Nach knappem Ergebnis bei Landtagswahl Stimmkreis Moosach wird neu ausgezählt

Im Stimmkreis München-Moosach war das Ergebnis ganz besonders knapp. Foto: Michael Kappeler/dpa/AZ-Montage

Mit weniger als hundert Stimmen Vorsprung hatte Grünen-Kandidat Benjamin Adjei bei der Landtagswahl in Moosach das Direktmandat geholt. Das KVR überprüft ab Mittwoch, ob in der Wahlnacht Fehler gemacht wurden.

Moosach - Nun also doch: Das Landtagswahlergebnis der Erststimmen im Stimmkreis Moosach wird noch einmal neu ausgezählt. Das hat am Dienstagnachmittag der Stimmkreisausschuss - das oberste Kontrollgremium zur Landtagswahl - in einer zweiten Sitzung entschieden. Den Vorsitz hat Kreisverwaltungschef Thomas Böhle.

Einen solchen Vorgang hat es in München seit der Kommunalwahl 1984 nicht mehr gegeben. Damals hatte der damalige KVR-Chef Peter Gauweiler (CSU) "haarsträubende Rechenfehler" festgestellt. Das neue Ergebnis soll am Freitagvormittag feststehen.

Landtagswahl: Knapper Vorsprung in Moosach

Damit klärt das KVR, ob in der Wahlnacht vom 14. Oktober, in der es einige Computerpannen gegeben hat, in Moosach auch tatsächlich richtig ausgezählt worden ist. Das Ergebnis war sehr knapp ausgefallen: Die CSU-Abgeordnete Mechthilde Wittmann war ihrem grünen Herausforderer Benjamin Adjei um nur 87 Erststimmen unterlegen – und verlor so ihren Sitz im Landtag.

Erleichterung bei Mechthilde Wittmann

Unter anderem hatte CSU-Generalsekretär Markus Blume eine Neuauszählung gefordert. "In Anbetracht des äußerst knappen Ergebnisses können wir so jeden Zweifel an einer ordnungsgemäßen Ergebnisfeststellung ausräumen", erklärt Böhle, der vor wenigen Tagen eine Nachzählung noch abgelehnt hat.

Mechthilde Wittmann reagiert erleichtert: "Es ist gut, wenn wir nun ein unzweifelhaftes und transparentes Ergebnis bekommen werden", sagte sie auf AZ-Anfrage. "Natürlich akzeptiere ich auch eine Niederlage."

Am Mittwoch und am Donnerstag werden rund 70 KVR-Mitarbeiter in Fünfergruppen die 67.436 abgegebenen Moosacher Erststimmen nachzählen. Das KVR hat dafür die Wahlunterlagen vom Landeswahlleiter in Fürth zurück geholt. Für den grünen Stimmkreis-Sieger Benjamin Adjei würde ein neues Ergebnis übrigens wenig ändern: Er käme trotzdem in den Landtag.

Für Adjei ändert sich nichts

Durch das bayerische Wahlsystem ergibt sich die absurde Situation, dass er für sich selbst nachrücken würde. Sollte nämlich Mechthilde Wittmann statt seiner in den Landtag einziehen, hätte die CSU ein weiteres Überhangmandat. Die dann fälligen Ausgleichsmandate gingen dann wohl an die AfD und die Grünen. Bei ihnen würde je ein Listenkandidat nachrücken. Und der Nachrücker Nummer eins bei den Grünen heißt: Benjamin Adjei.

Die Wahlhelfer müssten sich in Moosach schon um 163 Stimmen verzählt haben, damit Adjei doch noch aus dem Landtag fliegt. In dem Fall würde nämlich Leonhard Hinterholzer aus Rosenheim ins Maximilianeum nachrücken. Ursprünglich war man davon ausgegangen, dass Isabell Zacharias für die SPD eines der beiden Ausgleichsmandate bekommt.

Nachdem das amtliche Endergebnis von den zunächst vermeldeten Zahlen aber deutlich abgewichen ist, geht diese Rechnung nun wohl nicht mehr auf. Ihre Hoffnung sei jedenfalls nur noch sehr gering, sagt Zacharias. "Das ist kein Strohhalm, an dem ich saugen möchte", so die 53-Jährige.

Bei den Grünen hält man die Neuauszählung zwar nicht für notwendig. "Die Wahlhelfer haben sicher sehr gewissenhaft ausgezählt", sagt Gudrun Lux, die Münchner Parteichefin. "Aber wenn wir damit Zweifel ausräumen, sind wir fürs Neuauszählen." 

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