Neuer Trainer des FC Bayern Guardiola: So wird aus Pep jetzt Sepp

Es ist die vielleicht spektakulärste Verpflichtung in 50 Jahren Bundesliga: Pep Guardiola übernimmt ab Montag den Triple-Sieger FC Bayern München, der Vertrag läuft über drei Jahre. Wie kam der Deal zustande? Was wird sich bei den Bayern ändern? Wen bringt Guardiola mit? Bleibt Hermann Gerland? Ist der 42 Jahre alte Spanier Guardiola nach seiner Auszeit überhaupt fit genug für die große Aufgabe? Die Antworten auf  die wichtigsten Fragen.

 

Wie kam der Deal zustande?

Bei einem Turnier in München im Juli 2011 hinterließ Guardiola bei den Verantwortlichen des FC Bayern seine Handynummer. Den ersten Kontakt stellte im Juni 2012 der ehemalige Sportdirektor Christian Nerlinger her. Der Kontakt riss über die Monate nie ab, „kurz nach Weihnachten“ erfolgte laut Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge die Vertragsunterschrift.

Warum entschied sich Guardiola für den FC Bayern?

Manchester United, Manchester City, der FC Chelsea, Paris St. Germain – sie alle wollten Guardiola. „Er hat sich für Bayern entschieden, weil der Klub unter allen Interessierten das beste Projekt war“, sagte Berater Jose Maria Orobitg.

Welche Rolle spielte das Geld?

Das Münchner Angebot war laut Orobitg nicht das lukrativste. Am Hungertuch wird Guardiola aber trotzdem nicht nagen. Angeblich soll sich das Gesamtpaket auf rund 15 Millionen Euro im Jahr belaufen – brutto, und das mindestens bis 2016. Unmittelbar nach dem Deal im Januar hatte die spanische Zeitung Sport von 17 Millionen geschrieben.

Bleibt Hermann Gerland Co-Trainer?

Das Bayern-Urgestein bleibt im Trainerstab der Münchner. Der 59-Jährige, Spitzname „Tiger“, wurde von Guardiola darüber kürzlich persönlich unterrichtet. Dagegen hat Jupp Heynckes' Assistent Peter Herrmann den Klub verlassen (zu Schalke 04).

Wen bringt Guardiola in den Stab des FC Bayern mit?

Begleiten werden Guardiola Assistent Domenec Torrent, Scout und Video-Analyst Carles Planchart, Fitness-Trainer Lorenzo Buenaventura sowie Manel Estiarte, sein engster Vertrauter, und sein Bruder Pere, der auch sein Agent ist. Dazu kommt von Schalke 04 der Video-Experte Lars Kornetka.

Welche Philosophie pflegt Guardiola?

„Nichts ist gefährlicher, als nichts zu riskieren“, hat Guardiola mal über seine Denkweise gesagt, die stark von den Vorstellungen von Johan Cruyff geprägt ist. Guardiola hat Barcas Tiki-Taka-Stil nicht erfunden, ihn aber zur Perfektion getrieben. Inwieweit er bei Bayern ein 4-3-3-System einführen wird, ist offen. Die Taktik der Münchner wird wohl noch etwas offensiver ausgerichtet sein.

Ändert sich das Training beim FC Bayern?

Wohl nur in Nuancen. Auch Jupp Heynckes ließ fast ausschließlich mit dem Ball trainieren. Es soll zudem bei den Bayern auch künftig öffentliche Einheiten für die Fans geben. Zum Start unter Guardiola am 26. und 27. Juni (jeweils ab 17.00 Uhr, Eintritt fünf Euro zugunsten der Flutopfer-Hilfe) dürfen die Anhänger in der Allianz Arena zuschauen.

Welche Neuerungen gibt es?

