Gegen Gladbach Erste Bayern-Niederlage: Sind die Münchner doch nicht so stark?

Der FC Bayern strebt trotz Niederlage gegen Gladbach das zweite Triple der Vereinsgeschichte an. Foto: 360b/Shutterstock.com

Nun ist es also doch geschehen: Der FC Bayern verliert sein erstes Bundesliga-Spiel. Was womöglich aber noch mehr überrascht, ist die Art und Weise. Eine Analyse.

 

München - Die unbesiegbaren Über-Bayern agierten nach dem ersten Gegentor geschockt und fanden nicht die richtigen Mittel, dem Angstgegner aus Mönchengladbach beizukommen. Es war nicht das erste Mal, dass die Fohlen den Rekordmeister entthronten. Zudem zeigte die Niederlage deutlich auf, mit welchen Mitteln die kommenden Gegner den Bayern gefährlich werden können. Erste Erinnerungen an die Spielzeiten der letzten Jahre werden wach. Überbewertet werden sollte die Niederlage dennoch nicht.

Gladbach bleibt Bayerns Angstgegner

So hatte sich Pep Guardiola das Spiel gegen die Fohlen gewiss nicht vorgestellt, auch wenn er sicherlich um die Stärke des wiedererstarkten Teams vom Niederrhein wusste. André Schubert hat die Borussen aus dem Tabellenkeller noch vor Ende der Hinrunde in das obere Tabellendrittel geführt. Sogar die Wolfsburger hat man mittlerweile überholt. Mit aktuell 26 Punkten liegt die Borussia zwar noch stolze 14 Zähler hinter dem Rekordmeister, zumindest spielerisch scheint die Mannschaft den Abstand zu den Bayern aber verringert zu haben. Dies belegen auch die Daten zum Spiel.

Spielstatistiken zur Begegnung

  Borussia Mönchengladbach FC Bayern München
Tore 3 1
Torschüsse 13 22
Ballbesitz 41,9% 58,2%
gewonnene Zweikämpfe 50% 50%

„Die Spielstatistik beweist, dass der Sieg der Fohlen-Elf kein Zufallsprodukt gewesen ist. Mit diesem Ausgang des Spiels war dennoch nicht zwangsläufig zu rechnen. Für einen Sieg der Gladbacher lagen die Wettquoten bei den Buchmachern teils bei über 10.0. Auch sah es in den ersten Minuten nicht nach einem Gladbacher Sieg aus“, so der Wett- und Fußballexperte Kurt Schumacher von www.wettbuero.de.

Und tatsächlich war den Borussen zu Anfang des Spiels beim Pfostentreffer von Kingsley Coman noch das Glück hold, bis schlussendlich eine taktische Umstellung die Wende herbeiführte. André Schubert setzte auf eine eigene Anti-Bayern-Formation und ließ mit einem 5-3-2 agieren, wobei das Team nicht wie andere Mannschaften mit einer starren Fünferkette am eigenen Strafraum verharrte, sondern schon frühzeitig über herausrückende Außenverteidiger Druck auf die starken Flügel der Bayern ausübte.

Fakten zum Spiel

• Mit dem Sieg über die Münchener fügte die Borussia den Bayern die erste Niederlage nach dem 33. Spieltag der letzten Saison zu.
• Für den Bayern-Trainer war es das erste verlorene Spiel mit den Münchenern in einer Bundesliga-Hinrunde überhaupt – und das innerhalb von drei Jahren.
• André Schubert holte seit Amtsantritt bis zum Bayern-Spiel 2,60 Punkte im Schnitt. Zum Vergleich: Pep Guardiola hält bei einem Schnitt von 2,52 Punkten pro Spiel.
• Kein anderes Team hat in dieser Saison gegen die Bayern so häufig auf das Tor von Manuel Neuer geschossen wie die Gladbacher: Insgesamt 13 Torschüsse waren zu verzeichnen.

