Landtagswahl 2018 - Das sagen die Parteien Eine Frage, sieben Antworten: Wie wollen Sie das Artensterben stoppen?

Fehlen Bienen, Schmetterlinge und Fliegen, gerät die Nahrungskette in Gefahr: Pflanzen werden nicht mehr bestäubt, Vögeln fehlt die Nahrung – und früher oder später auch dem Menschen. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

In Bayern ist jede zweite Tierart gefährdet, einige davon sind sogar massiv bedroht – die AZ hat bei Politikern nachgefragt.

 

München - Bei Bayerns Tierschützern schrillen die Alarmglocken: Von den etwa 35.000 Tierarten, die im Freistaat vorkommen, ist fast jede zweite gefährdet.

Beispiele gibt es viele: 75 Prozent der Libellenarten sind bedroht. Die Rebhuhn-Population ist um 84 Prozent zurückgegangen, die Zahl der Kiebitze um 80 Prozent. Besonders bedroht sind auch viele Schmetterlinge. Von den 169 heimischen Tagfalterarten gelten nur 29 als ungefährdet.

Wie wollen Sie das Artensterben stoppen?

Und längst sind nicht nur Insekten und Vögel betroffen. Auch viele Fisch- und Amphibienarten stehen auf der Roten Liste. Selbst bei einstigen Allerweltsarten, wie dem Grasfrosch, gibt es einen deutlichen Rückgang.

Die AZ fragte Politiker der sieben großen Parteien, was sie dagegen tun wollen.

Ludwig Hartmann, Spitzenkandidat der Grünen


 

Igel, Feldhase und Spatz: Immer mehr Tiere, die wir früher fast täglich sehen konnten, sind inzwischen vom Aussterben bedroht oder ihr Bestand hat sich dramatisch reduziert.

Besonders deutlich wird das bei den Insekten und allen voran bei den Bienen und Schmetterlingen. Als erste Fraktion haben wir Grüne deshalb ein weitreichendes Bayerisches Artenschutzgesetz vorgelegt, um den Schutz der Tier- und Pflanzenarten endlich gesetzlich zu verankern.

Unsere drei zentralen Forderungen: Schluss mit dem Einsatz von Insekten- und Ackergiften in der Landwirtschaft, mehr Biotope und Schutzgebiete als Rückzugsraum für Flora und Fauna und mehr Förder- und Beratungsprogramme für Landwirte, die im Einklang mit der Natur wirtschaften wollen. Jeden Tag, an dem wir zögern, gehen Tier- und Pflanzenarten für immer verloren.

Eva Bulling-Schröter, Spitzenkandidatin der Linken

Die Linke unterstützt das Volksbegehren "Stoppt das Artensterben". Die dort vorgeschlagenen Forderungen sind sinnvoll, um das Artensterben zu beenden.

Die Forderung, dass ab 2020 alle Flächen wie Wälder und die Landwirtschaft ökologisch und ohne Pestizide bewirtschaftet werden sollen, ist eine der wirkungskräftigsten Maßnahmen. Ebenso sollten zehn Prozent aller Wiesen sukzessiv zu sogenannten Blühwiesen umgestaltet werden, um den Tieren und Pflanzen geschützte Biotope zur Verfügung zu stellen. Durch diese Flächen lässt sich das generelle Artensterben abwenden.

Auch muss jährlich ein Bericht im Landtag zur Lage der Natur und Artenvielfalt abgehalten werden. Dann können getroffene Schutzmaßnahmen an die jeweiligen Zustände in der bayerischen Natur angepasst werden. Zudem setzten wir uns für ein Verbot von Glyphosat ein.

Markus Plenk, Direktkandidat der AfD im Stimmkreis Traunstein



Vor allem durch eine Extensivierung in der Landwirtschaft und durch mehr Ökolandbau. Da müssen wir ansetzen. Dann haben auch Bienen und andere Insekten in Zukunft den Lebensraum, den sie brauchen.

Gerade in Oberbayern leisten zum Beispiel die Bergbauern mit ihrer extensiven Bewirtschaftungsweise einen sehr wichtigen Beitrag zum Erhalt unserer über Jahrhunderte gewachsenen Kulturlandschaft und damit auch zum Erhalt von seltenen Pflanzen- und Tierarten.

