Nationalspieler mit Offensivdrang Kimmich und die Systemfrage: Wann darf er endlich ins Mittelfeld?

Der Boss im Mittelfeld: Joshua Kimmich vom FC Bayern bei der deutschen Nationalmannschaft. Foto: imago/Revierfoto

In der Nationalmannschaft darf er auf seiner Lieblingsposition im Mittelfeld ran, beim FC Bayern dagegen bleibt er Außenverteidiger. "An dieser Aufgabe kann ich wachsen", sagt der 23-Jährige.

 

München - In sechs Jahren, wenn die EM 2024 in Deutschland stattfindet, ist Joshua Kimmich 29 Jahre alt. Und, wenn nicht alles schief geht, weiterhin Nationalspieler, womöglich sogar Kapitän. Das ist das erklärte Ziel des ehrgeizigen Bayern-Profis. Ein weiteres hat er – zumindest in der Nationalmannschaft unter Bundestrainer Joachim Löw – bereits erreicht: die Versetzung ins zentrale Mittelfeld, das Herz des Spiels, Kimmichs Lieblingsposition.

Beim FC Bayern bleibt Kimmich Außenverteidiger

Im Verein, beim FC Bayern, sieht die Sache dagegen noch anders aus: Trainer Niko Kovac sieht Kimmich weiterhin als Außenverteidiger. "Niko Kovac hat mir relativ klar gesagt, dass ich in München Rechtsverteidiger bin, weil wir außen ein bisschen unterbesetzt sind und im Mittelfeld genug Spieler haben", sagte der 23-jährige Kimmich bei Eurosport.
Außer Rechtsverteidiger Kimmich spielen nur noch Rafinha und David Alaba auf den Außenverteidigerpositionen, im Mittelfeld ist die Auswahl mit Spielern wie Thiago, Javi Martínez, Leon Goretzka, Corentin Tolisso, Renato Sanches, James und Thomas Müller deutlich größer. 

Das sagt Kimmich über die doppelte Herausforderung

Doch der doppelte Kimmich kann diesem Rollenwechsel, der Positionen-Pendelei, durchaus Positives abgewinnen: "Ich sehe es als Chance an, derzeit beim DFB auf der Sechs und bei Bayern als Rechtsverteidiger aufgestellt zu werden, weil ich damit zwei verschiedenen Anforderungsprofilen gerecht werden muss. An dieser Aufgabe kann ich wachsen", sagte er. "Für junge Spieler ist es extrem wichtig, flexibel zu sein und alle Positionen kennenzulernen. Es hat mich enorm weitergebracht", meinte der 2015 zu Bayern gewechselte Kimmich.

Rollenspiele bereits unter Pep Guardiola

Damals galt er als Lieblingsschüler des von Trainer Pep Guardiola. Dieser schob ihn von einer Position auf die andere. "Erst auf der Sechs, dann als Innenverteidiger. Und jetzt Außenverteidiger", sagt Kimmich.

Die neue Rolle im Nationalteam bekam Kimmich dagegen ganz unverhofft. "Es kam für mich überraschend, dass ich bei der Nationalelf jetzt auf der Sechs ran darf", sagte er. "Die Position habe ich in der Jugend immer gespielt, dort wurde ich ausgebildet." Und dort spielt er am liebsten – mit Abstand.

Kritik am Offensiv-Drang

Beim historischen Vorrunden-Aus bei der WM in Russland in diesem Sommer agierte Kimmich noch als Rechtsverteidiger, und das nicht gänzlich überzeugend. Kritiker bemängelten, er interpretiere seine Rolle zu offensiv, reiße mit seinen Ausflügen in die Offensive Lücken in die deutsche Abwehr. Danach beorderte Löw ihn als Teil seines Umbruchplans ins Mittelfeld. Und Kimmich machte in der Nations Legaue beim 0:0 gegen Weltmeister Frankreich und dem anschließenden 2:1-Sieg im Testspiel gegen Peru seine Sache gut. Sehr gut sogar. Nur: An seiner Lage beim FC Bayern wird das nichts ändern.

"Als würden Weihnachten und Ostern zusammenfallen"

Denn im Verein ist die Lage gänzlich anders als in der Nationalelf. Zwar fehlen der deutschen Elf durchaus Außenverteidiger auf Topniveau, man hätte also Verwendung für einen Rechtsverteidiger Kimmich. Doch die Not im zentralen Mittelfeld ist nicht minder groß. Zumal Routinier Sami Khedira (31), jahrelang als laufstarker Abräumer gesetzt und eine Konstante im deutschen Spiel, während der WM enttäuschte. Die Versetzung ins Mittelfeld sei für Kimmich gewesen, "als würden Weihnachten und Ostern zusammenfallen", sagte Klubkollege Thomas Müller. Und wer weiß: Vielleicht gibt es in knapp sechs Jahren bei der EM in Deutschland auch den ein oder anderen Fußball-Feiertag. Mit Kimmich im Mittelfeld, selbstverständlich.

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