Während der wieder einmal stark aufspielende Lars Stindl sowie Raffael frühzeitig Druck auf die bayerischen Innenverteidiger ausübten, veranlasste Trainer Schubert eine Umstellung auf eine 4-4-2-Formation, um den schnellen Coman besser doppeln zu können – mit Erfolg. Als die Bayern nach der Halbzeit zwangsläufig etwas offensiver spielen mussten, änderte der Borussen-Trainer erneut die taktische Aufstellung auf ein 3-5-2. Die Bayern verloren daraufhin sogar im Mittelfeld-Zentrum – eigentlich bayerisches Hoheitsgebiet – die Überlegenheit und gaben das Spiel letztendlich aus der Hand.

Der historische Vergleich – Bilanz des FC Bayern gegen Borussia Mönchengladbach

  Spiele Siege Unentschieden Niederlagen
Zu Hause 51 37 11 3
Auswärts 51 12 20 19
Gesamt 102 49 31 22

Der ehemalige Erzrivale der Bayern aus den siebziger Jahren scheint auch in diesem Jahrtausend der Angstgegner zu bleiben. In den letzten drei Spielen konnte der Rekordmeister keinen Sieg gegen die Borussia einfahren. Zweimal gingen die Bayern als Verlierer vom Platz, einmal gab es ein Unentschieden beim 0:0 am 9. Spieltag der Saison 2014/15. Die Münchener holten einen Punkt weniger.

Kader durch Verletzungen geschwächt


 

Zwar war es der erste Punkteverlust der Bayern in der Bundesliga in dieser Saison, dennoch sehen viele Experten den großen FCB in alte Muster zurückfallen. Denn auch in der letzten Saison sah es lange Zeit danach aus, als ob keine Mannschaft auf diesem Planeten den Über-Bayern gefährlich werden könnte. Was folgte, war das unglückliche Aus im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund sowie die vernichtende Niederlage gegen Peps Herzensklub FC Barcelona. Am Ende blieb „nur“ die Deutsche Meisterschaft.

Die große Schwächeperiode des deutschen Vorzeigeklubs trat in der letzten Saison genau in der entscheidenden Phase aller Wettbewerbe ein. In der Meisterschaft hatte man glücklicherweise einen ausreichenden Vorsprung herausgearbeitet und die Konkurrenz nahm sich gegenseitig die Punkte weg. In den KO-Wettbewerben half dies den Bayern allerdings nicht. Problem heute wie damals: die großen Verletzungssorgen.

Verletztenliste des FC Bayern

Verletzter Spieler Verletzung voraussichtliches Genesungsdatum
Mario Götze Muskelfaserriss im Adduktorenbereich Mitte Januar 2016
Arjen Robben muskuläre Beschwerden Mitte Dezember 2015
Douglas Costa muskuläre Probleme

Mitte Dezember 2015

David Alaba Kapselverletzung Anfang Januar 2016
Juan Bernat Muskelbündelriss Anfang Januar 2016
Thiago Kapselverletzung im Knie Ende Dezember 2015

Ohne Ribery, ohne Alaba und auch ohne Arjen Robben waren die Roten in der letzten Champions-League-Saison ins Camp Nou gereist und vernichtend mit 3:0 geschlagen worden. Lionel Messi zeigte den stark ersatzgeschwächten Bayern die fußballerischen Grenzen auf. Und auch in dieser Phase der Saison beherbergt die Rekonvaleszenten-Liste des Rekordmeisters viele Leistungsträger. Kapitän Philip Lahm wollte das Verletzungspech der Bayern aber nicht als Ausrede für die Gladbach-Niederlage gelten lassen: „Wir werden uns nicht beschweren. Wir hatten eine gute Mannschaft auf dem Feld.“

Dennoch ist der Rekordmeister ohne seine vielen Superstars, allem voran Arjen Robben und Durchstarter Douglas Costa, eben nicht der FC Bayern, wie man ihn kennt und fürchtet. Allerdings traf die Bayern das Verletzungspech in dieser Saison bereits im Herbst/Winter. Spätestens zum Frühjahr sollte Guardiola aber wieder aus dem Vollen schöpfen können, dann sogar wieder mit Franck Ribery, der bereits gegen Gladbach andeutete, dass mit ihm in dieser Saison wieder zu rechnen sein wird.

