenthaltsstatus nicht geregelt ist.
Das halte ich für Sprengstoff. Ich versuche immer, mich in diese Menschen hineinzuversetzen. Da muss ich mich an die Geschichte eines syrischen Familienvaters erinnern. Der hat in einem Interview erzählt, dass er die ganze Zeit aus dem Fenster seiner Unterkunft auf den Parkplatz eines Supermarkts geschaut hat.

Er hat angefangen, auswendig zu lernen, was für Menschen in den Autos sitzen. Also im roten Golf, der jeden Tag kommt, fährt immer der Mann, die Frau hockt daneben und die beiden Kinder sind auf dem Rücksitz. So ein Verhalten, das verstehe ich total.

Glas: Randale in München nicht möglich gewesen

Bei einem Volksfest bei Stuttgart ist es gerade wieder zu Ausschreitungen gekommen, auch sexuell motivierten, an denen Menschen mit Migrationshintergrund beteiligt gewesen sein sollen.
So etwas ist nicht tolerierbar. Aber wenn die Menschen in Arbeitsgruppen wären, mit einem Meister, der die Sachen erklärt. Da lernen junge Männer auch, was Disziplin bedeutet. Dass man jeden Tag um acht Uhr in der Früh bei der Arbeit zu sein hat. Die Arbeit vermittelt auch Erfolgserlebnisse. Aber dieses Nichtstun ...

... wäre schlimm für Sie?
Wenn jemand zu mir sagen würde, Uschi, du kannst jetzt den ganzen Tag Golf spielen, du musst nichts mehr anderes machen. Das wäre der reinste Horror. Nichts gegen Golf ...

Schlimm waren auch die Ausschreitungen rund um den G20-Gipfel in Hamburg. Man hat das Gefühl, dass unsere Gesellschaft zunehmend verroht. Teilen Sie diese Ansicht?
Hamburg, das war ja das internationale Verbrecherwesen, das da tätig war, anders kann ich es nicht bezeichnen. Vielleicht nennen die sich auch linksautonom, aber in Wahrheit sind das nur Schlägertypen. Die sind nicht politisch, die haben keine Botschaft – außer Randale und Zerstörung.

Wäre die Randale auch in München möglich gewesen?
Nein, das glaube ich nicht. Das soll nicht arrogant klingen, weil wir Bayern so toll sind. Aber München hat durch die Sicherheitskonferenz ganz andere Erfahrung. Das Problem in Hamburg ist doch, dass einem, wenn man mit dem Taxi durch die Stadt fährt, die Rote Flora wie eine touristische Sehenswürdigkeit vorgeführt wird.

Ich habe mal den Münchner Polizeipräsidenten gefragt, ob er sich so etwas auch hier vorstellen könnte. Da hat er gesagt, auf gar keinen Fall, wir fahren überall hin, selbst in die hinterletzte Ecke.

Martin Schulz? "Hat sich geändert"

Lassen Sie uns über den politischen Teil des G20-Gipfels sprechen: Kanzlerin Angela Merkel hatte keinen leichten Job zwischen Egomanen wie Trump, Putin oder Erdogan ...
... und sie hat es toll gemacht. Sie lässt sich überhaupt nicht provozieren. Ich bewundere Angela Merkel, wie diese Frau dieses Pensum schafft. Ich mag ihre spitzbübische Art. Und ich glaube, die Kanzlerin zu sehen, wie sie mit den Mächtigen dieser Welt umgeht, das nötigt vielen Menschen Bewunderung ab. Jetzt hat sie noch diesen wunderbaren Macron an ihrer Seite, der wie sie für ein vereintes Europa eintritt.

Nach dieser Eloge auf Angela Merkel – wie finden Sie Herausforderer Martin Schulz?
Ich habe ihn mal persönlich erlebt bei einem Gespräch in Niederbayern, da waren noch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg und der CSU-Europapolitiker Manfred Weber dabei, ein toller junger Mann mit viel Verstand und Weitblick übrigens.

Damals hat mir der Martin Schulz total gut gefallen. Für einen Politiker war er unglaublich relaxt, gar nicht wadlbeißerisch. Das hat sich zuletzt leider geändert. Aber da ist vielleicht auch ein bisschen Torschlusspanik dabei.

Münchnerin Glas: "Ich mag meine Stadt"

Andere Frage: Sie leben schon lange in München, einer Stadt, die aus allen Nähten platzt. Fühlen Sie sich noch wohl?
Naja, jetzt haben wir halt wieder an jeder Ecke eine Baustelle, aber es hilft halt nichts, wir müssen das anpacken. Ich habe auch die Zeit vor 1972 erlebt, als es ähnlich schlimm war. Wir müssen den Wohnungsbau forcieren, wir dürfen da nicht einschlafen. Ich mag meine Stadt. Die Leopold- und Ludwigstraße rauf- und runtergehen – mei, das ist so schön.

Nie die Idee gehabt, nach Berlin zu ziehen?
Ich kenne von meiner Filmerei Westberlin recht gut. Aber jetzt ist das alles so groß geworden. Also ich würde mir schon schwertun, in Berlin ein Heimatgefühl zu entwickeln. Wenn ich wieder nach München komme, ist das anders, da denke ich schon am Flughafen, oh, was für ein schöner Flughafen. Oder die Theatinerkirche oder die Isar. Es gibt viele Gründe, München zu lieben.

Gehört das Oktoberfest noch dazu?
Naja, man hat letztes Jahr schon gemerkt, dass es weniger Menschen waren. Natürlich überlegt man schon, dass da etwas passieren könnte. Aber andererseits möchte ich nicht zulassen, dass diese Gedanken mein Handeln bestimmen. Die Poller aus Beton sind zwar beängstigend, und man denkt, oh Gott, aber wenn’s die braucht und die Sicherheitskontrollen, dann machen wir’s halt so.

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