Hinrunden-Zeugnis Die Bosse des FC Bayern mit schweren Turbulenzen

Bayerns Führungsquartett (v.l.): Trainer Niko Kovac, Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge, Präsident Uli Hoeneß und Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Foto: Rauchensteiner (2), sampics, firo/Augenklick

Hinter dem Führungsteam des FC Bayern liegt eine komplizierte Hinrunde, die doch noch ein gutes Ende nahm. Wer positiv und wer negativ auffiel: Das AZ-Zeugnis für die Münchner Bosse.

 

München - Trainerdiskussionen, Dramen auf dem Platz, Wutauftritte in der Öffentlichkeit: Hinter dem FC Bayern und seinen Führungsfiguren liegt eine hitzige Hinrunde, Brandherde gab und gibt es in fast allen Bereichen.

Am Ende war dann aber doch wieder vieles gut: Die Münchner überwintern im Pokal und der Champions League, in der Bundesliga liegt das Team von Trainer Niko Kovac sechs Punkte hinter Borussia Dortmund. Noch ist alles möglich!

Die AZ blickt im letzten Teil der Hinrunden-Zeugnisse auf die Bayern-Bosse: Wer hat überzeugt – und wer Fehler begangen?

Niko Kovac: Note 3

Präsident Uli Hoeneß war sich schon im Sommer während der USA-Reise sicher, nach nur wenigen Wochen mit dem neuen Bayern-Trainer Niko Kovac: "Ich glaube, wir haben eine gute Wahl getroffen", sagte Hoeneß damals der AZ. Und er sollte Recht behalten – obwohl es zwischenzeitlich schwere Turbulenzen gab.

Nach sieben Siegen zum Start geriet Kovac, der aufgrund der Absagen von Jupp Heynckes und Thomas Tuchel nur dritte Wahl war, in Schwierigkeiten. Er rotierte viel, wahrscheinlich zu viel, verunsicherte damit einige Stars. Interna drangen nach außen. Nach einer Negativserie im November rettete ihn nur das 5:1 gegen Benfica vor dem frühen Aus.

Nun geht der 47-Jährige gestärkt in die Rückrunde, die Bosse und viele Spieler stehen hinter ihm. "Einen großen Test hat er schon mal überstanden", sagte Arjen Robben, Kovac sei "ein sehr guter Typ, ehrlich und direkt". Für Eurosport-Experte Matthias Sammer ist Kovac sogar "ein Gewinner der Vorrunde". Mit kleinen Makeln allerdings schon, wenn man auf die Tabelle schaut. "Du hast das schönste Leben, wenn du gewinnst" – diese Lektion hat der Coach in seinem ersten Bayern-Halbjahr gelernt.

Hasan Salihamidzic: Note 4

An Neujahr wird der Sportdirektor 42 – und schon jetzt ist klar, dass er vor entscheidenden zwölf Monaten steht. Gewinnt er endlich an Profil beim FC Bayern? Kann er sich zwischen Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge behaupten?

Das Führungsduo lobt Brazzo. Er sei "unheimlich fleißig, unglaublich agil, und – das gefällt mir – wenn sich ein Transfer auftut, ist er wie der junge Uli Hoeneß auf der Pirsch und lässt nicht locker", sagte Rummenigge dem "Kicker": "Deshalb glaube ich, dass er hier seinen Weg machen wird." Doch bislang sind Salihamidzics Erfolge kaum sichtbar, öffentlich tritt er oft unglücklich auf. Bei der Wut-Pressekonferenz fiel ihm Rummenigge ins Wort, als es um Dortmunds Youngster Jadon Sancho ging. Einiges hängt nun von den anstehenden Spielerverpflichtungen ab – und von Alphonso Davies. Der Kanadier sei ein Brazzo-Transfer, betonte Hoeneß. Kann der überzeugen?

Uli Hoeneß: Note 4

Nach der Jahreshauptversammlung war der Bayern-Macher "schockiert", der Fan Johannes Bachmayr hatte ihn heftig angegriffen. Bei so manchem Mitglied wächst die Unzufriedenheit mit Hoeneß, das Nachtreten gegen Ex-Spieler wie Juan Bernat, die Attacke gegen die Medien – es gibt einige Kritikpunkte. Bayerns früherer Sportvorstand Sammer lobte allerdings Hoeneß’ Krisenmanagement. Dass der Präsident die Mannschaft vor dem Benfica-Spiel in die Pflicht genommen habe, sei "genial" gewesen. Man dürfe Hoeneß’ strategische Fähigkeiten "nicht unterschätzen". Doch Hoeneß, der als Aufsichtsratsvorsitzender für vier Jahre wiedergewählt wurde, wird daran gemessen werden, wie er Bayern für die Zukunft aufstellt: Der Umbruch im Kader und in der Führungsetage muss geregelt werden.

Karl-Heinz Rummenigge: Note 3

Auch der Vorstandsboss, dessen Vertrag bis 2021 verlängert wurde, geriet nach der Krawall-PK und seiner Grundgesetz-Aussage in die Kritik. Immerhin zeigte Rummenigge Reue. "Wie sie gelaufen ist, war nicht so geplant und ist nicht wiederholungswürdig", stellte er klar. Insgesamt agierte Rummenigge besonnener als Hoeneß, dem er "in Zukunft meine Hand hin und wieder auf den Oberschenkel drücken" wolle, um ihn zu beruhigen.

Die Spielerverkäufe (u.a. Douglas Costa für 40 Millionen Euro zu Juventus) waren sinnvoll, allerdings hätte man den Kader schon im Sommer verstärken und verjüngen müssen.


AZ-Hinrunden-Zeugnisse des FC Bayern

 

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