Herbe Champions-League-Pleite Barcelona mit Schock-Triple gegen Bayern

Am Ende hieß es 3:0 für Barcelona. Ein Auftritt im Camp Nou, den sich Pep Guardiola und seine Bayern sicher anders vorgestellt haben. Foto: dpa/az

Bis zur 78. Minute hält der FC Bayern in diesem Halbfinal-Hinspiel das 0:0 – dann bricht das Team von Pep Guardiola auseinander. Messi, Messi, Neymar – 3:0! Das Finale? „Kaum noch zu schaffen“

 

Barcelona - Vor der Partie drehte sich alles nur um Pep und um Pep herum. Eben um Guardiola, den Allgegenwärtigen, den Verehrten, den Rückkehrer, den Ex-Barcelona-Trainer. „Er gegen sich“, lautete eine der tausend Überschriften bei seiner Heimat-Visite auf der „falschen Bank“, in der „falschen Kabine“. Das Bayern-Logo auf dem Klub-Anzug, das Barca-Symbol im Herzen. „Gracias, Pep“, titelte die katalanische Sporttageszeitung „Sport“ am Spieltag: „Danke für alles, aber heute müssen wir dich besiegen.“

Eine Entschuldigung vorab. Dankbarkeit hat seine Grenzen. Mit 3:0 besiegte Luis Enrique, der Barca-Trainer, Peps Bayern. Mit zwei Toren von Lionel Messi, dem Unterschiedausmacher. „Die letzte Hoffnung heißt jetzt Porto“, sagte Manuel Neuer. Jener Gala-Auftritt beim 6:1 im Viertelfinale. „Die Bayern sind nach dem 1:0 vollkommen in sich zusammengebrochen“, sagte Franz Beckenbauer bei Sky. „Das ist kaum noch zu schaffen“, fürchtet Oliver Kahn.

Das Champions-League-Halbfinale zwischen dem FC Barcelona und dem FC Bayern vor knapp 100 000 Zuschauern im bedrohlich gewaltigen „Camp Nou“ mit den drei steilen Rängen war schnell, leidenschaftlich. Hohes Tempo auf höchstem Niveau. First-Class-Fußball, jeder noch so kleine Fehler könnte ein Gegentor bedeuten – hier wie dort. Ein Spiel mit dem Feuer. Der Feuerlöscher der Bayern, meist Abwehrchef Jérome Boateng, hatte nur bis eine knappe Viertelstunde vor Schluss genug Schaum.

Was für eine Pointe würde dieses aufgeladene Spiel der tausend Geschichten und abertausend Emotionen am Ende bringen? Lionel Messi trifft, ausgerechnet der Ziehsohn von Pep Guardiola! Mit einem satten Linksschuss machte der Unkontrollierbare, der Unstoppbare das 1:0 (77.) und das 2:0 (80.) nach einem Solo samt Lupfer. „Messi! Messi! Messi!“ feierte das enthemmte Publikum den Superstar, der sein 100. Europacup-Spiel für Barcelona machte und nun zehn Tore in dieser Champions-League-Saison erzielte.

Wie von einer unsichtbaren Walze angetrieben rollten die Angriffe der Katalanen auf das Bayern-Tor zu. Im Maschinenraum Busquets, Iniesta und Rakitic, vorne flog das 108-Tore-Trio Lionel Messi, Neymar und Stoßstürmer Luis Suárez aus. Die Bayern-Defensive hatte das Gefühl, einen geöffneten Taubenverschlag kontrollieren zu müssen. „Es ist unmöglich, den Argentinier Messi zu stoppen, wenn er so spielt wie wir ihn kennen“, hatte Guardiola gesagt. Klappte aber doch. Dennoch gab’s Chancen: Suárez lief auf Torhüter Manuel Neuer zu, der das Solo mit einer Weltklasse-Parade zunichte machte (12.).

Pech in Minute 18, als Thomas Müller über rechts Jordi Alba abgeschüttelt hatte und scharf nach innen passte. Völlig frei vor dem Tor hatte „Maskenmann“ Robert Lewandowski die Chance zum wertvollen Auswärtstreffer, doch er traf den Ball nicht richtig – kein Tor, ins Toraus. Eine hundertprozentige Chance, die er wohl ohne die Attacke von Dortmunds Torwart Mitch Langerak vor einer Woche im Pokal-Halbfinale und den daraus resultierenden Gesichtsschutz verwandelt hätte. In die Pause ging es mit. 0:0.

„Das Ergebnis ist in Ordnung, die Spielweise muss besser werden“, moserte Ehrenpräsident Franz Beckenbauer in der Halbzeit bei „Sky“, „Barcelona ist in der Offensive schneller, beweglicher.“ Und dann unnachahmlich, der Kaiser: „Zum Glück war das Glück auf unserer Seite. Bayern will ein gutes Ergebnis erzielen, aber das ist zu wenig.“ Nach der Pause traute sich die Pep-Elf mehr zu, es blieb ein Kampf um jeden Pass, jeden Meter Raum – wie beim Schach. Allerdings wurden die Auszeiten der jeweiligen Züge größer. Kein Blitz-Schach mehr. Bis Messi und Neymar kamen. Und versenkten Bayern: 3:0.

Nun braucht man im Rückspiel kommenden Dienstag in der Allianz Arena ein Wunder à la Porto (6:1), um doch noch das Finale am 6. Juni in Berlin zu erreichen.

 

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