Tina Pickert, Direktkandidatin der CSU in Milbertshofen

Tina Pickert (33) kandidiert für die CSU im Stimmkreis Milbertshofen.

Mit der Naturoffensive Bayern stärken und fördern wir in ganz Bayern Lebensräume, Artenreichtum und das Naturerlebnis. Wesentlicher Bestandteil ist die Stärkung der Naturparks.

Auch der kooperative Ansatz im Naturschutz wird weiter gestärkt, das Vertragsnaturschutzprogramm dazu deutlich aufgestockt. Mit neuen Initiativen soll verstärkt zum Erhalt gefährdeter Insekten wie den Wildbienen beigetragen werden. Hierzu zählt ein ressortübergreifendes "Bayerisches Aktionsprogramm für die Insektenvielfalt".

Neu ist insbesondere der "Blühpakt Bayern", der neben einer Stärkung des Vertragsnaturschutzes eine landesweite Initiative "natürlich Bayern" vorsieht. Mit der Bayerischen Entsiegelungsprämie fördern wir jeden Quadratmeter, der dauerhaft entsiegelt wird. Dies bedeutet auch mehr biologische Vielfalt.

Florian von Brunn, Direktkandidat der SPD im Stimmkreis Giesing

Die Ursachen des Insektensterbens sind bekannt: Am schlimmsten ist der Einsatz von giftigen Spritzmitteln in der Landwirtschaft und die Überdüngung vor allem von Äckern. Aber auch die Vernichtung von Lebensräumen durch die Intensivlandwirtschaft und den Flächenverbrauch spielen eine schlimme Rolle.

Betroffen sind vor allem wildlebende Insekten wie Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge. Deswegen muss der Einsatz von Spritzmitteln stark eingeschränkt werden. Glyphosat muss so schnell wie möglich verboten werden. Wir wollen eine umweltverträgliche Landwirtschaft fördern, die kaum Pestizide einsetzt und nur so viel düngt, wie notwendig ist.

Das ist möglich, wenn man die Geldmittel für die Landwirtschaft für den Schutz von Wasser, Insekten und Natur einsetzt und nicht die Agrarindustrie subventioniert. Und wir brauchen mehr Naturschutz!

Jörg Dacher, Direktkandidat der Freien Wähler für den Bezirkstag im Stimmkreis Schwabing

Der Rückgang der Bienen- beziehungsweise Insektenpopulationen stellt, leider auch bei uns in Bayern, ein großes Problem in der heutigen Zeit dar. Sollte die Population weiter zurückgehen drohen nachhaltige Gefahren für andere Tierarten, Pflanzen und nicht zuletzt auch den Menschen.

Zunehmende Umweltverschmutzung und Flächenverbrauch setzen den Insekten heutzutage massiv zu. Die Forstwirtschaft beispielsweise bietet hier viele Möglichkeiten, dem Artenschwund entgegenzuwirken. Wir Freie Wähler stehen für den Verbleib von Totholz in den bayerischen Wäldern.

Stehendes wie liegendes Totholz dient vielen Insekten-, Pflanzen- und Pilzarten als Lebensraum und Fortpflanzungsgrundlage. Zudem sprechen wir uns klar für das zeitnahe Verbot der Neonicotinoide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam aus, welche nachweislich ein Risiko für unsere Wild- und Honigbienen darstellen.

Martin Hagen, Spitzenkandidat der FDP

Wir Freie Demokraten wollen die Zukunft der Artenvielfalt sichern, das gilt auch für Bienen und andere Insekten.

Den "nationalen Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln" wollen wir durch eine konstruktive Aufklärungsarbeit ergänzen. Wir treten für die Vereinbarkeit einer effizienten modernen Landwirtschaft und nachhaltiger Sicherung der Artenvielfalt ein.

Beim Pflanzenschutz wollen wir etwa die Forschung stärken und den Ausbau der konzernunabhängigen Pflanzenzucht weiterentwickeln. Ziel müssen wirkgenaue, spezialisierte Pflanzenschutzstrategien sein, um dadurch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nachhaltig zu reduzieren.

 

2 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading