"Held oder Depp" TSV 1860: Prince Osei Owusu in der Sechzig-Achterbahn

Prince Owusu schwankt derzeit zwischen Chancentod und Derby-Held. Foto: imago/ Sven Simon

Emotionale Achterbahnfahrt für Prince Owusu: Erst verstolpert der Angreifer des TSV 1860 den Siegtreffer gegen Großaspach, dann glänzt er in Ingolstadt: "Als Stürmer bist du entweder der Held oder der Depp."

 

München - Sechzig gegen Sonnenhof Großaspach, 88. Minute: Prince Owusu läuft alleine auf das Tor zu und schießt - der Ball geht ans Außennetz. Der Stürmer sinkt frustriert auf den Rasen. Sechzig beim FC Ingolstadt, 16. Minute: Owusu steigt zum Kopfball hoch – und wuchtet die Kugel in die Maschen. Jubelnd reckt er seine Arme von sich. Pech oder Peng!

Prince Owusu nach Großaspach am Boden zerstört

Zwei Szenen, zwei Gefühlswelten: Der Stürmer des TSV 1860 erlebt dieser Tage in der Dritten Liga ein Auf und Ab der Emotionen. Nach dem mageren 1:1 am vorvergangenen Wochenende gegen Abstiegskandidat Großaspach, bei dem ihm schon zuvor ein Abseitstor geraubt wurde, war der Leih-Löwe von Arminia Bielefeld am Boden zerstört. "Das Spiel war nicht leicht für mich zu verarbeiten, das sage ich ganz ehrlich“, erklärt der 22-jährige Angreifer rückblickend.

Eine Woche später beim Tabellen-Zweiten durfte Owusu jubeln. Und zwar nicht nur das eine Mal. Nach seinem eigenen Treffer bereitete er drei Minuten später das 2:1 durch Sascha Mölders vor. "Ich habe mich gefreut, einen zu machen und dem Sascha einen auflegen zu dürfen“, so der zweifache Scorer.

Erst der Frust, nun die Freude: Owusu weiß, wie nahe beides im Leistungssport beinander liegt: "Als Stürmer bist du entweder der Held oder du bist der Depp. Das muss man in Kauf nehmen, wenn man Fußballer wird. Gegen Großaspach war ich der Depp.“ Achterbahnfahrer Owusu – vom Tor-Deppen zum Helden.

Auch beim TSV 1860 werden Stürmer an Toren gemessen

Trotz des zweifachen Glücks – es gab auch in Ingolstadt keine grenzenlose Freude für den hoch aufgeschossenen Angreifer. "Ich bin sehr enttäuscht. Wir haben es zwei Mal nicht hinbekommen, einen Sieg in Überzahl einzufahren. Da ist auch keiner glücklich über einen Punkt beim Zweiten der Liga, weil mehr drin war. Wir hätten ein Riesen-Ausrufezeichen setzen und oben angreifen können“, meint der 1,91 Meter große Sturm-Hüne.

Uneigennützig verweist er auf die Rechnung, die schon unzählige Profis vor ihm aufgestellt haben: "Fußball ist ein Mannschaftssport. Ich schieße lieber kein Tor und gewinne.“ Und dennoch ist auch für den Leihspieler in seiner zweiten Spielzeit an der Grünwalder Straße klar: "Ein Angreifer wird an Toren gemessen.“ Und ein Chefcoach stellt zumeist die Stürmer auf, von denen er sich die größte Torgefahr verspricht.

Michael Köllner hat sich dafür entschieden, Owusu nicht nur starkzureden. Der TSV-Trainer schenkte ihm mit dem Verweis, dass dieser vermaledeite Knoten endlich platzen müsse, weiter das Vertrauen in der Startelf. "Ich hatte immer Rückendeckung, auch vom Trainerteam. Der Trainer hat mir gut zugeredet und gemeint, dass ich alles drum herum vergessen soll. Sowas braucht ein Stürmer“, bedankt sich Owusu für Köllners verbale Streicheleinheiten, inklusive Startelfplatz, "so bekommt man wieder einen klaren Kopf.“

Unter Daniel Bierofka nur Bankangestellter

Klarheit – das ist es, was Owusu in seinen Aktionen ab und an fehlte. Ex-Coach Daniel Bierofka hatte mit Sturmführer Sascha Mölders eine klare Nummer eins an vorderster Front, Owusu kam zumeist nur von der Bank. Saisontreffer Nummer zwei und Assist Nummer eins sowie Sechzigs Aufwind sorgen für Zuversicht. "Das Selbstvertrauen ist sehr groß bei uns, wir sind ein stabiles Team und weiter zusammengerückt“, erklärt Owusu und schickt hinterher: "Wir haben ein paar ambitionierte Spieler drin.“

Hört man ihm so zu, dürfte sich der gebürtige Wertheimer selbst auch dazu zählen. Wer weiß, wohin die Reise geht, sollte Owusu künftig noch öfter in die Heldenrolle schlüpfen.       

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