Krankenkassen Zusatzleistungen: Die Kassen zahlen mehr

Die gesetzlichen Krankenkassen konkurrieren miteinander und locken Mitglieder mit Zusatzleistungen. Wo Sie Geld für Ihre Brille, Ihre Impfungen und guten Service bekommen. 

 

München -  Vor der Kasse sind alle Deutschen gleich: 95 Prozent der vorgeschriebenen Leistungen sind bei allen gesetzlichen Krankenkassen dieselben. Dennoch können die insgesamt 52 Millionen Mitglieder im Jahr mehrere hundert Euro sparen – denn die Krankenkassen zahlen und unterstützen immer mehr und bessere Zusatzleistungen.

Weil die Höhe der Beiträge gesetzlich festgeschrieben ist, machen sich die Kassen nur bei den Leistungen Konkurrenz – 2012 wurde das zusätzlich noch durch das Versorgungsstrukturgesetzgefördert.

Jetzt hat die Stiftung Warentest 85 gesetzliche Krankenkassen getestet, die für jeden offen sind. Aber Vorsicht: Eine Krankenkasse darf zwar niemanden ablehnen, jedoch kann man nur in Kassen eintreten, die am Wohn- oder Arbeitsort geöffnet haben. Ein Münchner kann zum Beispiel nicht in die IKK Nord eintreten – das kann von Nachteil sein, denn die Angebote unterscheiden sich regional.

Zu beachten ist auch, dass viele Krankenkassen nur ein bestimmtes Budget für ein Mitglied haben, das sich auf alle Zusatzleistungen verteilt. Die AZ listet einige der Testergebnisse auf.

Brillen und Kontaktlinsen: Bundesweit zahlen acht Krankenkassen Zuschüsse zur Brille oder zur Kontaktlinse, wenn die Sehhilfe medizinisch notwendig ist. Voraussetzung ist oft, dass sich die Sehstärke verändert hat. Die Actimonda Krankenkasse gewährt alle zwei Jahre einen Zuschuss von 150 Euro auf Sportbrillen für unter 18-Jährige, die BKK Akzo Nobel-Bayern gibt alle drei Jahre 40 Euro dazu.

Haushaltshilfe: Wer schwer krank ist und keine häusliche Krankenpflege bekommt, dem zahlen einige Kassen eine Haushaltshilfe auch dann, wenn kein Kind zu versorgen ist. Voraussetzung ist eine ärztliche Verordnung. Besonders kleinere Krankenkassen bieten dieses Extra. Die großen Krankenkassen wie die AOK, Barmer oder DAK zahlen besonderes in Bayern nur, wenn noch ein Kind im Haushalt ist.

Künstliche Befruchtung: Klappt der Kinderwunsch nicht auf natürlichem Weg, bleibt für Paare oft nur die künstliche Befruchtung. Einige Krankenkassen in Bayern wie die Actimonda, die BKK Akzo Nobel-Bayern, die IKK Gesund Plus und andere zahlen mehr als die gesetzlichen 50 Prozent für drei Versuche, haben erweiterte Altersgrenzen oder zahlen für Unverheiratete.

Reiseimpfung: Reise-Impfungen wie die Malariaprophylaxe gehören nicht zur Standardleistung der Kasse. Aber es gibt Versicherungen, die zusätzliche Reiseimpfungen, die das Robert-Koch-Institut empfiehlt, bezahlen. Andere wie die Barmer zahlen immerhin maximal 100 Euro im Jahr, das wird aber vom Gesamtbudget von 150 Euro abgezogen.

Osteopathie: Hier hat sich einiges bei den Kassen im vergangenen Jahr getan. 63 der 85 getesteten Kassen geben Zuschüsse zu dieser Art der manuellen Therapie. Bei den großen Krankenkassen gibt die Barmer zum Beispiel maximal 100 Euro, bei den meisten Kassen müssen die Versicherten einen Eigenanteil von 10 bis 20 Prozent der Behandlungskosten selbst bezahlen.

Homöopathie: 58 der getesteten 85 gesetzlichen Krankenkassen bieten an, neben der Schulmedizin auch Gespräche bei bestimmten homöopathischen Vertragsärzten in Anspruch zu nehmen. Oft ist aber eine Voraussetzung, dass sich die Patienten in ein bestimmtes Behandlungsmodell einschreiben. Auch alternative Arzneimittel können teils bis zu 100 Euro pro Jahr erstattet werden.