 

Triple ist möglich

Trotz der Niederlage gegen Gladbach richtete Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge auf der internen Weihnachtsfeier des FC Bayern zu Entenbrust und Lebkuchen-Eis mahnende Worte an die Konkurrenz. Es sei in dieser Saison alles möglich, sofern jeder alles dem FC Bayern unterordne. Gleichzeitig gab er indirekt das Triple als Saisonziel aus.

Selbst das fleischgewordene Mahnmal Matthias Sammer wollte von der Niederlage in Gladbach vor dem aus sportlicher Sicht uninteressanten Auswärtsspiel in Zagreb nichts mehr wissen und gestattete sich sogar eine ungewohnt positive Sicht auf die derzeitige Lage. „Wir sollten daher an die erste Halbzeit in Gladbach anknüpfen, als wir viele Chancen herausgespielt haben.“ Geld und Prestige gebe es noch zu erlangen, so der Sportvorstand. Zudem wolle der FC Bayern im Rhythmus bleiben und auch dieses Champions-League-Spiel ernst nehmen.

Bayerns schwerste Niederlagen unter Pep Guardiola

Datum Wettbewerb Gegner Ergebnis
29. April 2014 Champions League Real Madrid 0:4
13. August 2014 Supercup-Finale Borussia Dortmund 2:0
30. Januar 2015 Bundesliga VfL Wolfsburg 4:1
22. März 2015 Bundesliga B. Mönchengladbach 0:2
15. April 2015 Champions League FC Porto 3:1
28. April 2015 DFB-Pokal Borussia Dortmund 3:1 n. E.
06. Mai 2015 Champions League FC Barcelona 0:3
05. Dez. 2015 Bundesliga B. Mönchengladbach 3:1

Die Mannschaft tat ihm den Gefallen. Zwar gab es wieder kein Tor in der ersten Halbzeit, dennoch stand am Ende ein ungefährdeter 0:2-Auswärtssieg gegen Zagreb sowie eine Siegesprämie von 1,5 Millionen Euro zu Buche – und das auch ohne viele Stars. Doch schon bald warten hochkarätigere Gegner auf die Bayern, gegen die der FCB in den letzten beiden Jahren nicht glänzen konnte. Man müsse die richtigen Lehren aus dem Gladbach-Spiel ziehen, gab Rummenigge auf der Weihnachtsfeier als Vorgabe an Spieler und Trainer aus. Und tatsächlich war es nicht zwangsläufig spielerisches Unvermögen oder das Verletzungspech, das dem deutschen Rekordmeister den Erfolg auf internationaler Bühne in den Saisons nach dem letzten Triple-Gewinn 2013 verwehrte, sondern taktisches Unvermögen und psychologische Schwäche.


Hat Guardiola aus den letzten Niederlagen seine Schlüsse gezogen und schafft er diese Saison den großen Triumph in der Champions League? Foto: katatonia82/Shutterstock.com

20 Minuten der Unkonzentriertheit trotz völliger Überlegenheit ließen die Bayern letzte Saison aus dem DFB-Pokal gegen Dortmund ausscheiden. Der taktische Fehler, als Guardiola auf Druck seiner Spieler den Madrilenen das Mittelfeld überließ, besiegelte das Aus in der Champions-League gegen Real vor zwei Jahren. 15 unkonzentrierte Minuten gegen den FC Barcelona bedeuteten drei Gegentore und verhinderten den Einzug ins Champions-League-Endspiel im letztjährigen Halbfinale. Diese Saison haben Spieler und Mannschaft hoffentlich aus ihren Fehlern gelernt. Dann erscheint der große Coup trotz der ersten Bundesliga-Niederlage möglich.

 

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