Halbjahresbilanz der Münchner BMW: Holpriger Start für Krüger

Hässliche Minuszeichen in der Bilanz sind der Grund, warum die Anleger vom ersten Ergebnis des neuen Chefs enttäuscht sind. Der hält aber an seiner Prognose fest – und sieht Chancen.

 

Eigentlich ist bei BMW auch im ersten Halbjahr 2015 wieder alles rund gelaufen, könnte man meinen: Zuwächse beim Konzernumsatz – plus 17,6 Prozent – und beim Ergebnis vor Finanzergebnis – plus 7,5 Prozent. Die Münchener setzten weltweit knapp 1,1 Millionen Autos der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce ab.

Und dennoch straften die Börsianer die BMW-Aktie gestern ab. Grund: ein paar hässliche Minuszeichen in der Halbjahresbilanz. Das ist man von BMW nicht gewohnt. Obwohl mehr Autos verkauft wurden als jemals zuvor in einem Halbjahr, verdiente man mit den Autos um 10,7 Prozent vor Steuern weniger.

Schuld daran ist das stockende Wachstum in China und erstaunlicherweise auch in den USA. In beiden Fällen musste BMW bei den Preisen wegen des gestiegenen Wettbewerbsdrucks nachgeben.

In China stiegen die Münchener sogar auf die Bremse und drosselten die Ausgabe des bisherigen 3er-Modells, um laut Finanzvorstand Friedrich Eichiner „Bestände zu bereinigen“. Wie schon eine Woche zuvor die Audi-Chefs, mussten sich gestern auch der neue BMW-Vorstandsvorsitzende Harald Krüger und Finanzchef Eichiner bohrende Fragen zu China gefallen lassen.

Münchner glauben trotz aller Probleme an den chinesischen Markt

Auch bei BMW kam heraus, dass man zwar schon lange mit einem Ende der zweistelligen Zuwachsraten und einer „Normalisierung“ des Marktes gerechnet hatte, von dem Tempo dieses Prozesses aber doch überrascht wurde.

Dennoch befürchtet BMW nicht, in China weniger Autos als im Vorjahr zu verkaufen. Trotz aller Turbulenzen haben die Münchner dort im ersten Halbjahr um 2,3 Prozent bei den Auslieferungen zulegen können. „Wir werden auch im zweiten Halbjahr wachsen“, sagte Eichiner.

Bei den geplanten Kapazitätserweiterungen wollen die Münchner keine Abstriche vornehmen, denn sie glauben an die Aufnahmefähigkeit des Riesenreiches. Aber auch an den amerikanischen Kontinent: Ab 2019 können in Spartanburg (USA) und in Mexiko jährlich 600.000 BMW von den Bändern laufen. Beflügelt werden die Wachstumspläne vom sehr guten Zuspruch der US-Kundschaft zu den allradgetriebenen X-Modellen.

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Wichtigster Absatzmarkt, sagte Vorstandschef Krüger, bleibe aber Europa. „Kräftig gewachsen“ seien die bisherigen Problemmärkte Spanien, Portugal und Italien. Für das Gesamtjahr bleiben die Münchener bei ihrer allerdings unscharfen Prognose: „Höchstwerte“ bei Absatz, Umsatz und Ergebnis. Die Umsatzrendite solle sich weiterhin im Korridor von acht bis zehn Prozent bewegen.

Im ersten Halbjahr 2015 lag sie bei 8,4 Prozent und damit spürbar unter der des Wettbewerbers Audi (9,8 Prozent). Wie es sich für einen neuen Konzernchef geziemt, denkt wohl auch Krüger über ein Innovationsprogramm nach. Es böten sich „neue Chancen durch neue Technologien“, ließ er wissen und verwies auf den Ankauf der Nokia-Straßenkartensparte (AZ berichtete) durch drei deutsche Premiumautohersteller.

 

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