Löwen-Geschäftsführer TSV 1860: Gorenzels Drei-Punkte-Plan im Umgang mit dem Coronavirus

Günther Gorenzel Foto: sampics/Augenklick

Löwen-Geschäftsführer Günther Gorenzel fordert wegen der Corona-Krise "ganzheitliche Lösungen" und stößt die Diskussion um Kompensationsmechanismen im Fußball an. "Ohne die wird es nicht gehen".

 

München - Löwen gegen Zebras. Sechster gegen Spitzenreiter. So hätte es am Samstag heißen sollen auf Giesings Höhen. Stattdessen setzen sich die Sechzger – wie die ganze Welt – mit den Konsequenzen des Coronavirus auseinander. Die gerade für ältere und geschwächte Menschen in unserer Mitte notwendigen Einschränkungen des gesellschaftlichen Lebens zur Eindämmung des Virus haben tiefgreifende Auswirkungen auf den (Spitzen-)Sport. Was die Dritte Liga anbelangt, wird es das Duell des TSV 1860 mit dem MSV Duisburg nach der Verlegung der Spieltage 28 und 29 (vorerst) nicht geben.

"Coronavirus wird 1860 nicht stoppen"

Und so kam es, dass Trainer Michael Köllner und Sportchef Günther Gorenzel bei der "Spieltags"-Konferenz über die Pandemie des Coronavirus sprachen. "1860 ist sich seiner gesellschaftlichen und gesundheitspolitischen Verantwortung zu hundert Prozent bewusst", schickte Gorenzel voraus: "Aber eines ist klar: Das Coronavirus wird 1860 nicht stoppen, wird uns in unseren Bestrebungen und unserer Entwicklung nicht stoppen." Dazu formulierte Gorenzel einen drei-Punkte-Appell.

Gorenzel fordert  EM-Absage

Interner Umgang mit dem Virus: Gorenzel machte zuerst klar, dass sämtliche Löwen-Spieler, Funktionäre und Angestellte ihren Aufgaben weiterhin nachkommen müssten. "Erstens: Keiner darf sich in seinem Aufgaben- und Kompetenzbereich hinter der Causa Corona verstecken und muss Lösungen vorantreiben", so Gorenzel. Und Coach Köllner ergänzte: "Wir tun uns im Training schwer damit, aber wir versuchen die Dinge so anzugehen, dass wir im Tritt bleiben." Daher solle es für Torjäger Sascha Mölders und Co. am Samstag "im Großraum München" ein Testspiel geben – unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Der Gegner steht noch nicht fest. Ganzheitliche Liga-Lösungen mit Wertung – und ohne EM: Gorenzel stellte klar, dass sich die Problematik weder regional noch vereinsintern lösen lasse. "Wir brauchen eine ganzheitliche Lösung für den Fußball. Es ist eine Illusion, eine Epidemie oder Pandemie und die wirtschaftlichen Auswirkungen isoliert lösen zu können."

Der 48-Jährige forderte eine EM-Absage: "Ich gehe so weit, dass man die Uefa ins Boot holen muss und ich mir ernsthaft die Frage stelle: Wenn bis Ende April Schulen zugemacht werden, macht es Sinn, wenige Wochen später durch zwölf Länder kreuz und quer den Mannschaften hinterher zu reisen?" Man müsse prüfen, "inwieweit eine EM noch verantwortbar und sinnvoll" sei. In den Ligen, auch europaweit, müssten "Chancengleichheit im sportlichen wie wirtschaftlichen Bereich" (Gorenzel) und "Integrität des Wettbewerbs" (Köllner) gewahrt bleiben. Gorenzels Kernforderungen, um Sechzigs Aufstiegshoffnungen ebenso wie das wirtschaftliche Überleben zu wahren: "Wir brauchen am Ende des Tages eine Wertung." Und, im Falle von Geisterspielen oder eines Saisonabbruchs: "Wir müssen uns über wirtschaftliche Kompensationsmechanismen unterhalten, ohne diese wird es nicht gehen."

Die Löwenfamilie: Gorenzel über Punkt Nummer drei: "Die Löwenfamilie muss noch enger zusammenrücken. Vom Mentalen her, von der Identifikation." Finanzielle Unterstützung der Fans, etwa durch symbolische Geisterspiel-Tickets nach Vorbild von Zweitligist VfL Bochum, würde der Geschäftsführer gewiss nicht verwehren. Ob sich 1860 in Zeiten der Corona-Krise zusammenrauft? Gorenzel wollte einen Bericht der "Bild" nicht bestätigen, wonach sich Hauptsponsor "die Bayerische" eine Kapitalerhöhung im Bereich der von Investor Hasan Ismaik erhofften 15 bis 20 Millionen vorstellen könne. Dass es Überlegungen gäbe, sei aber "kein Geheimnis". Das wäre, inmitten einer laut Köllner "schwierigen Zeit", ein starkes Signal.

 

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