Womöglich keine Hotelübernachtung mehr vor Heimspielen. In Barcelona durften die Profis die Nacht vor den Spielen zu Hause verbringen. „Die Leute verbringen den Tag, bevor sie zur Arbeit gehen, auch nicht eingesperrt im Hotel“, hat Guardiola erklärt. Er sei kein Polizist.

Wie sieht es mit den Deutsch-Kenntnissen von Guardiola aus?

Guardiola lernt seit einem halben Jahr intensiv Deutsch – angeblich bis zu vier Stunden am Tag. Seine erste Pressekonferenz am Montag (mit Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, Sportvorstand Matthias Sammer und Präsident Uli Hoeneß) will er auf Deutsch abhalten. Zur Sicherheit wird es aber auch eine Simultan-Übersetzung vom Spanischen ins Deutsche geben. Die „Amtssprache“ in der Kabine und bei Besprechungen soll ebenfalls Deutsch sein.

Was erhofft sich der FC Bayern?

Titel, internationales Renommee. Guardiola habe eine gewisse „Strahlkraft“ auf internationale Stars, sagte Vorstandschef Rummenigge. Aber er soll auch den Weg mit- und weitergehen, den der Klub im Nachwuchsbereich mit Sportvorstand Sammer eingeschlagen hat.

Ist Guardiola der Aufgabe gewachsen?

„Ich war an einem Punkt angekommen, an dem ich entschied, dass es genug war“, sagte Guardiola nach seinem Abschied von Barcelona. Er fühlte sich ausgebrannt, die Familie mit drei Kindern verlangte Aufmerksamkeit. In New York sammelte er ein Jahr lang neue Kraft und fühlt sich für den FC Bayern gewappnet. Zur Erwartungshaltung in München sagte er bereits: „Ich kann das ab.“

Holt er sich Tipps von Heynckes?

Wird er nicht. Er will unbelastet an die Aufgabe herangehen. Zudem hatte auch Heynckes schon betont, sich nicht einmischen zu wollen.

Wie sieht der neue Kader aus?

Mario Götze (Borussia Dortmund) und Jan Kirchhoff (FSV Mainz 05) stehen als Zugänge fest. Sichere Abgänge: Anatoli Timoschtschuk und Nils Petersen. Zudem wird wohl Mario Gomez den FC Bayern verlassen.

Wer fehlt zum Auftakt?

Beim ersten Training am 26. Juni werden Dante, Luiz Gustavo und Javi Martinez wegen ihrer Teilnahme am Confed Cup fehlen. Sie steigen erst im Juli ein. Zudem haben Arjen Robben, Mario Mandzukic und David Alaba nach Länderspiel-Einsätzen noch bis Ende Juni frei. Mario Götze und Holger Badstuber sind verletzt.

Wird aus Pep Sepp?

Der Freistaat und der Freigeist – das könnte eine für beide Seiten fruchtbare Beziehung werden. Guardiola setzte sich für die Unabhängigkeit Kataloniens ein, er ist mit Literaten und Künstlern befreundet, gilt als belesen. Ein intimer Barca-Kenner beschrieb ihn als „manisch-obsessiv“ in seiner Leidenschaft für den Fußball und als besessenen Perfektionisten. Darin ist er Sammer ähnlich – das könnte also passen.

Ist alles rosarot?

Nein. Guardiolas Karriere hat ein paar wenige, dunkle Flecken. Als Profi bei Brescia wurde er 2001 des Nandrolon-Dopings überführt - viermonatige Sperre, 2005 Verurteilung zu einer Haftstrafe von sieben Monaten. „Ich bin unschuldig, ich habe Vitamine eingenommen“, sagte er. Sein Körper soll ungewöhnlich viel Nandrolon produzieren. Guardiola wurde freigesprochen, die Behörden lobten explizit, dass er sich vorbildlich an der Klärung des Falles beteiligt habe. Zudem gab es 2009 Unregelmäßigkeiten bei Steuerzahlungen. Auch diese Vorwürfe wies Guardiola zurück.

 

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