Landtagswahl Bayern 2018 Die Kandidaten im Stimmkreis München-Mitte

, aktualisiert am 11.10.2018 - 08:51 Uhr
Die Mitte-Kandidaten am Gärtnerplatz (v.l.): Ludwig Hartmann (Grüne), Brigitte Wolf (Linke), Hans Theiss (CSU) und Michael Ott (SPD). Foto: Sigi Müller

Am 14. Oktober wählt Bayern einen neuen Landtag – die AZ stellt die Kandidaten der einzelnen Münchner Stimmkreise vor. Im Stimmkreis 109 München-Mitte schickt sich Grünen-Politiker Ludwig Hartmann an, der CSU das Direktmandat zu entreißen.

München - Den Wahlkreis München-Mitte – den hat's bisher noch nicht gegeben. Und dass ein Grüner als Favorit in die Wahl geht: Das schon gleich zwei Mal nicht.

In diesem Jahr ist es soweit: Ludwig Hartmann, einer der beiden Spitzenkandidaten der Grünen, ist in allen Prognosen vorne. Das liegt auch daran, dass Hartmann ein recht charismatischer Typ ist. Es liegt in allererster Linie aber am Zuschnitt dieses Stimmkreises.

München-Mitte: Die Banane im Stadtzentrum

Weil München seit der Landtagswahl 2013 stark gewachsen ist, ist die Stadt heuer nicht mehr in acht, sondern in neun Wahlbezirke eingeteilt. Der zusätzliche Stimmkreis biegt sich wie eine Banane etwas krumm südlich um die Altstadt. Ein Gebilde, das schon im Vorfeld für Gegrummel gesorgt hat.

Haidhausen, Isarvorstadt, Schwanthalerhöhe – um in anderen Stimmkreisen freie Bahn zu haben, habe die CSU alle Stadtviertel mit eher links-grünem Publikum in diesen Wahlbezirk entsorgt, hieß es voller Ärger bei der Konkurrenz. Die schwierige Aufgabe, in diesem CSU-feindlichen Milieu vielleicht doch noch zu punkten, hat Stadtrat Hans Theiss. Der hielt sich im Wahlkampf dann auch spürbar mit brachialer CSU-Symbolik zurück. Die Plakate sind nicht dunkelblau, sondern zartrosa. Das Parteilogo taucht meistens nur recht klein in der Ecke auf.

CSU beim CSD: Nicht besonders geschickt

Ansonsten versuchte der Kardiologe Theiss mit seinem Professorentitel zu glänzen – und ein bisschen auch mit seiner Glamourbeziehung zur früheren Kickbox-Weltmeisterin Christine Theiss. Aber ob das reichen wird? Schließlich hat die CSU im Wahlkampf ein paar strategische Fehler gemacht. Ihren Kandidaten beim Christopher Street Day auf die Bühne zu schicken, das war - auch wenn Theiss für CSU-Verhältnisse eher links ist - zum Beispiel kein geschickter Schachzug. Gerade so, dass keine Tomaten geflogen sind. Wähler dürfte Theiss bei diesem Auftritt jedenfalls nicht gewonnen haben. Und dann gäbe es für Theiss neben Ludwig Hartmann schließlich auch noch andere Kandidaten aus dem Weg zu räumen.

Die SPD tritt mit dem Literaturwissenschaftler Michael Ott an. Der ist politisch bislang wenig in Erscheinung getreten, gehört aber der schwulen Szene an – und dürfte zumindest im Glockenbachviertel deshalb ein paar Kreuzchen bekommen. Für die Linke tritt zudem Brigitte Wolf an. Auch ihr muss man zutrauen, aufgrund ihrer Bekanntheit als Stadträtin Stimmen abzuräumen. Und allein dieser Umstand macht das Rennen doch wieder spannend. Sollten sich SPD, Grüne und Linke gegenseitig die Stimmen wegnehmen, könnte die CSU der lachende Außenseiter sein.


Stimmkreis 109: München-Mitte: Wer kandidiert?

Den Stimmkreis München- Mitte gibt es heuer zum ersten Mal. Mit ihm wird der gestiegenen Einwohnerzahl Münchens Rechnung getragen. Er setzt sich zusammen aus den Stadtbezirken Schwanthalerhöhe (8), Ludwigsvorstadt- Isarvorstadt (2), weiten Teilen von Au-Haidhausen (5) und Teilen von Untersendling (6). Laut Wahlamt gibt es dort nun 89.042 Stimmberechtigte. Nur der Stimmkreis Bogenhausen ist in München kleiner.


München-Mitte: Die Kandidaten

CSU: Hans Theiss

  • Alter: 40
  • Beruf: Arzt
  • Familienstand: verheiratet, ein Kind

Der 41-Jährige ist Kardiologe und ist auf vielen seiner Plakate deshalb auch mit einem Herz abgebildet. Theiss ist mit der früheren Kickbox-Weltmeisterin Christine Theiss verheiratet, mit der er gemeinsam in Schwabing wohnt und ein Kind hat. Als thematischen Schwerpunkt hat sich Theiss vorgenommen, den Pflegemangel zu beheben. Die Krankenhäuser und Heime bekommen schließlich immer noch nur schwer Personal.


