Oktoberfest „Izapft os“ oder „Ozapft is“?

„Izapft os“ -diesen Vokaldreher leistete sich aber nicht OB Ude, sondern Erich Kiesl. Foto: dpa

Pleiten, Pech, Pannen und Triumphe: Zum Wiesn-Anstich, der 1950 mit einem Zufall begann.

Ein kräftiger Schlag auf den Wechsel, noch einer, ein weiterer – und dann sollten tatsächlich noch 16 folgen. Unverdrossen hatte Oberbürgermeister Thomas Wimmer anno 1950 immer wieder den Schlegel geschwungen, doch das Bier wollte einfach nicht fließen.

Mit satten 19 Schlägen hält der unvergessene „Wimmer Dammerl“ den absoluten Negativ- Rekord – beim berühmten Anzapfen auf der Wiesn. Doch nicht nur deshalb ging der 16. September 1950 als denkwürdiges Ereignis in die Oktoberfest-Annalen ein: Mit seinem schließlich doch noch geglückten Anstich und dem Ausruf „Ozapft is!“ hatte Wimmer eine neue Wiesn-Tradition begründet. Seither lässt es sich kein Münchner OB nehmen, es ihm gleich zu tun.

Dabei hatte das damalige Stadtoberhaupt gar nicht die Absicht gehabt, eine Anstich- Zeremonie einzuführen. Die ergab sich durch Zufall: Beim Wiesn-Wirte-Einzug hatte Wimmer seine Kutsche verpasst. Michael Schottenhamel (der Großvater des jetzigen Festwirts Peter Schottenhamel) ließ den OB in seine einsteigen – und fragte ihn ganz spontan, ob er nicht auch gleich im Zelt das erste Fass anzapfen wolle.

Bier-Fontäne

Bis 1960 hatte Wimmer seine Schlag-Technik dann derart verbessert, dass der amtierende Hans-Jochen Vogel den Anstich nochmal seinem Vorgänger überließ. Vogel schlug sich dann wacker bis zum Jahre 1971, bis zur wohl feuchtesten Anzapf-Zeremonie: Beim vierten Schlag spritzte das Bier in einer Fontäne aus dem 200-Liter-Fass. Nicht nur Vogel war ziemlich nass.

"I´zapft os"

Feuchtfröhlich ging's auch einmal bei Nachfolger Georg Kronawitter zu, der „das schönste Ehrenamt eines Oberbürgermeisters" (so Wimmer) 1972 übernahm: Nach dem Anstich mit drei Schlägen füllte er den ersten Krug, doch der hatte prompt ein Loch und alles lief unten wieder raus. Die bislang größte Panne verursachte Erich Kiesl: Er vergaß im Eifer des Gefechts glatt das obligatorische „Ozapft is!". Beim nächsten Anzapfen schaffte er es, die Vokale zu verwechseln und rief lautstark „Izapft os!"

Der ungekrönte Anzapf-König betrat erstmals 1993 die (Wiesn-)Bühne – und sorgte zunächst völlig unverschuldet beinahe für eine mittlere Katastrophe: Niemand hatte daran gedacht, dass Ude als Linkshänder von der anderen Seite schlägt. Kurz vor dem Anstich gab's noch einen Komplettumbau der Anzapfboxe (ohne den die Fotografen und TV Teams nur Rückenansichten des Oberbürgermeisters bekommen hätten).

Meisterzapfer Ude

Mit sieben Schlägen war die Premiere nicht gerade brillant, doch Christian Ude steigerte sich zum unerreichten Meister. 2005 schaffte er, was noch keinem Stadtoberhaupt zuvor gelungen war: Anzapfen mit nur zwei Schlägen! 2006 und 2007 floss das Bier dann jeweils nach drei meisterhaften Schlägen auf den Wechsel.

Wie wär's mal mit nur einem einzigen oberbürgermeisterlichen Schlag? Ude lacht, schüttelt den Kopf und sagt: „Das ist sträflicher Leichtsinn." Einen neuen Anzapf-Rekord dürfte es am Samstag also nicht geben. Wimmers 19 Schläge wird OB Ude ja hoffentlich nicht toppen . . .

Annette Baronikians

 

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