Landtagswahl 2018 Wer tritt in Pasing an?

, aktualisiert am 11.10.2018 - 08:48 Uhr
Die Kontrahenten (v.l.) Bürgermeister Josef Schmid (CSU), Ex-Bürgermeister Hep Monatzeder (Grüne) und MdL Florian Ritter (SPD) auf dem Aussichtsturm in Freiham. Foto: Daniel von Loeper

Am 14. Oktober wählt Bayern einen neuen Landtag –  wer sind die Kandidaten in Pasing? Hier stellen wir sie vor.

 

München - Der äußere Münchner Westen ist tiefschwarz. Sechs Mal in Folge, seit 1990, hat sich im ländlich und bürgerlich geprägten Stimmkreis Pasing der CSU-Mann Otmar Bernhard durchgesetzt. Bei der letzten Landtagswahl 2013 holte der Ex-Staatsminister überdurchschnittlich viele Erststimmen für die CSU (42 statt im Stadt-Schnitt 36,7 Prozent). Und es sind überdurchschnittlich viele Wähler zur Urne gegangen (66,1 statt 62,7 Prozent im München-Schnitt). Aber der prominente Platzhirsch (72) tritt nicht mehr an. In seine Fußstapfen steigt diesmal CSU-Bürgermeister Josef Schmid (49). Der bringt gleich zwei Bonuspunkte mit.

Schmid dürfte beim liberalen Publikum punkten

Als mächtiger Stadtpolitiker, fleißiger Wirtschaftsreferent und Wiesn-Chef ist er längst so bekannt wie sein Vorgänger. Und dürfte obendrein auch beim liberaleren Publikum punkten: Josef Schmid hat die Münchner CSU zur "liberalen Großstadtpartei" geformt, er unterstützt Homosexuelle und Künstler, will Flüchtlinge als Lehrlinge gewinnen, die überall im Handwerk fehlen. Wie desaströs die Voraussagen für die CSU auch sind – viel spricht dafür, dass Schmid seinen Stimmkreis in der Tasche hat.

Was ihn aus dem Rathaus in den Landtag treibt? "Ich bin der München-Kenner schlechthin", sagt er, "meine Mission ist, mich jetzt auch beim Freistaat für München stark zu machen und in der CSU für einen liberalen Ton zu sorgen." Ein Großteil der Wohnungen, die die Staatsregierung in Bayern bauen will, soll, wenn’s nach Schmid geht, nach München. Auf eine Einschränkung aber pocht er: "Wohnungsbau ja, aber nicht um jeden Preis. Wir müssen den Verkehr mitplanen, Gartenstädte erhalten. Und dafür sorgen, dass München in einer Balance bleibt. Es fehlt ja auch an Gewerbeflächen und Büros."

Monatzeders Name zieht bei den Wählern

Schmids Kontrahenten im Stimmkreis sind dennoch nicht zu unterschätzen: Die Grünen schicken ebenfalls ein politisches Schwergewicht ins Rennen: ihren Ex-Bürgermeister (und Landtagsneuling) Hep Monatzeder (66). Der hat 18 Jahre unter SPD-OB Christian Ude im Rathaus mitregiert. Sein Name zieht, vom aktuellen Grünen-Hype profitiert er außerdem. "Die Stimmung ist gut um mich herum, egal wo ich hinkomme", sagt Monatzeder. Sein Thema sind Radlwege, Energiewende, Mieterschutz und ein neues Bodenrecht, das Spekulationsgewinne abschöpft für die Allgemeinheit.

Mit Florian Ritter (56) tritt für die SPD ein erfahrener politischer Kämpfer an. 15 Jahre sitzt er schon im Landtag, streitet für Bürgerrechte, Datenschutz und gegen rechtsradikale Tendenzen. 27,1 Prozent hat er 2013 im Stimmkreis Pasing geholt (und ist dann über die Landesliste eingezogen). Dieses Mal reißt ihn, obwohl er rund um die Uhr wahlkämpft, der Abwärtstrend der SPD mit. Florian Ritter hat aber, genau wie Monatzeder, dennoch Chancen auf einen Platz im Landtag. Beide haben ordentliche Listenplätze und können hoffen, dass der Wähler sie auf den Listen noch nach vorne häufelt. Dann könnten sich alle Drei im Maximilianeum wiedersehen.


