Herzenslokal am Gärtnerplatz Dive Bar: Münchens kleinster Rock ‘n’ Roll-Treff

Thomas Korntner hat seine Kneipe mit Gegenständen aus seinem Salzburger Jugendzimmer eingerichtet. Viele Figuren sind dabei. Foto: Ludwig Gengnagel

Die Dive Bar am Gärtnerplatz wirkt mit ihrer Gemütlichkeit und originellen Einrichtung wie das unbeugsame Gallierdorf aus Asterix.

 

München - Schicke Boutiquen, hippe Bars oder flippige Restaurants mit Bowls – der Gärtnerplatz und die Straßen drum herum gelten nicht erst seit gestern als Hipster-Hotspot der Stadt. Was den Chai-Latte trinkenden 20-Jährigen auf ihren E-Scootern am Gärtnerplatz, (genau wie dem ganzen Viertel) ein wenig fehlt, ist die Griabigkeit. Wer die sucht, muss nicht extra rüber nach Giesing, sondern kann in die Reichenbachstraße gehen.

Bar mit origineller Einrichtung

Eine Boazn im klassischen Sinne ist die Dive Bar nicht, obwohl der Name im Englischen nicht mehr und nicht weniger als eine Boazn bezeichnet. Nachdem Wirt Thomas Korntner die Räumlichkeiten Anfang 2016 übernahm, verwandelte er die Kneipe in "Munich’s smallest Rock ‘n’ Roll hangout" – also Münchens kleinstem Treff für Rock ‘n’ Roll. Kortner füllte es vor allem mit Leben – seinem Leben. Denn die Dive Bar ist kein Konzept-Schuppen der Marke "wir machen eine Boazn auf, aber mit einem coolen Twist". Wer in die Dive Bar geht, geht "zum Tom" – und somit wäre die Brücke zur klassischen Boazn wieder da.

Viele der Figuren, die sich auf den Regalen tummeln, stammen aus Korntners Jugendzimmer in Salzburg. Die Bilder an den Wänden – Matrosen, Pin-up-Girls und Totenköpfe – passen zu seinem Erscheinungsbild. Die Arme sind von bunten Tätowierungen überzogen.

Als er die Bar vor der Eröffnung herrichtete, schlug ihm ein Freund vor, die Wände zu bemalen. Weil sich viele Leute bei Dive Bar ans Meer erinnert fühlen, war das erste Motiv ein großes Segelschiff. Seitdem kommen immer wieder neue Bilder dazu – wie bei einem tätowierten Arm. Und was, wenn kein Platz mehr da ist? "Dann geht’s an der Decke weiter", sagt Korntner.

Gemütliche Rock-Kneipe

Getrunken wird Bier, am liebsten Chiemseer (3,80 Euro) oder Paulaner Zwickl (3,30 Euro). Longdrinks und Cocktails gehen ebenfalls gut. Jack Daniels mit Cola (9,60 Euro) heißt hier Lemmy – benannt nach dem legendären Motörhead-Sänger, der für seine Liebe zu besagtem Getränk bekannt war. Ja, die Dive Bar ist eine Rock-Kneipe. Das spiegelt sich musikalisch wider. Korntner liebt den Sound der 50er- und 60er-Jahre, aber auch Country oder Punk. Musikwünsche werden gerne erhört, "so lange du dir nicht Britney Spears wünscht".

Trotzdem beherbergt das Lokal keinesfalls nur verwegene Lederjackenträger. Das Publikum ist gemischt, und so wünscht sich das der Wirt. Wichtig sei ihm, dass sich die Gäste untereinander gut verstehen: "Schließlich dekorieren Menschen einen Laden auch."

Zu essen gibt’s nix, wenn man von den kleinen Schälchen mit gesalzenen Erdnüssen absieht. Die einzige größere Schüssel, die es in der Dive Bar gibt, befindet sich hinter einer Tür am Ende der Kneipe. Aus Platzgründen steht sie Gästen aller Geschlechter zur Verfügung. Erstaunlich sauber ist sie immer. Vielleicht geben sich die Leute besondere Mühe, weil es in der Dive Bar so heimelig ist. Vielleicht aber auch, weil alle wüssten, wer die Sauerei angerichtet hat.

 

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