FC Bayern bei Borussia Dortmund 199 Tage später: Brisantes Wiedersehen zwischen Favre und Flick

Bayern-Trainer Hansi Flick (r.) und BVB-Coach Lucien Favre beim Hinspiel in München. Foto: Matthias Balk/dpa

Am 9. November 2019 hat Hansi Flick mit einem 4:0 über Dortmund sein Debüt als Trainer beim FC Bayern gefeiert. Jetzt kommt es wieder zum großen Duell der Erzrivalen.

 

München - Die Paarung lautet: Vierter gegen Zweiter. Ein Verfolgerduell. Der Vierte FC Bayern, acht Tage zuvor von Eintracht Frankfurt mit 5:1 abgewatscht, gegen Borussia Dortmund, das auf die andere Borussia aus Mönchengladbach, den Tabellenführer, drei Punkte Rückstand hat.

Flick: "Ich hoffe, dass bei uns die Null steht"

Ja, so war das vor dem elften Spieltag dieser Saison, vor dem Abendspiel des 9. November 2019. Dann kam Flick. Hansi Flick (55). In seinem ersten Bundesligaspiel als Cheftrainer fegte der langjährige Assistent von Joachim Löw den schwarz-gelben Rivalen mit 4:0 aus der Allianz Arena, besiegte als Liga-Debütant seinen Gegenüber, den 62-jährigen Lucien Favre, der bereits bei Hertha und in Gladbach erfolgreich gearbeitet hat. Nach der Partie stand Bayern auf Rang drei, der BVB rutschte auf Rang sechs ab.

Ganz andere Voraussetzungen jetzt. Der Zweite fordert den Ersten, der BVB will wieder näher ran an den Meister, die momentane Vier-Punkte-Lücke im Geisterkick (18.30 Uhr, Sky und im AZ-Liveticker) verkleinern. Beide Teams haben ihre Hausaufgaben, die Aufwärmübungen an den ersten beiden Spieltagen nach der Corona-Pause souverän gewonnen. Das sachlich-nüchterne 2:0 in Wolfsburg war für den BVB bereits der sechste Erfolg nacheinander. Neun ihrer zehn Rückrundenpartien entschied die Borussia für sich, holte dabei 27 von 30 möglichen Punkten.

Lediglich übertroffen von den Bayern mit 28 Zählern, die wiederum lediglich beim 0:0 gegen RB Leipzig ohne Dreier blieben. Bei einem Auswärtssieg dürften die Münchner mit dann sieben Punkten Vorsprung enteilt sein. Davon will Trainer Flick, der ohne den verletzten Spielmacher Thiago anreisen musste, nichts wissen. "Nach der Partie sind immer noch einige Spiele zu spielen. Meine Mannschaft ist sehr, sehr stabil. Ich hoffe, dass bei uns die Null steht. Wir sind gut vorbereitet."

Hinspiel war Bayerns Wendepunkt der Saison

Für die Bayern war ausgerechnet das 4:0 im Hinspiel der Wendepunkt der Saison. Flicks Ansprache sowie seine taktische Ideen - frühes Stören, hohes Pressing und spielerische Dominanz - sagten den Bayern-Profis sofort zu, weit mehr als die des Anfang November beurlaubten Niko Kovac, dessen Assistent Flick seit Juli 2019 war.

Dennoch ging es nach dem letzten Duell mit dem BVB nicht stetig bergauf. Durch zwei Pleiten gegen Leverkusen und in Gladbach (jeweils 1:2) sackte Bayern nach dem 14. Spieltag auf Platz sieben ab, von da an jedoch ging es nur noch bergauf. Spitzenreiter war man dann - erst zum zweiten Mal seit dem sechsten Spieltag - nach dem 3:1 in Mainz Anfang Februar (20. Spieltag). Seitdem ist die Pole Position in Bayern-Hand. Und Flick mit einem Langzeit-Vertrag bis 2023 ausgestattet.

Corona-Pause genutzt: Feinschliff von Coach Favre

Und die Favre-Kurve? Schlechter war man nur nach dem sechsten und siebten Spieltag – als Achter. Doch die Klatsche bei Bayern war heilsam, danach kletterte man in der Tabelle, pendelte ab dem 14. bis zum 24. Spieltag stets zwischen Rang drei und vier. Mit dem 2:1 in Gladbach, am letzten Spieltag vor der Unterbrechung infolge der Corona-Pandemie, schaffte Favre den Sprung auf Rang zwei.

Dank eines Taktik-Wechsels im Dezember, für den sonst eher sturen Grübler eine Sensation: Mit Dreierkette, hochstehenden Außenverteidigern und nur noch einem defensiven Sechser. "Das Hinspiel war nicht gut", bekannte Favre, "aber wir sind besser geworden, spielen mit einem anderen System, das besser für unseren Kader ist. Dazu haben wir im Winter zwei Spieler (Erling Haaland und Emre Can; d. Red.) verpflichtet, haben mehr Präsenz." Das Aus für Favre, wie in der Hinrunde oft diskutiert, ist zuletzt kein Thema – sein Vertrag läuft bis 2021.

Der detailversessene Coach, hat durch die Corona-Pause profitiert, konnte in Kleingruppen für Fortschritte dank Feinschliff sorgen. Auch die Geisterkulissen schätzt der Schweizer: "Als positiv empfinde ich, dass die Spieler mich als Trainer im Stadion besser hören können." In der Ruhe liegt die Kraft. Doch auf dem Gipfel sitzt Flick, ganz entspannt. Noch?

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