Erstmals gibt's die Zahlen AZ enthüllt: Das verdienen die Wiesn-Wirte

Die Krüge hoch! Auf der Wiesn fließt nicht nur das Bier, sondern auch das geld in Strömen. Foto: dpa

Erstmals legt die Stadt Zahlen vor, von welchen Einnahmen der Wirte sie ausgeht. Die AZ erklärt die Rechnung – und zeigt, wo die Bierpreisbremse für Weißbier und Russn heuer angesetzt werden soll.

München - Verdienen die Wiesn-Wirte zu viel Geld – oder sind ihre Einnahmen angemessen? Wie immer im Leben gehen da die Meinungen weit auseinander. Mancher Wirt zumindest machte in den vergangenen Wochen den Eindruck, gar nicht so zufrieden zu sein mit der Situation – und deshalb den Bierpreis zwingend weiter nach oben schrauben zu müssen.

Aber wie viel nimmt er denn nun ein, der Wiesn-Wirt? Jetzt gibt es dazu erstmals Zahlen: offizielle Schätzungen der Stadt, nach denen die Reformvorschläge für das Oktoberfest berechnet wurden. Die Beschlussvorlage von Wiesn-Chef Josef Schmid (CSU) wurde gestern den Stadtratsfraktionen übergeben und liegt der Abendzeitung vor. Die Zahlen beziehen sich auf die großen Festzelte und die mittelgroßen Gastro-Betriebe wie Hühnerbratereien, Cafézelte oder Barzelte.

So rechnet die Stadt

Genau 106.667 Sitzplätze gibt es in den genannten Betrieben. Schmid geht davon aus, dass diese im Durchschnitt 2,5 mal am Tag belegt werden. Für die Wiesn 2017 hieße das also insgesamt 4.800.465 Gäste. Pro Gast werden durchschnittlich Ausgaben in Höhe von 42 Euro angenommen. Bei den weit über 50 Prozent reservierten Gastplätzen ergibt sich diese Zahl bereits auf Basis der dort zu erfüllenden Mindestabnahmeverpflichtung (zwei Maß Bier und ein halbes Hendl), die durchschnittlich bereits mit einem Umsatz von 32 Millionen Euro zu bemessen sei.
Zusätzlich wird davon ausgegangen dass pro Gast durchschnittlich weitere Ausgaben von mindestens 10 Euro getätigt werden, etwa für Brezn, Souvenirartikel und Schnäpse, Wein sowie weitere Maß Bier.

Was die Wirte einnehmen


Schmid geht offiziell von "mindestens 201.619.530 Euro brutto" aus, die die Wirte einnehmen werden. "Das heißt 169.428.176 Euro netto", nach Abzug der Mehrwertsteuer.

Pro Wirt heißt das

Ausgehend von Schmids Rechnung werden pro Sitzplatz nach Abzug der Mehrwertsteuer (aber vor allen anderen Kosten, der neuen Umsatzpacht, Abgaben sowie der Steuer), etwa 1.500 Euro eingenommen. Nach dieser Durchschnittsrechnung würden etwa im Augustinerzelt (mit Biergarten 8.500 Plätze) 12,75 Millionen Euro umgesetzt, ebenso in der Bräurosl. Toni Roiderer mit seinem Hacker-Zelt (9.300 Plätze) hätte nach Steuern 13,95 Millionen Einnahmen. Im Marstall mit 4.300 Plätzen würden 6,45 Millionen netto umgesetzt.

Die neue Umsatzpacht

Schmid will gestiegene Sicherheitskosten durch eine Umsatzpacht der Wirte finanzieren. Schmid hat berechnen lassen, dass nach seinen Schätzwerten eine Pachthöhe von 5,1 Prozent reichen würde, um die mehr als 8,5 Millionen Euro Mehrkosten zu decken, die er auf keinen Fall vom Steuerzahler oder den kleinen Schaustellern nehmen will.

Neue Bierpreisbremse

Schmid will den Maßpreis für die kommenden drei Jahre auf 10,70 Euro deckeln. In seiner Beschlussvorlage für den Stadtrat werden erstmals auch andere Bierobergrenzen benannt: Schmid will den Weißbier-Preis auf 7,80 Euro deckeln, die Russn-Maß soll bei 15,60 Euro eingefroren werden. Wie bei der klassischen Wiesn-Maß zieht Schmid den Strich beim Höchstpreis von 2016.

Schmid unterstreicht erneut, was er vorschlägt: Neben Umsatzpacht und Bierpreisbremse will er einen "Münchner Montag", also einen festen zusätzlichen Wiesn-Tag. Schon kommenden Dienstag hätte der Wirtschaftsausschuss eine vorläufige Entscheidung fällen können. Schmid wollte Anfang April die Vollversammlung den Sack zumachen lassen. Doch OB Dieter Reiter (SPD) sagte am Abend, die Entscheidungen fälle "weder der Wirtschaftsreferent noch der Wirtesprecher". Sondern der Stadtrat und zwar erst im Mai. Der OB spricht ein spätes Machtwort – und will nach wochenlangem Schweigen offenbar doch ein Wörtchen mitreden in Sachen Wiesn-Reform.

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