Fehlende Ergebnisse von Hasan Salihamidzic Keine großen Transfers! Ist das das Dilemma des FC Bayern?

Bosse des FC Bayern: Sportdirektor Hasan Salihamidzic (li) und Präsident Uli Hoeneß. Foto: imago/Sven Simon

Der FC Bayern kann auf dem Transfermarkt keine weiteren Top-Zugänge vorweisen. Von Karl-Heinz Rummenigge über Niko Kovac bis Thomas Müller – die Bayern beschwichtigen. Doch es gibt offenbar ein Dilemma.

 

München - Der Transfermarkt hatte noch gar nicht lange geöffnet, da sah sich der Vorstandsboss des FC Bayern schon genötigt, zu beschwichtigen. Man habe erst den 9. Juli erklärte Karl-Heinz Rummenigge bei der Vorstellung von 80-Millionen-Mann Lucas Hernández in der Allianz Arena.

Fans, Beobachter und nicht zuletzt die Bayern-Stars warten vergeblich auf weitere Top-Transfers, dabei ist der Klub mitten im Umbruch – und muss aufpassen, nicht den Anschluss zu verlieren. Doch woran hakt es? Was ist das Dilemma des FC Bayern auf dem Transfermarkt? Die AZ hat vier Beobachtungen gemacht:

1. Spieler unter 40 Millionen oft nicht gut genug

"Es ist ja alles in der Spur, es werden ja Verstärkungen gesucht", sagte der deutsche Weltmeister Thomas Müller auf der US-Tour der Münchner diplomatisch. Ein Problem: Zwar hat Benjamin Pavard - ebenfalls Weltmeister mit Frankreich - 35 Millionen Euro Ablöse gekostet. Durch die explodierenden Marktpreise sind Spieler um die 40 Millionen Euro Transferentschädigung aber oft nicht mehr gut genug für den Rekordmeister.

Ein Beispiel: Sébastien Haller wechselte nun für kolportiert 40 Millionen Euro von Eintracht Frankfurt zu West Ham United in die Premier League. Der Franzose hat eine gute Saison für die Hessen hinter sich, mit 15 Bundesliga-Toren. Doch allergrößtes Topniveau hat der 25-jährige Angreifer sicher nicht. Heißt für die Bayern: Um auf die gewünschte Qualität zu kommen, müssen sie deutlich mehr ausgeben!

2. FC Bayern: Transfers im 100-Mio.-Bereich wären nötig

Deswegen werden Transfers um die 100 Millionen Euro aufwärts notwendig. Der absolute Wunschspieler Leroy Sané würde dem Vernehmen nach jedoch mehr als besagte 100 Millionen Euro kosten. Markant: Das Gesamtvolumen bei einem solchen Transfer ist deutlich höher, mit Gehalt über mehrere Jahre und Boni ist schnell von fast dem Doppelten der Summe die Rede. Was natürlich im Budget langfristig eingeplant - und nicht zuletzt refinanziert - werden muss.

Wie schwer sich die Bayern mit derlei Dimensionen tun, zeigte das Hin und Her von Präsident Uli Hoeneß zu dieser Frage in den vergangenen Wochen. 

3. FC Bayern ist offenbar nur zweite Wahl

Monatelang hielt sich hartnäckig das Gerücht, der FC Bayern interessiere sich nachhaltig für Abwehrjuwel Mathijs de Ligt – jetzt ist der 19-jährige Niederländer von Ajax Amsterdam zu Juventus Turin gewechselt, für kolportiert 85,5 Millionen Euro. Damit läge der Verteidiger wohl noch im Münchner Finanzvolumen.

Doch de Ligt zog einen Wechsel ins Piemont vor, und ist damit nicht der einzige Star, um den sich die Bayern in dieser Transferperiode offensichtlich umsonst bemühten. Bestes Beispiel ist wohl der Spanier Rodrigo. Der 23-Jährige soll übereinstimmenden Berichten zufolge der Wunschkandidat von Sportdirektor Hasan Salihamidzic für die Sechserposition gewesen sein. Doch er entschied sich für Ex-Bayern-Trainer Pep Guardiola und Manchester City, das für den Nationalspieler geschätzt 70 Millionen Euro an Atlético Madrid überwies.

4. Gehälterexplosion: Bayern kann oder will nicht mithalten

"Wenn Sie als Journalist in England das Doppelte verdienen würden, würden Sie wahrscheinlich auch in England arbeiten, oder?", fragte Bayern-Coach Niko Kovac bei seiner ersten Pressekonferenz dieser Saison in die Runde.

"Die Ablösesummen sind ja schon der Wahnsinn, aber noch vielmehr bereitet mir die Explosion der Gehälter Bauchschmerzen. Wir sprechen oftmals über unglaubliche Summen, gerade bei den großen Klubs im Ausland. Und wenn du dir so einen Spieler ins Haus holst, hast du mit Gehalt und Beraterhonorar plötzlich pro Jahr 40 Millionen Euro Minus in der Bilanz stehen. Daher müssen wir mit kühlem Kopf, sehr überlegt und nicht emotional vorgehen", meinte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge und beklagte: "Ich weiß nicht, wo es noch hinführen soll."

Keine Frage: Die TV-Gelder haben in den vergangenen Jahren einen tiefen Graben zwischen die Möglichkeiten der Premier League und Spanier auf der einen und der übrigen Ligen auf der anderen Seite gerissen, vornehmlich der Bundesliga, der Serie A (Italien, ausgenommen Juventus Turin) und der Ligue 1 (Frankreich, ausgenommen Paris Saint-Germain).

Zum Vergleich: Zwischen 2016 und 2019 gab es für die Premier-League-Klubs insgesamt 6,9 Milliarden Euro aus der TV-Vermarktung, in der Bundesliga werden dagegen zwischen 2017 und 2021 insgesamt rund 4,64 Milliarden Euro ausgeschüttet. Die Folge: Die Bayern bekommen in etwa so viel wie ein englischer Absteiger. Und müssen aufpassen, dass sie bei der Explosion der Gehälter bei den Superstars der Szene konkurrenzfähig bleiben.

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