FC Bayern Wie viel Robben steckt in Ribéry?

Gestatten, Robbéry mein Name. Die Az hat aus Franck Ribéry und Arjen Robben einen Spieler gemacht. Fotos: sampics/Augenklick (2), Foto-Montage: AZ Foto: az

 Nicht Götze, nicht Thiago – nein, bei Bayern ziehen aktuell mal wieder bewährte Kräfte groß auf. Der Franzose will jetzt Europas bester Fußballer werden – und daran hätte auch der Holländer seinen Anteil.

 

München - Karl-Heinz Rummenigge, 1981. Ganze 32 Jahre ist es her, dass ein Bayern-Profi zu Europas bestem Fußballer gewählt wurde. Am Donnerstag findet die Wahl zum Kontinent-König 2013 in Monaco statt. Vorstandsboss Rummenigge begleitet Ribéry (30), am Abend jedoch ist Partyverbot – selbst im Fall der Fälle. Per gecharterter Maschine geht es rüber nach Prag, wo sich der FC Bayern auf das Super-Finale gegen den FC Chelsea (Freitag) vorbereitet.

Ribéry dürfte die Auszeichnung mehr bedeuten – auch wenn er das nie sagen dürfte. Die Konkurrenz für den Bayern-Franzosen im Rennen um den „Uefa Best Player in Europe Award“ sind: Lionel Messi (FC Barcelona), Cristiano Ronaldo (Real Madrid). „Die drei Spieler sind unglaublich, sie haben das gleiche Niveau“, sagt Bayern-Trainer Pep Guardiola. „Franck ist nicht nur wichtig für mich, sondern für den Verein.

Er ist seit sechs Jahren einer der wichtigsten Spieler hier, das ist in dieser Saison nicht anders.“ Der einzige Unterschied? „Die Tore“, sagt Guardiola. Messi und Ronaldo treffen häufiger. Sein Coach hofft: „Franck hat es verdient.“ „Das ist ein Titel, von dem ich seit langem träume, an den ich oft gedacht habe“, sagte Ribéry dem „Kicker“, „dieser Titel wäre mir sehr wichtig, denn ich habe alles Notwendige dafür getan: gut gespielt, Titel geholt, Tore vorbereitet, Tore erzielt. Ich habe letzte Saison wie ein Verrückter gearbeitet, bin auch an freien Tagen an die Säbener Straße gekommen.“

Ein wenig Wahlwerbung in eigener Sache kann nicht schaden. Ribéry keck: „Warum sollte es nicht klappen?“ Eben. Wem hätte er den Coup zu verdanken? Klar: Jupp Heynckes, dem Triple-Coach, der Ruhe reinbrachte in das unstete Leben und Wirken Ribérys bei Bayern. Hitzfeld, Klinsmann, Heynckes, van Gaal, Jonker, wieder Heynckes – all diese Trainer hat der Franzose seit 2007 an der Säbener erlebt. Ansonsten? Uli Hoeneß, der immer Ansprechpartner und Kummerkasten für Ribéry war.

Sonst noch? Daniel van Buyten, seinem besten Kumpel und anfangs Integrationsbeauftragtem. Sowie David Alaba, der ihm auf dem Platz als Linksverteidiger den Rücken freihält. Ein weiterer Bayern-Profi war ebenfalls ganz entscheidend für Ribérys Ruhm: Arjen Robben (29)! Wie, Robben? Exakt. Jener Solokünstler von der anderen Spielfeldseite, seit 2009 bei Bayern. Doch ohne Londonfinalsiegtorschütze Robben womöglich kein Triple. Und ohne die Symbolfigur des Vize-Triples 2012 kein Mannschaftsaufschrei, es im Jahr darauf allen zu zeigen.

Und Robben blieb cool, als ihm Hitzkopf-Bruder Ribéry im April 2012 in der Kabine eine Watschn verpasste. Robben behielt ein Veilchen und die Contenance. Die Flügelzange hielt zusammen. Als bekannt wurde, dass Guardiola die Bayern übernimmt, vermuteten einige, es würden schwere Zeiten auf beide „Freigeister“ (O-Ton Sammer) zukommen, da der Spanier eher kleine, wendige, systemtreue Ballbesitz-Spieler wie Kroos und die Neuzugänge Götze und Thiago schätze.

Doch gegen Nürnberg zeigte sich, dass die neue (Pep-)Ordnung mit Götziago stockte, erst Robbéry löste den Knoten: mit Einzelaktionen, mit einer Prise Anarchie. Sie sind sich ähnlicher als sie glauben. In Ribéry steckt eine Menge Robben: Extatischer Torjubel, aufbrausendes Temperament. „Ich bin kein fieser Kerl“, beteuert Ribéry, „ich bin ja eigentlich harmlos.“ Wenn er sich doch mal zu Revanchefouls oder hartem Einsteigen hinreißen lasse, sei das „nicht böse gemeint, sondern nur ein Schutz“. Er sei, so beteuerte Ribéry, eben „ein impulsiver Kerl“. Robben versteht ihn.

 

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