E10 und die Folgen Der Sprit-Krisengipfel

Kippt am Dienstag E10? Politiker und Verbände suchen im Kanzleramt einen Ausweg im Dilemma um den Biosprit. Die Autofahrer sind ratlos – und zahlen vermutlich so oder so die Zeche. 

 

BERLIN Eins steht fest: Die Einführung des Biosprits E10 war ein Debakel. Aber was jetzt? Am Dienstag tagt im Kanzleramt ein Krisengipfel dazu. Wird das Projekt gestoppt? Was ist sinnvoll – wer setzt sich durch? Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) will das Krisentreffen nutzen, um den Biosprit zu retten. Eine seltene Allianz aus CSU und Grünen, FDP und Umweltverbänden wollen E10 dagegen am liebsten kippen.

Wie kam es zu dem Debakel? Das Gesetz schreibt eine Beimischung von zehn Prozent Ethanol (aus Getreide, Mais oder Rüben) vor, um EU-Klimaziele einzuhalten: Das neue E10 soll das alte Super ersetzen. Im Osten und im Süden der Republik hat die Branche die Tankstellen umgerüstet – und es stellte sich heraus, dass 70 Prozent der Autofahrer das E10 boykottieren und stattdessen das teurere Superplus tanken. Als Superplus ernsthaft knapp wurde, stoppte die Branche die Umrüstung: Im Westen und Norden gibt es derzeit das alte Super.

Was stört die Autofahrer? Viele wissen nicht, ob ihr Auto E10 tanken kann. 93 Prozent der Fabrikate vertragen es. Listen stehen im Internet (www.dat.de, www.adac.de) oder bei den Hotlines der Hersteller (siehe Kasten). Die Mineralölbranche verweist auf den jeweiligen Hersteller: „Der hat das gebaut, der kennt es”, sagt Klaus Picard vom Mineralölverband. Das Zitat eines BMW-Experten, E10 könne für alle Autos gefährlicher sein als gedacht, das am Sonntag kursierte, wies BMW ausdrücklich zurück: Dies habe sich auf Kraftstoff außerhalb der EU bezogen.

Was ist mit dem Verbrauch? Er ist bei E10 höher als beim bisherigen Super: um 1,5 (ADAC) bis 1,7 Prozent (Verkehrsclub Deutschland). Trotzdem ist es immer noch billiger, E10 zu kaufen als Superplus, rechnet der VCD vor: um 33 Cent auf 100 Kilometer bei einem Sechs-Liter-Verbrauch.

Was ist, wenn E10 kippt? Das mag den Verbraucher freuen – am Ende bezahlt er aber die Zeche. Denn wenn im Jahresmittel nicht eine Beimischungsquote von zehn Prozent erreicht wird (schwer genug, weil zwei Monate fehlen), wird eine Strafzahlung von rund zwei Cent pro Liter fällig, die die Mineralölbranche an den Staat abführen muss: also auf den Benzinpreis draufgeschlagen wird. Wenn, dann müsste der Gesetzgeber dies ändern oder aussetzen. 2008 hat der damalige Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) dies schon mal gemacht.

Was kann also kommen? Die FDP fordert wenigstens eine Aussetzung für einige Monate. „Auf die kommt es jetzt auch nicht mehr an”, sagt Verkehrsexperte Patrick Döring. Der ADAC fordert eine zentrale Anschreib-Aktion des Kraftfahrtbundesamtes an alle Autofahrer. Grüne und CSU fordern ein komplettes Ende des E10-Projektes. Dann müssten die Klimaziele aber anders erreicht und nochmal ganz neu nachgedacht werden.

Wie öko ist E10? Auch Umweltverbände sehen den so genannten Biosprit skeptisch – unter anderem, weil er Flächen für Nahrungsmittel verdrängt. Allein, um in der EU die Ziele bis 2020 zu erfüllen, bräuchte es neue Anbauflächen in der Größe von Österreich. Derzeit werden Bauern mit Subventionen zum Anbau von Energiepflanzen gelockt. „Wir haben die Sorge, dass sich das auf die Lebensmittelpreise auswirkt”, sagt Sabine Eichner von der Bundesvereinigung Deutsche Ernährungsindustrie. „Dem Verbraucher ist nicht vermittelbar, warum er mehr für Lebensmittel zahlen soll und diesen Trend über seine Steuern auch noch subventioniert.”

 

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