SPD: Michael Ott

  • Alter: 54
  • Beruf: Literaturwissenschaftler
  • Familienstand: ledig

Der 54-Jährige ist der Überraschungskandidat bei der SPD. Hat er im parteiinternen Vorentscheid doch den deutlich favorisierten Partei-Vize Roland Fischer ausgestochen – um sich in den harten Mitte-Wahlkampf zu stürzen. Ott ist Literaturwissenschaftler und wohnt im Glockenbachviertel. Seine Ziel ist es vor allem, München bezahlbar zu halten. Das betrifft natürlich vor allem das Thema Wohnen. Ott will aber auch den Zugang zu guter Bildung erleichtern. Insgesamt, so drückt Michael Ott es aus, will er dafür sorgen, dass München eine lebenswerte Stadt bleibt.


Grüne: Ludwig Hartmann

  • Alter: 39
  • Beruf: Fraktionsvorsitzender, Landtagsmitglied
  • Familienstand: ledig, ein Kind

Der 40-Jährige ist gelernter Kommunikationsdesigner, hat sich aber schon seit Längerem ganz der Politik verschrieben. Mittlerweile ist er Fraktionschef im Landtag und grüner Spitzenkandidat. Hartmann wohnt in Haidhausen und hat einen kleinen Sohn. Für München hat sich Hartmann speziell zwei Themen auf die Agenda gesetzt: Das Wohnen soll bezahlbar bleiben. Und auch die Luft soll besser werden.


FDP: Anke Pöhlmann

  • Alter: 29
  • Beruf: Personalberaterin
  • Familienstand: ledig, ein Kind

Die 29-Jährige arbeitet als Personalberaterin bei einem Headhunting-Unternehmen. Zudem ist sie derzeit alleinerziehende Mutter und wohnt mit ihrem gut ein Jahr alten Sohn in Thalkirchen an der Isar. Pöhlmann, Spitzname Pöli, will die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern. Deshalb setzt sie sich für flexible Arbeitszeiten und eine bessere Kinderbetreuung ein. Und noch ein Ziel: Schulbildung, die etwas mehr Alltagsschläue vermittelt.


Die Linke: Brigitte Wolf

  • Alter: 55
  • Beruf: Informatikerin, Stadträtin
  • Familienstand: ledig

Die 55-Jährige verdient sich im Stadtrat regelmäßig Fleißkärtchen. Ist die Beschlussvorlage auch noch so lang, man kann sich sicher sein: Brigitte Wolf hat sie bis zur letzten Seite gelesen. Außer den ehrlichen Respekt von ihren Kollegen im Rathaus hat ihr das bislang aber wenig eingetragen. Wie auch, so fast als linke Einzelkämpferin. Wolf ist Informatikerin und wohnt in Haidhausen. Als ihre politischen Ziele gibt sie an: die meist verdeckte Armut in München bekämpfen, bezahlbaren Wohnraum schaffen und Rassismus entgegentreten.


AfD: Bruno Fuchert

  • Alter: 67
  • Beruf: Architekt
  • Familienstand: geschieden

Der 67-jährige Architekt wohnt in Neuperlach. Er ist geschieden und tritt nach eigegen Angaben gegen die "Verarmung des deutschen Volkes" ein. Fuchert ist ein ziemlicher Rechtsausleger. In einem Youtube-Video wettert er gegen die Billig-Renten in Deutschland und macht dafür die vermeintliche Islamisierung des Landes verantwortlich.


Freie Wähler: Ute Schiller-Schulze

  • Alter: 55
  • Beruf: Erzieherin
  • Familienstand: verheiratet

Die 55-Jährige wohnt in der Ludwigsvorstadt und arbeitet als Erzieherin. Von ihrem Beruf leitet sich auch ihre Kernforderung für München ab: Schiller-Schulze will sich nämlich für eine kostenlose Kinderbetreuung einsetzen. Auf dem Hans-Sachs-Straßenfest sei sie mit so vielen Familien ins Gespräch gekommen. Das habe sie darin bestärkt, dass man da etwa tun müsse.


mut: Claudia Stamm

  • Alter: 47
  • Beruf: Landtagsabgeordnete, Journalistin
  • Familienstand: verwitwet, zwei Kinder

Die 47-Jährige hat für ganz schön Aufsehen gesorgt, als sie vor anderthalb Jahren im Streit die Landtags-Grünen verlassen hat. Nun tritt Stamm erstmals mit ihrer neuen Partei namens Mut zur Wahl an. Grund für den Bruch mit ihrer alten Partei war das Geflirte der Grünen mit der CSU. Stamm konstatierte einen konservativen Umschwung und sagte deshalb laut Pfia Gott. Stamm wohnt im Landkreis, unterhält aber ein Bürgerbüro im Dreimühlenviertel. Ihr Mann ist kürzlich überraschend gestorben. Sie hat zwei Töchter (und drei Stiefkinder).


So funktioniert der Kandidaten-Check

Oben sehen Sie die Kandidaten des Stimmkreises aufgelistet. Mit dem hier folgenden Kandidaten-Check von abgeordnetenwatch.de können Sie ganz leicht herausfinden, welche Position die Kandidaten zu bestimmten Thesen vertreten. Auch Sie selbst können den einzelnen Thesen entweder zustimmen, sie ablehnen oder sich gegenüber eines gewissen Themengebiets neutral halten. Am Ende des Checks - nach 20 Thesen - sehen Sie dann, mit welchem Kandidaten, bzw. welcher Partei sie die meisten Übereinstimmungen haben.

Wer im Hinblick auf die kommende Landtagswahl (14. Oktober) also noch unschlüssig sein sollte, kann sich mit dem Kandidaten-Check von abgeordnetenwatch.de einen ersten groben Überblick verschaffen. 

 

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