Münchner CSU Markus Blume, Polarisierer wider Willen

, aktualisiert am 12.11.2016 - 12:10 Uhr
Die Zukunft der Münchner CSU? Oder doch nicht? Markus Blume beim Parteitag vor einer Woche. Foto: dpa

Die Spitze der Münchner CSU sucht die Nähe zu Markus Söder. Doch Ministerpräsident Seehofer lobt den jungen Münchner Markus Blume als größte Nachwuchshoffnung. Dem muss das nicht guttun.

 

München - Und dann ist auch noch Karneval. Als wären diese Tage nicht aufregend genug für Markus Blume. Am Freitag ist er in Köln. Dass dort am 11.11. um 11.11 Uhr der Wahnsinn losbricht, hatte der gebürtige Münchner glatt vergessen. "Ein Wahnsinn!", ruft Blume im Taxi ins Handy. "Ein Wahnsinn!", sei es, was sich draußen abspiele.

Der Mann wirkt leicht überfordert. Ein ungewohnter Eindruck. Denn Blume, 41-jähriger Landtagsabgeordneter aus Perlach, hat einen Lauf. Am Wochenende stellte er beim CSU-Parteitag das neue Grundsatzprogramm vor. Die Aufgabe hatten in der Vergangenheit Kaliber wie Theo Waigel und Edmund Stoiber. Aus den Herren wurde etwas. Und auch aus Blume soll was werden.

Zwei Münchner – mehr geht nicht in einer CSU-Staatsregierung

Ministerpräsident Horst Seehofer betonte zuletzt oft, dass er Blume für höhere Aufgaben vorsieht. Blume soll ins Kabinett – und das macht manchen in der Münchner CSU unruhig. Mit Kultusminister Ludwig Spaenle und seinem Staatssekretär Georg Eisenreich sitzen zwei Münchner am Kabinettstisch. In der CSU ist der Regional-Proporz heilig. Das heißt: Sollte Seehofer, wie viele in der Partei raunen, 2017 das Kabinett umbilden, stünde ein anderer Münchner auf der Kippe: Und das wäre Georg Eisenreich.

So kommt es, dass Blume plötzlich polarisiert, obwohl sich in der intrigenreichen CSU kaum jemand findet, der ein schlechtes Wort über ihn sagt. Der Mann gilt als korrekt, fleißig und freundlich.

Mitte der Woche sitzt Blume im feinen "Ritzi" hinterm Landtag. Er bestellt Wasser und Hühnchen-Curry, nimmt sich viel Zeit. Anders als viele Politiker seiner Generation ist er ein konzentrierter Gesprächspartner, kein Blick geht aufs Handy. In zwei Jahren der Programmarbeit hat er sich eine ministrable Sprache angewöhnt. Blume, der nach dem Abi als Stoiber-Fan in die CSU eintrat, sagt Sätze wie den, dass er mit Sorge sehe, wie eine Erosion der Gesellschaft Fahrt aufnimmt.

Das neue Grundsatzprogramm, Titel "Die Ordnung", hat Blume bundesweit für konservative Positionen bekannt gemacht. Ein starker Staat, Leitkultur, solche Stichworte. Dabei steht im Programm auch explizit, dass gleichgeschlechtliche Lebensweisen anerkannt werden. Blume selbst sagt, das habe mit seiner "großstädtischen Prägung" zu tun. Er glaubt noch an das Prinzip Volkspartei, die verschiedenste Milieus anspricht. "Wenn wir diesen Anspruch aufgeben, öffnen sich beunruhigende Spielräume", sagt er beim Curry.

In diesen Tagen wirkt es oft, als könne ihn nichts aufhalten. Doch auch diese Personalie muss im Streit zwischen Seehofer und Söder eingeordnet werden. Das Lager seines CSU-internen Kontrahenten Eisenreichs sieht die warmen Worte Seehofers gelassen. Man setze ohnehin auf Söder, heißt es. Früher oder später sei der der Herr im Lande – und werde sich sicher nicht für Seehofers Lieblingsschüler entscheiden. Sondern für die Haudegen Spaenle und Eisenreich.

Natürlich lobt CSU-Bezirkschef Spaenle auf AZ-Nachfrage Blumes Programmarbeit – vor allem aber schwärmt er demonstrativ von Eisenreich. Mitte der Woche sitzen die beiden beim Stadt-Parteitag einmütig am Tisch. Es spricht: Markus Söder. Er betont, er sehe einen Münchner CSU-Bürgermeister auf Augenhöhe – ein Seitenhieb auf Seehofer, der nur wenig Rücksicht auf Josef Schmid nimmt, sich oft mit SPD-OB Dieter Reiter zeigt. Söder hingegen ist ein privater Freund Spaenles, Eisenreich war das erste Kabinettsmitglied, das sich öffentlich für ihn als Ministerpräsidenten ausgesprochen hat. Man kennt und mag sich.

In der CSU herrscht helle Aufregung – mal wieder

Die CSU-Basis freut sich immer so über diesen Gast. Söder schießt aus allen Rohren – ganz anders als die vorsichtigen, betont liberalen örtlichen Parteivorderen. Diesmal kommt etwas dazu: Söders Auftritt lenkt von eigenen Problemen ab. So wird – mal wieder – geraunt, es hätten vor der Kandidatenaufstellung für den Bundestag viele Mitglieder Kreisverbände gewechselt. Hastig seien Mehrheiten organisiert worden.

Söder wiederum braucht Unterstützung aus München. Der Nürnberger setzt auf gegenseitige Unterstützung. "Ich bin einer der wenigen in der CSU, die auch Großstadt können", sagt er beim Parteitag im Gespräch mit der AZ. In München bekomme er viel Zuspruch. Für Blume muss das keine gute Nachricht sein. All das Lob von Seehofer sei kein Signal nach München, erklärt Blume am Freitag. Er weiß offenbar, dass es auch blöd laufen kann. Dann bliebe der ehrgeizige Perlacher Hinterbänkler im Landtag. Trotz allem.

 

2 Kommentare