Power hinten wie vorne Die neue Härte: FC Bayern, die Pressing-Maschine

Druck auf Ball und Gegner: Beides beschert Bayern, wie hier bei Benjamin Pavard gegen Schalkes Amine Harit, die Umschaltmomente. Foto: imago

Unter Hansi Flick entwickelt das Team vorne wie hinten eine enorme Wucht. Thomas Müller sagt: "Die Intensität des Attackierens, das ist das, was Gegner beeindruckt."

 

München - Aktuell schwärmen mal wieder alle von der Offensivpower des FC Bayern. Zu Recht! Mit einem 4:0 in Berlin und einem 5:0 gegen den FC Schalke ist die Mannschaft von Hansi Flick famos in die Rückrunde gestartet. Für Robert Lewandowski waren es die Treffer 20 und 21, wow! Insgesamt als Mannschaft neun Tore in zwei Spielen, noch mehr wow!

Doch für den Titelkampf mindestens ebenso entscheidend ist die Null – also die Tatsache, dass Manuel Neuer in diesem Jahr noch kein einziges Mal den Ball aus dem Netz holen musste.

Manuel Neuer: "Wir hatten das Spiel absolut unter Kontrolle"

Das hat Gründe – vorne wie hinten ziemlich massive sogar, sagt Thomas Müller: "Es geht los mit dem Umschalten nach Ballverlusten und geht dann weiter mit dem Attackieren. Die Intensität des Attackierens, die Präsenz, die wir in den Zweikämpfen zeigen – das ist das, was den Gegner beeindruckt." Das ist Bayerns neue Härte.

Was in Berlin in Hälfte eins noch nicht so gut funktionierte – Einspruch Müller: "Wir hatten das Spiel absolut unter Kontrolle" – mutierte letzten Samstag gegen Schalke zum Selbstläufer für die Münchner. Das bayerische Pressing führte zu zahlreichen Balleroberungen. Auch die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe und 76 Prozent Ballbesitz sind spitze – oder, wie Manuel Neuer sagen würde: "bayernlike".

Widerlegt wäre damit auch die These, dass Umschaltspiel und Ballbesitz nicht zusammenpassen. Mit oder gegen den Ball? Bei Bayern funktioniert beides. Gegen Schalke führte der Dauerdruck zur bayerischen Dominanz.

FC Bayern lässt Gegner keine Luft zum Atmen

Dabei profitiert von dieser Wucht eben nicht nur die Abteilung Attacke, sondern indirekt auch der Abwehrverbund. Weil Bayern gegen die Gelsenkirchener, die eine Woche zuvor immerhin den Tabellendritten Borussia Mönchengladbach mit 2:0 souverän ausgeschaltet hatten, das Spielgeschehen die meiste Zeit weit in die gegnerische Hälfte verlagerte, blieb Neuer über die 90 Minuten weitgehend beschäftigungslos. Für ihn vor allem ein Verdienst des Kollektivs. "Wir spielen im Verbund sehr gut, sehr dominant", findet der mehrfache Welttorhüter – und, für ihn besonders wichtig: "Wir haben immer Überzahl hinten."

Und vorne? Unter Flick lässt die Mannschaft dem Gegner im Moment – wie zu besten Heynckes-Zeiten – keine Luft zum Atmen und kreiert durch die frühen Ballgewinne im Mittelfeld die berühmten Umschaltmomente, die dann wie bei Thiagos 4:0 zu Traumtoren führen. Für Müller hat die Dauer-Attacke zudem noch einen weiteren, ganz praktischen Vorteil: "Da muss man nicht groß etwas herausspielen, wir müssen auch keine Abwehr überwinden, die am eigenen Sechzehner steht."

Heißt: Die Bayern nehmen neuerdings auch gerne mal die Abkürzung. Ob diese Taktik der neuen Härte auch der schnellste Weg zum Titel ist, wird sich spätestens beim Spitzenspiel gegen RB Leipzig zeigen.

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