Für fast eine halbe Milliarde Euro Sanierung des Gasteig: Der Diamant wird geschliffen

Es scheint an der Zeit, sich an den Gasteig zu gewöhnen – die SPD will, dass er äußerlich so bleibt, wie er ist. Foto: Peter Kneffel/dpa

Die auf mindestens 500 Millionen Euro veranschlagte Sanierung des Gasteigs nimmt eine erste Hürde im Münchner Stadtrat.

 

Nie war das Sprichwort "Was lange währt, wird endlich gut" so wahr: Die Ausschüsse für Arbeit und Wirtschaft und der Kulturausschuss des Stadtrats haben gemeinsam getagt. Mit einstimmigem Beschluss: Die städtische Gasteig GmbH wird beauftragt, zur Sanierung einen Planungswettbewerb mit Vorplanung durchzuführen. Und die Suche nach Interimsstandorten für die Gasteig-Nutzer ab der Spielzeit 2020/21 zu intensivieren.

Oder weniger bürokratisch formuliert: Die Generalsanierung des Gasteig kommt in Riesenschritten näher. Die Zustimmung des Stadtratsplenums dürfte am 5. April eine reine Formsache werden.

Kosten von fast einer halben Milliarde Euro

Natürlich ließe sich nun spotten, die Verwaltung habe die möglichen Einwände der Münchner Kommunalpolitiker mit einem Stoß Papier erschlagen. Auf 1000 Seiten wird da unter anderem die geplante Ertüchtigung der Philharmonie, die Modernisierung der Stadtbibliothek und die Verwandlung des Carl-Orff-Saals in einen veränderbaren Veranstaltungssaal erläutert, der vom Filmfest bis zur Kammermusik für eine vielfältige Nutzung offen ist.

Die Sitzung im Rathaus verlief ausgesprochen harmonisch. Alle Fraktionen befürworteten die Generalsanierung des Gasteig. Florian Roth (Grüne) pries als erster Redner die "gute, detailliert ausgearbeitete Vorlage" – ein Lob, in das nach ihm alle Fraktionen einstimmten. Roth wünscht sich allerdings eine stärkere Zusammenarbeit aller Institutionen des Kulturzentrums am Isarhochufer, das Sonja Haider (ÖDP) mit einem noch zu schleifenden "Rohdiamanten" verglich. Das ist ein in jeder Hinsicht treffendes Bild: Denn teuer wird die Sache auf jeden Fall.

Klaus Peter Rupp (SPD) schilderte – ebenfalls stellvertretend für alle – seine leicht zwiespältigen Gefühle beim Anblick der backsteinernen Kulturtrutzburg, mit der er aber im Lauf der Jahre seinen Frieden gemacht habe. Seine Fraktion wolle die Sanierung angesichts der hohen Kosten von fast einer halben Milliarde Euro "kritisch begleiten".

Manuel Pretzl (CSU) regte einen Kostendeckel an: "Auch bei Interimslösungen müssen wir die Ausgaben fest im Blick behalten". Leises Grauen angesichts der Kosten und möglichen Kostensteigerungen nach dem abschreckenden Vorbild der Hamburger Elbphilharmonie schimmerte auch bei den anderen Fraktionen durch.

Wiesnzelt als Interimsspielstätte?

Kulturreferent Hans Georg Küppers bezeichnete die Gasteig-Sanierung als "die teuerste Vorlage" seines Berufslebens. Dann setzte er zu einer Hymne an: Am Isarhochufer werde schon jetzt die Forderung nach "Kultur für alle" verwirklicht. Es sei eine kluge und zukunftsweisende Entscheidung, Bildung in den Mittelpunkt der Stadtgesellschaft zu stellen.

Abgelehnt wurde der von Wolfgang Heubisch (FDP, Hut, Piraten) eingebrachte Antrag, den Abriss und Neubau detailliert zu prüfen, weil das vielleicht billiger käme als die Sanierung. Heubisch schlug außerdem vor, ein großes Wiesnzelt als Interimsspielstätte zu nutzen. Dies wurde nicht nur vom Oberbürgermeister als verfrühter Aprilscherz verstanden. Ein Witzbold erwog außerdem eine "Konzertkartenpreisbremse".

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Die Entscheidung für die Generalsanierung bedeutet noch keine Vorentscheidung für die Interimslösungen. Derzeit werden Standorte geprüft. Die eine Million Bücher der Stadtbibliothek blieben – wie immer – unerwähnt. Das städtische Grundstück am U-Bahnhof Messestadt West in Riem gilt derzeit fraktionsübergreifend als bester Ort für eine Ersatz-Philharmonie. Ein definitiver Vorschlag soll im November vorliegen.

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Dieter Reiter hat darüber mit Valery Gergiev geredet. Der Oberbürgermeister war mit seinem Chefdirigenten kürzlich in Riem. Gergiev sei überrascht gewesen, wie rasch man draußen in der Messestadt sei. Im Übrigen gelte: "Wer einen besseren Vorschlag habe, möge uns anrufen", so Reiter. "Wir prüfen jede Idee". Der Oberbürgermeister bittet nur freundlich um Realismus: "Mitten auf dem Königsplatz wird es halt nicht gehen."

 

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