Alle Details zum SEK-Einsatz Maxvorstadt-Schießerei: Was wir wissen - und was nicht

, aktualisiert am 20.04.2016 - 17:03 Uhr
Am Dienstagabend kam es zu einer Schießerei in der Maxvorstadt. Mit einem Großaufgebot rückte die Polizei in die Zentnerstraße aus. Foto: Wojciech Majewski

Am Dienstag hat eine Schießerei in der Maxvorstadt die ganze Stadt in Atem gehalten. Einen Tag später hat die Münchner Polizei erste Ermittlungsergebnisse zu dem Vorfall präsentiert. Was wir jetzt sicher wissen – und was nicht.

 

Maxvorstadt - Bei einer Schießerei in der Maxvorstadt wurden am frühen Dienstagabend zwei Personen verletzt.

Ein Terrorbezug konnte schnell ausgeschlossen werden, der Polizei wurde früh klar, dass es sich bei dem Vorfall um einen Familienstreit handeln muss. Nach mehreren Stunden konnte der Täter schließlich überwältigt werden.

Am Mittwochmittag gaben Polizei und Staatsanwaltschaft weitere Ermittlungsergebnisse bekannt.

Was wir wissen

Vor den Schüssen: Tatort war die Zentnerstraße auf Höhe der Hausnummer 20 in der Maxvorstadt. Auslöser für die Schießerei war ein Sorgerechtsstreit zwischen drei Personen.

Die Beteiligten: Ein 40-jähriger Iraker, seine 24 Jahre alte Ehefrau aus Syrien, die mittlerweile getrennt von ihm lebt sowie ein ebenfalls 24-jähriger Syrer, der ihr neuer Lebensgefährte ist. Sowohl der Iraker als auch das syrische Paar hatten wegen des Sorgerechts für ihre zwei gemeinsamen Kinder jeweils getrennte Termine bei einer Gutachterin. In der Nähe des Tatorts trafen sie zufällig aufeinander – nach ersten verbalen Auseinandersetzungen eskalierte die Situation innerhalb kurzer Zeit und der 40-Jährige zog eine Waffe. Schon zuvor fühlte sich die 24-Jährige von ihrem Ehemann dermaßen bedroht, dass sie die Polizei alarmierte.

Während der Schüsse: Mit einem Revolver, den sich der Täter wohl in Tschechien besorgt haben soll, gab er dann mehrere Schüsse auf den neuen Freund seiner Ehefrau ab. Als die ersten Schüsse fielen, traf die Polizei am Tatort ein und schoss ihrerseits auf den Iraker, um diesen zu stoppen. Wie die Polizei auf der Pressekonferenz berichtete, seien fünfzehn Schüsse durch die beiden Beamten abgegeben worden. Der Einsatz war laut Polizei gerechtfertigt, da die jeweiligen Beamten unmittelbar mitbekommen haben, wie die ersten Schüsse fielen und eine akute Gefahr vom Schützen ausging. Eine Kugel der Polizei traf den 40-Jährigen am Oberschenkel, woraufhin er verletzt zusammenbrach.

Auf dem Boden sitzend hielt sich der Iraker die Waffe an den Kopf und drohte damit, sich umzubringen. Mit dem Einsatz einer Blendgranate konnte die Polizei den Mann nach etwa drei Stunden, gegen 21 Uhr, überwältigen – danach wurde er vorläufig festgenommen.

 

Nach den Schüssen: Der angeschossene Syrer konnte sich noch einige Meter vom Tatort entfernen, wurde erstversorgt und danach ins Krankenhaus gebracht. Bei der Operation stellte sich dann heraus, dass er von insgesamt drei Kugeln an Arm und Oberkörper getroffen wurde. Eines der drei Projektile stammte allerdings aus einer Polizeiwaffe. Das Opfer wurde ins künstliche Koma versetzt – aktuell schwebt der 24-Jährige in Lebensgefahr.

Bis auf die beiden Männer wurden keine weiteren Personen verletzt – auch nicht die 24-jährige Frau. Der Täter ist derzeit im Krankenhaus in der JVA Stadelheim, bisher allerdings noch nicht vernehmungsfähig. Drei Autos, die am Tatort standen wurden beschädigt.

Wegen mehrerer Auseinandersetzungen im Oktober des letzten Jahres zwischen dem Iraker und der Syrerin befinden sich die gemeinsamen Kinder (vierjährige Tochter, elf Monate alter Sohn) seit einigen Monaten in der Obhut des Jugendamts. Unter anderem war von häuslicher Gewalt die Rede. Damals wurde der Iraker von seiner Ehefrau angezeigt – demnach war er auch schon polizeibekannt. Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch am Mittwoch: "Es ging um einen Streit um die Kinder, bei dem der Mann nach einem Küchenmesser griff."

Lesen Sie hier: Unfall auf dem Weg zur Maxvorstadt-Schießerei - drei Verletzte

Was wir nicht wissen

Laut Polizei sei der genaue zeitliche Ablauf des Vorfalls noch unklar. Die wichtigsten Fragen: Wann fielen die ersten Schüsse und wie ist es zur anfänglichen verbalen Auseinandersetzung gekommen? Außerdem wissen die Ermittler noch nicht, wie viele Schüsse der Iraker exakt abgegeben hat. Hierzu sucht die Polizei jetzt dringend Zeugen, die sich zu Beginn des Streits in der Nähe des Tatorts in der Zentnerstraße aufgehalten haben. Zeugen sollen sich bei der Mordkommision München (K11), unter Tel. 089/2910-0, oder jeder anderen Polizeidienststelle melden.

 

Unbekannt ist zudem, ob der Syrer durch einen Querschläger des Polizeiprojektils getroffen wurde oder ob ein Beamter versehentlich in seine Richtung geschossen hat. Um diesen wichtigen Sachverhalt zu klären, hat das Bayerische Landeskriminalamt die Ermittlungen aufgenommen. Die Polizei hat zumindest keine Hinweise, dass noch ein weiterer Täter in den Vorfall involviert war und auf den Syrer geschossen hat.

Das Schussopfer wurde ins künstliche Koma versetzt – unklar ist, ob er überlebt.

Auch der genaue Tatbestand ist derzeit noch nicht gänzlich geklärt: Steinkraus-Koch bestätigte auf der Pressekonferenz, dass der Iraker vorläufig festgenommen wurde – derzeit ist davon auszugehen, dass ein Haftbefehl wegen versuchten Mordes beantragt wird. Ob zudem noch der Beweggrund der Heimtücke vorhanden war, müsse allerdings weiter überprüft werden.

 

 

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