Köllners Masterplan TSV 1860: Wie der Löwen-Coach das Derby gegen FC Bayern II gewinnen will

Trainer des TSV 1860: Michael Köllner Foto: imago images / Philippe Ruiz

Der neue Löwen-Trainer wünscht sich einen Sieg im Derby zum Debüt. Der FC Bayern II sei "fußballerisch die stärkste Mannschaft der Liga". Aber: "Fußball wird nicht nur durch Technik entschieden."

 

München - Vor 13 Jahren dichtete die Band "Sportfreunde Stiller" in ihrem Song "54, 74, 90, 2006" auf dem Weg zum erhofften vierten WM-Titel der DFB-Elf im eigenen Land: "Wir haben nicht die höchste Spielkultur, sind nicht gerade filigran. Doch wir haben Träume und Visionen – und in der Hinterhand den Masterplan." Fußball-Lehrer Michael Köllner deutete am Dienstag einen sehr ähnlichen Plan an – für seinen Traum vom Derbysieg zum Debüt.

Der neue Trainer des TSV 1860 steht vor einem weniger geschichtsträchtigen, dennoch herbeigesehnten Duell nach der Länderspielpause: Sechzig gegen Bayern – zum Leidwesen aller Löwen nicht gegen den Rekordmeister, sondern "nur" gegen dessen Zweitvertretung in der Dritten Liga. Das Stadt-Derby am Sonntag (14 Uhr/Magenta Sport und im AZ-Liveticker) wirft trotzdem längst seinen Schatten voraus.

TSV 1860: Köllner gibt den Derby-Schlachtplan vor

Die Ausgangsposition in "einem besonderen Spiel", wie sich der Coach schon vor der Spieltags-PK am Freitag entlocken ließ: "Bayern ist fußballerisch die stärkste Mannschaft der Liga. Das ist ja logisch: Die verpflichten Spieler, da kostet einer 15 Millionen – mehr als unser ganzer Kader", erklärte der 49-jährige Löwen-Dompteur über den ungleich talentierteren wie teureren Tabellennachbarn, beheimatet wie der TSV im Grünwalder Stadion.

Daher brauche es laut Köllner einen speziellen Schlachtplan der Sechzger: "Fußball wird nicht nur durch Technik entschieden, es gehört ein bisschen mehr dazu. Das, was mehr dazu gehört, versuchen wir einzubringen. Dann schauen wir mal, was passiert, wenn abgepfiffen wird – ob Blau jubelt oder Rot."

Aggressivität, Erfahrung, Laufbereitschaft, Mentalität, Zweikampfstärke: Diese Dinge muss Arbeiterverein 1860 grundsätzlich auf den Platz bringen. Erst recht, um den kleinen Bayern den Schneid abzukaufen. Nach dem "Abschiedssieg" von Ex-Trainer Daniel Bierofka gegen den FC Viktoria Köln (4:2) und dem 1:0 beim Halleschen FC unter Interimstrainer Oliver Beer soll bei Köllners Premiere der dritte Dreier in Serie her. Nicht zuletzt deshalb, um den Fokus nach dem Giesing erschütternden Abgang der Vereinsikone leichter nach vorne richten zu können.

TSV 1860: Bekiroglu und Gebhart fehlen gegen FC Bayern II

Zwei Männer, die nebst der nötigen Aufopferungsbereitschaft auch spielerische Qualität auf den Rasen zaubern könnten, stehen weiter nicht zur Verfügung: das Spielmacher-Duo Timo Gebhart und Efkan Bekiroglu. "Er hat erstmals wieder Teile des Trainings absolviert", sagte Köllner über Ex-Bundesligastar Gebhart, der im Spiel bei Hansa Rostock einen Schlag abbekommen hatte und seitdem nicht wieder auf die Beine gekommen war: "Jetzt versuchen wir, Tag für Tag sukzessive zu steigern. Ziel ist nächste Woche, nicht das Derby."

Bekiroglu (Muskelfaserriss), der am Dienstag nur individuell trainierte, werde Köllner zufolge ebenfalls erst danach zurückerwartet. Zwischen zwei anderen Spielern – Marco Hiller oder dem wiedergenesenen Hendrik Bonmann – im Tor habe er noch nicht entschieden.

Köllner: "Es prickelt noch jeden Tag, den ich hierher fahre"

Ein Mann wird 1860 weder gegen die Bayern, noch künftig helfen: Maximilian Oesterhelweg. Nachdem Sport-Geschäftsführer Günther Gorenzel die Nicht-Verpflichtung des Testspielers mit der Konkurrenzsituation auf seiner Position begründet hatte, konkretisierte Köllner über den ohnehin großen Kader: "Ich will den Kader nicht zupflastern und wir haben für das NLZ keine Plätze mehr frei. Das Ziel soll nicht sein, 30-Jährige zu fördern, sondern 17,18,19-Jährige an die Profimannschaft heranzuführen." Der knapp 30 Jahre alte Offensivspieler habe sich zwar "super präsentiert" – aber eben nicht so super, um seine nach AZ-Informationen recht günstigen Dienste einzubringen.

Bei allen Löwen, die am Sonntag können und dürfen, sei das Derby-Fieber laut Köllner durchaus spürbar. Der Ex-Nürnberger selbst fühle noch ein anderes Kribbeln: "Es prickelt noch jeden Tag, den ich hierher fahre – das ist ja das Schöne."

Um es wie die eingangs erwähnten "Sportis" zu sagen: Agieren die Löwen gegen zumindest fußballerisch überlegene Bayern mit dem Herz in der Hand und der Leidenschaft im Bein, könnte es für Köllner trotz der vergleichsweise geringeren Giesinger Spielkultur glatt noch schöner werden – und die Sechzger bald Derby-Sieger sein.

 

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