"Nicht zu Tode siegen" DFL: Dominanz des FC Bayern ist nicht förderlich

Der FC Bayern sicherte sich in der Saison 2019/20 den achten Meistertitel in Folge. Foto: imago images / Poolfoto

Die Dominanz des FC Bayern in der Bundesliga ist lähmend. Auch der DFL gefällt die Entwicklung nicht.

 

München - Er wisse, sagte Karl-Heinz Rummenigge trotz aller Freude über den erneuten Titelgewinn, "dass Fußball emotional sein soll. Und wenn du dann zum achten Mal in Folge deutscher Meister wirst, ist das natürlich nicht die emotionalste Veranstaltung für die Liga." Der Vorstandschef von Bayern München hätte bei Sky auch sagen können: Es ist auf Dauer ermüdend und langweilig.

Sehr zum Leidwesen der Deutschen Fußball Liga (DFL), gerade beim Blick auf die wichtigen Erlöse bei der Auslands-Vermarktung. "Im Ausland spielt selbstverständlich der Wettbewerb um die Meisterschale eine sehr, sehr dominierende Rolle – eine dominierendere als im Inland", sagte DFL-Boss Christian Seifert nach der Vergabe der nationalen Medienrechte bei "Sport1".

Thomas Müller gefällt Hummels-Kampfansage

Selbst den Bayern gefällt die Entwicklung nicht. "Die hart umkämpften Last-Minute-Meisterschaften vermisst man schon", sagte Thomas Müller der "Bild". Er wünsche sich "einen Konkurrenten, der sich hinstellt: Hey, wir wollen übrigens auch deutscher Meister werden. Das macht es ja erst aus, dass wir uns in Dortmund nach einem 1:0-Sieg abgekämpft richtig, richtig freuen können." Deshalb findet Müller auch die Kampfansage von Mats Hummels gut, dass die Borussia, erneut nur Zweiter hinter den Bayern, "nächste Spielzeit einen Platz nach oben rutschen will".

Bayern-Vorstand Oliver Kahn bereitet die Münchner Dominanz ebenfalls Sorge. "Wir haben auch in der Vergangenheit immer gezeigt, dass wir nicht nur uns im Blick haben, sondern dass wir immer auch schauen müssen, dass wir uns nicht zu Tode siegen", sagte Kahn im "ZDF". Der Rekordmeister sei "weiterhin immer interessiert an einem ausgeglichenen, fairen und spannenden Wettbewerb".

Doch diesen Wettbewerb gab es seit Dortmunds Titeln 2011 und 2012 kaum mehr. Im Schnitt 14 Punkte betrug der Vorsprung auf die abgehängte Konkurrenz. Nur im vergangenen Jahr war die Entscheidung am letzten Spieltag gefallen, 2014 dagegen bereits am 27. (!).

Oliver Kahn: Konkurrenz ist gefordert

Im Kampf gegen die Langeweile muss nach Ansicht von Kahn mehr vom BVB, aber auch von RB Leipzig, Borussia Mönchengladbach oder Bayer Leverkusen kommen. Natürlich sei "die Konkurrenz gefordert, das Beste aus ihren Mitteln zu machen", sagte er. Der FC Bayern könne "nicht hergehen und sagen, ja gut, dann spielen wir halt jetzt ein bisschen schlechter".

Müller betonte, dass er "dafür zuständig ist, dass es nicht spannend wird". Man wolle, sagte Präsident Herbert Hainer der AZ, "jetzt auch die neunte und die zehnte Meisterschaft in Folge gewinnen".

Damit die Bayern nicht noch weiter enteilen, dürfte es bei der Verteilung der Fernsehgelder zu harten Verhandlungen kommen. Längst gibt es Stimmen, die für eine Umverteilung zugunsten der Kleinen plädieren. Beim Gesamterlös, der von 4,64 auf 4,4 Milliarden Euro fiel, musste die Liga ohnehin schon Abstriche machen - coronabedingt, meinen viele. Jan Lehmann, kaufmännischer Leiter bei Bundesligist FSV Mainz 05, nannte bei "Sponsors" aber einen weiteren Grund: "Dass das Wachstum gebremst wurde, liegt auch daran, dass der Wettbewerb vielleicht nicht ganz so groß gewesen ist, wie man erhofft hat."

Bernd Leno: FC Bayern ist zu stark

Für Nationalkeeper Bernd Leno vom FC Arsenal ist es "langweilig und traurig", dass Bayern schon wieder Meister wurde. "Man wünscht sich Spannung, aber ich sehe keine aufregende Meisterschaft in der nahen Zukunft. Dafür ist Bayern zu stark", sagte er im "SWR".

Dabei hatte es im Herbst 2019 lange danach ausgesehen, als könnte die Bayern-Vorherrschaft endlich gebrochen werden. Das, so Kahn, "wären eigentlich Chancen für die Konkurrenz gewesen, da anzugreifen und uns mal vom Thron zu stoßen".

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