So ist der Stimmkreis München-Pasing aufgebaut

Zum Stimmkreis München-Pasing (106) gehören die Stadtbezirke Allach-Untermenzing (23), Pasing-Obermenzing (21) und Aubing-Lochhausen-Langwied (22) sowie Teile von Laim (25). Der Stimmkreis Pasing ist (anders als viele andere Stimmkreise) noch genauso zugeschnitten wie bei der letzten Landtagswahl 2013. 109.470 Stimmberechtigte wohnen hier (plus 850 seit 2013). 2013 hatte CSU-Kandidat Otmar Bernhard das Direktmandat geholt.


München-Pasing: Die Kandidaten

CSU: Josef Schmid

Josef Schmid (CSU), Zweiter Münchner Bürgermeister.

  • Alter: 49
  • Beruf: 2. Bürgermeister und Wirtschaftsreferent Münchens
  • Familienstand: verheiratet, zwei Kinder

Zwei Mal war der Jurist (49) schon OB-Kandidat, 2002 wurde er Stadtrat, seit 2014 ist er zweiter Bürgermeister plus Wirtschaftsreferent. Josef Schmid lebt mit seiner Frau Natalie und zwei Kindern in Allach, wo er (in der Metzgerei seiner Eltern) aufgewachsen ist. Themen im Stimmkreis: günstige Wohnungen schaffen, ohne Gartenstadtstruktur zu zerstören. Mehr ÖPNV – wie durch die Verlängerung der U5 nach Pasing und Freiham.


SPD: Florian Ritter

Florian Ritter von der SPD.

  • Alter: 56
  • Beruf: Landtagsabgeordneter
  • Familienstand: verheiratet, drei Kinder

Er hat schon 15 Jahre Landtagtagserfahrung. Seit 2003 ist Florian Ritter (56, gelernter Datenverarbeitungskaufmann) Abgeordneter im Landtag und dort Vizechef der Datenschutzkommission und Experte für die Bekämpfung von Rechtsextremismus. Ritter, in Krailling geboren, wohnt in Lochhausen, ist verheiratet und hat drei Kinder. Sein Kernthema: bezahlbares Wohnen.


Grüne: Hep Monatzeder

  • Alter: 66
  • Beruf: Bürgermeister a.D.
  • Familienstand: geschieden

Auch Grünen-Stadtrat Hep Monatzeder (66) war schon Bürgermeister, 18 Jahre lang unter OB Christian Ude während der rot-grünen Rathauskoalition bis 2014. In den Stadtrat kam der Politologe, Sozialpädagoge und Sechzgerfan schon 1990. Monatzeder wohnt außerhalb des Stimmkreises in der Au. In München streitet er vor allem für mehr Radlwege in der Stadt, für einen S-Bahn-Süd- und Nordring und Ampelvorrang für Trambahnen und Busse. Er will eine Bodenrechtsreform gegen Spekulationen durchsetzen und öffentliche Grundstücke überhaupt nur noch in Erbpacht vergeben.


FDP: Klement Bezdeka

  • Alter: 39
  • Beruf: Geschäftsführender Gesellschafter einer Werbeagentur
  • Familienstand: ledig

Er ist Betriebswirt, 39 Jahre alt, liiert und leitet die Werbeagentur KBE Media als geschäftsführender Gesellschafter. Für die FDP sitzt Klement Bezdeka, der in Pasing wohnt, seit 2014 im Bezirksausschuss Pasing-Obermenzing. Er will Wohngenossenschaften stärker fördern, lehnt aber eine Verschärfung der Mietpreisbremse ab. Bezdeka ist für den Bau einer dritten Startbahn am Münchner Flughafen, plädiert für mehr Elektromobilität und findet mehr "grüne Wellen" bei den Ampelschaltungen in der Stadt gut.


