Hier zieht niemand ein Offiziell: 156 Wohnungen stehen in München leer

Erst Modernisierung, dann Leerstand: Seit Sommer 2017 sucht die Stadt nach Mietern für die Erdgeschosswohnung dieses Hauses in der Müllerstraße – bisher erfolglos. Foto: Daniel von Loeper

156 Wohnungen der Stadt stehen derzeit leer – die AZ erklärt, wie das kommt und was dagegen getan wird.

München - Wohnungsleerstand ist ein Reizthema in München, wo die Mieten ständig steigen und Wohnraum immer knapper zu werden scheint. Umso bemühter ist die Stadt, die Leerstands-Rate zumindest bei ihren eigenen Wohnungen möglichst niedrig zu halten.

Seit 2013 fasst sie jährlich einmal alle ihre unvermieteten Objekte in einem Leerstandbericht zusammen. Die aktuelle Ausgabe, die alle leerstehenden Wohnungen bis zum Ende des vergangenen Jahres auflistet, wurde gestern dem Stadtrat vorgestellt – Grundstücke tauchen in dem Bericht nicht auf.

Immer weniger leerstehende Wohnungen seit 2013

156 Wohnungen standen demnach zum Stichtag länger als ein halbes Jahr leer. Eine vergleichsweise niedrige Zahl. Im ersten Bericht 2013 listete die Stadt 647 solcher Wohnungen. "Es ist inzwischen bei allen zuständigen Stellen angekommen, dass wir so wenige dieser Fälle wie möglich haben möchten", so Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) bei der Vorstellung des Berichts.

Viel weiter runter werde die Zahl auch nicht mehr gehen. Denn: "In jedem aktuellen Einzelfall gibt es gute Gründe", so Reiter. Meistens seien das Bau- und Modernisierungsmaßnahmen.

Die meisten Wohnungen sind schnell vergeben

Grundsätzlich versucht die Stadt, ihre leerstehenden Wohnungen so schnell wie möglich wieder zu vermieten. Oft klappt das. Von 193 Wohnungen, die 2016 leer standen, waren 188 im vergangenen Jahr wieder bewohnt. Dass es aber nicht immer so schnell geht, zeigen Fälle wie die Eversbuschstraße in Allach. 17 Jahre stehen hier schon Wohnungen leer (AZ berichtete). "Derzeit wird eine Kostenschätzung für die Mindestsanierung des Objekts zur Nutzung durch einen privaten Kindergarten erstellt", heißt es nun im Leerstandsbericht.

Wo es längeren Leerstand gibt, versucht die Stadt, je nach Zustand der Wohnungen, Zwischennutzung zu ermöglichen. So werden in einem ersten Schritt über das Amt für Wohnen und Migration Übergangsmieter gesucht. Kommt das nicht in Frage, versucht das Kompetenzteam Kultur- und Kreativwirtschaft die Immobilien Kunstschaffenden als Arbeitsräume zur Verfügung zu stellen.

Doch das gelingt nicht immer. So hoffte die Stadt bei mehreren Immobilien Studenten als Zwischenmieter zu gewinnen. Bei vielen der Wohnungen handelt es sich laut Bericht um "kleine Einfachwohnungen ohne Bad und Einzelofenheizung". Gemeldet hat sich auf diese Angebote bisher niemand.


In diesen Wohnungen wohnt niemand

Ein eher ungewöhnlicher Fall zuerst: In der Müllerstraße 16 steht eine Erdgeschosswohnung leer. Ungewöhnlich, weil die modernisierte Wohnung trotz Traumlage niemand zu wollen scheint. Seit vergangenen August hatte die Stadt versucht, sie über das Amt für Wohnen und Migration an den Mieter zu bringen – ohne Erfolg. Grund sei „die Erdgeschosslage“ befindet die Stadt, die nun über den Dienst Immobilienscout 24 vermieten will.

Anders gelagert ist der Fall der Quellenstraße 44. Hier macht der Auer Mühlbach die beiden Wohnung im Erdgeschoss so feucht, dass die Stadt befand: nicht vermietungsfähig. 328.000 Euro würde die Sanierung kosten, die sich derzeit noch in der Planung befindet.

Für die Bodenseestraße 210 gibt es derzeit noch keine Entscheidung, wie das Gebäude weiter verwendet werden soll. Ist das entschieden, muss mit den Mietern eine Einigung zu ihrem Auszug gefunden werden. Vier Parteien sind bereits weg. Ihre Wohnungen wurden nicht nachvermietet.

Das Haus an der Oberen Grassstraße 6 ist instabil. Deswegen wurde das Gebäude im vergangenen Jahr geräumt und den Mietern der beiden Wohnungen Ausweichunterkünfte angeboten. Einer der beiden reichte dagegen Klage ein. Während des Rechtsstreits stand eine Wohnung leer. Inzwischen haben sich Stadt und Mieter aber geeinigt, Baufachleute untersuchen derzeit das Gebäude.

Auch im Grünfinkenweg 6 muss saniert werden. Derzeit werden die Kosten dafür ermittelt. Dann wird entschieden, ob die Sanierung durchgeführt und das Reihenhaus neu vermietet wird, oder ob es verkauft werden soll.

In der Horemannstraße 7, einem Betriebsgebäude auf dem Gelände des Umspannwerks Landshuter Allee, laufen die Planungen für ein neues Gebäude mit 150 Wohnungen für Mitarbeiter der SWM. Bis die Bauarbeiten 2020 beginnen, stehen hier zwei Wohnungen leer.

 

14 Kommentare

Kommentieren

  1. null