Zahnreinigung: Ob Implantat, Brücke oder Kronen: Mit den Zähnen bekommt jeder früher oder später mal Probleme - und die können teuer werden. Doch auch in der Zahnbehandlung zahlen die gesetzlichen Krankenkassen oft mehr, als die Mitglieder wissen. Bei 55 Versicherungen zum Beispiel gibt es Zuschuss zum Zahnersatz. Auch für professionelle Zahnreinigungen gibt zum Beispiel bei der Vaillant BKK bis 300 Euro Zuschuss, der aber wieder vom Budget für die Zusatzleistungen abgezogen wird. Vorteil: Man kann sich den Zahnarzt selbst aussuchen.

Andere setzen die Behandlungen bei einem ausgewählten Zahnarzt voraus. In diesem Fall sind bis zu zwei Reinigungen im Jahr aber kostenfrei. Zuschüsse zu weiteren Extraleistungen wie zum Beispiel einer Wurzelbehandlung bieten 15 Krankenkassen an. Immerhin: Patienten können so zwischen 25 und 540 Euro sparen.

Neben finanziellen Vorteilen bieten die Krankenkassen auch einen immer besseren Service an. 38 Kassen sind zum Beispiel 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche über eine medizinische Hotline erreichbar. Auch die Vermittlung von Facharztterminen und Ärzten für eine Zweitmeinung wird angeboten.

Das Angebot und die Bedingungen sind von Krankenkasse zu Krankenkasse verschieden – fragen Sie daher direkt bei Ihrer Kasse nach, ob sie Leistungen ganz oder teilweise zahlt! Lassen sie sich alle Zusatzleistungen quittieren – vielleicht gibt es ja doch was zurück! Die Gesamtliste finden Sie in der aktuellen Ausgabe von „Finanztest“. Eventuell ist die Angebotspalette einer Krankenkasse für Sie ein Anreiz, die Kasse zu wechseln – auch das geht.

So wechseln Sie die Krankenkasse

Sie können jederzeit die Krankenkasse wechseln – einzige Voraussetzung ist, dass Sie mindestens 18 Monate bei Ihrer letzten Krankenkasse waren. Möglich ist ein Umstieg auch nur in eine Kasse, die an Ihrem Wohn- oder Arbeitsort geöffnet hat. Die Kündigungsfrist beträgt zwei Monate, die Kündigung muss schriftlich erfolgen.

Innerhalb von zwei Wochen muss ihre alte Kasse eine Bestätigung schicken, die Sie mit dem Mitgliedsantrag bei der neuen Kasse einreichen. Sobald diese dann eine Mitgliedsbescheinigung ausstellt, ist der Wechsel perfekt. Sollten Sie nach der Kündigung keine neue Kasse angeben oder informieren Sie Ihren Arbeitgeber nicht rechtzeitig, bleiben Sie automatisch Mitglied in ihrer alten Kasse.

 Bahr will private Kassen für alle

Jeder soll frei wählen dürfen: Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) plant, die privaten Krankenkassen für jedermann zu öffnen. „Ich möchte, dass alle Menschen selbst entscheiden können, wie und wo sie sich versichern wollen.“

Das würde bedeuten, dass die Versicherungspflichtgrenze kippen würde. Derzeit können sich nur Menschen mit einem Brutteinkommen von 4350 Euro im Monat privat versichern. Ausnahmen gelten bei Beamten und Selbstständigen. 90 Prozent der Bürger sind derzeit gesetzlich versichert. Zukünftig soll jeder Patient beim Arzt eine Rechnung ausgestellt bekommen, was bislang nur bei den Privatversicherten Pflicht ist. Eine Öffnung der Privatkassen hatte zuletzt auch der Vorstand des Verbandes Privater Krankenversicherer gefordert.

Kritik an Bahrs Plänen kommt aus der Union. „Das wäre die GKVisierung der PKV. Wenn das der Ansatz der FDP ist, werden das spannende Koalitionsverhandlungen“, so Jens Spahn (CDU). SPD und Grüne wollen eine Bürgerversicherung einführen und die private Vollversicherung abschaffen.

 

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