Ismaik-Kritik unerwünscht? Wie der TSV 1860 schon mal Bildmaterial manipulierte

Links das Originalbild, rechts die Abbildung auf tsv1860.de. Foto: Anne Wild/AZ-Screenshot

Der TSV 1860 manipuliert ein Foto auf seiner Homepage, auf dem Fans Investor Hasan Ismaik kritisieren. Es ist nicht das erste Mal, dass die Löwen unliebsame Botschaften der Anhängerschaft einfach unkenntlich machen.

 

München - Ob Schlagersänger Matthias Reim gedacht hätte, dass sein größter Hit die Löwen entzweien würde? "Verdammt, ich lieb’ dich, ich lieb’ dich nicht. Verdammt, ich brauch dich, ich brauch dich nicht. Verdammt, ich will dich, ich will dich nicht. Ich will dich nicht verlieren!", singt Reim, hin- und hergerissen von seinen Gefühlen. Jetzt sorgt ein Fan-Plakat des TSV 1860 gegen Investor Hasan Ismaik für einen Eklat.

Ismaik-Kritik im Grünwalder Stadion

Beim wackligen 2:1-Erfolg der Giesinger am Montag gegen Drittliga-Schlusslicht VfR Aalen prangte in der Westkurve des Grünwalder Stadions, wenige Meter links von der kultigen Anzeigetafel, ein Spruchband. Auf dem sogenannten Doppelhalter stand neben Sechzigs Vereinswappen auf blauem Hintergrund eine Liebeserklärung an den Klub mit Reims Worten: "Verdammt ich lieb‘ dich!" Direkt darunter auf demselben Banner zu sehen: "Ich lieb‘ dich nicht" – und daneben das durchgestrichene Konterfei von Investor Hasan Ismaik. Ein klares Bekenntnis zum Herzensklub 1860 also, den man allerdings am allerliebsten ohne den umstrittenen Geldgeber sehen würde, der in der aktiven Fanszene teils mehr als unbeliebt ist.

Für einen großen Aufschrei in den Internet-Foren sorgte aber erst Sechzigs Umgang mit einem Bild einer Fotografin, das Torjäger Sascha Mölders und Co. auf dem Zaun zeigt – und am Rande eben auch das geschilderte Plakat. Besagtes Bild war nach dem Spiel in XXL-Größe auf der vereinseigenen Website der ausgegliederten Profifußballabteilung zu sehen.

Was dabei allerdings fehlte und offenbar wegretuschiert wurde, war der Ismaik-kritische Teil der Botschaft. Stattdessen hatte sich ein Mitarbeiter mittels Bildbearbeitungsprogramm ausgetobt und den unteren Teil verschwinden lassen. Protest am Mehrheitseigner scheint unerwünscht zu sein bei den Sechzgern – mach’ weg die Meinungsfreiheit!

Fragwürdige Methoden beim TSV 1860

Fragwürdige Methoden auf Giesings Höhen, darüber hinaus eine umso schlampigere Umsetzung: Während das Anti-Ismaik-Plakat auf dem großen Bild auf der Startseite verändert wurde, war in der Bildergalerie noch das Originalfoto ohne "Korrektur" zu finden. Die Fotografin, Inhaberin des Urheberrechts des Bildes, wurde dabei nach AZ-Informationen weder vor der Bearbeitung gefragt, noch über diese in Kenntnis gesetzt.

Zu allem Überfluss ist es nicht das erste Mal, dass weiß-blaues Bildmaterial manipuliert wurde: Im September 2017 etwa, als der TSV nach dem Absturz in die Regionalliga Bayern beim VfR Garching antreten musste (3:0), wurde ein Fan-Plakat mit der Aufschrift "50+1 muss bleiben!" in einem Beitrag der Sechzger auf Twitter plötzlich unscharf und dadurch kaum leserlich.

Übrigens: Wer für den Vorfall verantwortlich ist und ob ein Mitarbeiter der KGaA auf Anweisung aus dem Ismaik-Lager gehandelt hatte, bleibt unklar: Die Sechzger gaben auf AZ-Nachfrage keine Stellungnahme ab, auch Ismaiks Sprecher und Präsidentschaftsbewerber Athanasios Stimoniaris äußerte sich nicht. Am Nachmittag war das manipulierte Foto – im Gegensatz zum Original in der Bildergalerie auf der Seite – dann einfach von der Homepage verschwunden.

"Münchner Löwen" sind sauer auf TSV 1860

Wie die AZ erfuhr, sind große Teile der Fan-Gruppierung "Münchner Löwen" sauer auf Sechzig: Man fühlt sich zensiert. Die Szene lässt durchblicken, dass die Antwort auf einen solchen Vorfall dann womöglich etwas deutlicher ausfallen werde.

Neu-Geschäftsführer Günther Gorenzel wollte sich schon am Dienstag nicht zu sehr über Gesellschafter-Themen äußern, um nach dem Dreier gegen Aalen "den Schwung mit nach Cottbus zu nehmen". Nach dem Zittersieg gegen den Tabellenletzten haben die Giesinger nun allerdings vor dem Duell bei Energie Cottbus am Samstag (14 Uhr, im AZ-Liveticker) ein Eigentor geschossen – und durch den Vorfall einmal mehr bewiesen, dass Sechzig ähnlich gespalten ist wie Sänger Reim in seinem Schlager.

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