Die Linke: Julia Killet

  • Alter: 36
  • Beruf: Bildungsreferentin
  • Familienstand: ledig

Vor allem Pflege und Mietwahnsinn beschäftigen Julia Killet (36, ledig), die als Referentin für politische Bildung arbeitet und auf der Schwanthalerhöhe wohnt. Pfleger und pflegende Angehörige sollten mehr Lohn, Freizeit und Zeit für ihre zu Pflegenden haben, fordert sie. Zum Thema Wohnungsknappheit will sie den Aufbau einer neuen Landeswohnungsgesellschaft.


AfD: Markus Walbrunn

  • Alter: 31
  • Beruf: Kaufmann für Bürokommunikation, Student
  • Familienstand: ledig

Er fordert mehr Polizeistreifen, "Disziplin und Ordnung" an der Schule und hat in München vor allem den "hohen Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund und die daraus resultierenden pädagogischen Herausforderungen" in den Blick genommen. Dieses Thema wolle er "kritisch, aber auch konstruktiv" im Landtag begleiten. Markus Walbrunn (31) ist Chef des AfD-Kreisverbands München West/Mitte und Kaufmann für Bürokommunikation, studiert aber aktuell noch Politikwissenschaften. Er ist unverheiratet und lebt in Lochhausen.


Freie Wähler: Karl-Heinz Wittmann

  • Alter: 72
  • Beruf: Landesdirektor a.D., Bundesbahnamtsrat a.D.
  • Familienstand: verheiratet, vier Kinder

Er ist pensionierter Landesdirektor und seit 2001 bei den Freien Wählern. Der 72-Jährige, der in Obermenzing lebt (verheiratet, vier Kinder), befürwortet die Idee, über Supermärkten und deren Parkplätzen günstige Wohnungen zu bauen. Auch will er Anreize für Bauherren schaffen, alte Gebäude abzureißen und stattdessen höhere Häuser samt Tiefgaragen zu bauen.


Bayernpartei: Norbert Seidl

  • Alter: 54
  • Beruf: Oberamtsmeister im Bildungsreferat
  • Familienstand: k.A.

Er ist Oberamtsmeister im Bildungsreferat der Stadt München, 54 Jahre alt und erst vor zwei Jahren in die Bayernpartei eingetreten. Was den Allacher antreibt? Er wünscht sich mehr "bürgernahe" Politik durch mehr Bürgerbeteiligung, und will durch ein überparteiliches Bürgerbündnis für "eine echte Bürgergesellschaft" kämpfen. Seidl wendet sich auch gegen eine "Metropolisierung" Münchens, und will, dass strukturschwache Regionen Bayerns mehr gefördert werden, damit München auch in seiner Infrastruktur entlastet wird.


mut: Kein Direktkandidat im Stimmkreis Pasing


Die Kandidaten in München-Pasing

Unten sehen Sie die Kandidaten des Stimmkreises aufgelistet. Mit dem hier folgenden Kandidaten-Check von abgeordnetenwatch.de können Sie ganz leicht herausfinden, welche Position die Kandidaten zu bestimmten Thesen vertreten. Auch Sie selbst können den einzelnen Thesen entweder zustimmen, sie ablehnen oder sich gegenüber eines gewissen Themengebiets neutral halten. Am Ende des Checks - nach 20 Thesen - sehen Sie dann, mit welchem Kandidaten, bzw. welcher Partei sie die meisten Übereinstimmungen haben.

Wer im Hinblick auf die kommende Landtagswahl (14. Oktober) also noch unschlüssig sein sollte, kann sich mit dem Kandidaten-Check von abgeordnetenwatch.de einen ersten groben Überblick verschaffen. 

 

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