Dr. a.D. Guttenberg: Der Angekratzte

Berlin - Im entscheidenden Moment war Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg feige. Er verschanzte sich in seinem Bendlerblock am Berliner Tiergarten und ließ nur einen erlesenen kleinen Kreis von Journalisten ein. Vor ihnen hisste er am Freitag sichtlich angeschlagen und mit tiefen Falten auf der Stirn um 11.30 Uhr für einen Moment die weiße Fahne – mit einer Erklärung zu seiner Doktorarbeit: Er räumte Fehler ein. Das tue ihm „aufrichtig leid”. Die Plagiat-Vorwürfe bestritt er. Seinen Doktor-Titel legt er ab. Aber nur vorübergehend. Bis zum Ergebnis der Prüfung seiner Doktorarbeit. „Ich betone vorübergehend”, erklärte er. Einen Rücktritt lehnt der neue Dr. a. D. ab: „Die Menschen in diesem Land erwarten, dass ich mich um das Amt des Verteidigungsministers mit voller Kraft kümmere.” Dazu gehörte am Freitag vor allem tarnen und täuschen.
Als Ablenkungsmanöver hatte der sonst keineswegs medienscheue CSU-Politiker seinen Sprecher in die Bundespressekonferenz neben dem Reichstag geschickt. Dort wartete ein Großteil der deutschen Medien auf Guttenbergs Erklärung. Der musste seinen Minister als unabkömmlich entschuldigen, weil gerade ein deutscher Soldat in Afghanistan gefallen sei.
Am Abend zuvor hatte Kanzlerin Angela Merkel den schwarzen Baron zu sich zitiert und ihn aufgefordert, reinen Tisch zu machen. Sie fürchtet, dass ihr die Schummel-Affäre des Superstars die bevorstehende Schicksals-Wahl in Baden-Württemberg verhageln könnte. Was die promovierte Physikerin und Vollblut-Wissenschaftlerin – sie arbeitete immerhin an der Akademie der Wissenschaften in Ost-Berlin – mit ihrem Ehemann, dem Chemieprofessor Joachim Sauer, daheim über Guttenbergs Plagiate geredet hat, bleibt geheim. Inzwischen wurden mehr als 80 Stellen gefunden, die Guttenberg abgekupfert haben soll.
„Für diese Stellungnahme bedurfte es keiner Aufforderung und sie gab es auch nicht”, versicherte Guttenberg forsch seinen auserwählten Journalisten. Alle anderen Medienvertreter, die von der Bundespressekonferenz ins Verteidigungsministerium herübergeeilt waren, wurden ausgesperrt. Feldjäger verteidigten den Eingang zum Bendlerblock. Noch direkt vor Guttenbergs Erklärung hatte sein Ministerium Journalisten abgewimmelt und wollte nicht mal einräumen, dass der Minister jetzt etwas erklärt. Statt des Befreiungsschlags brachte Guttenberg so die Journalisten auch noch gegen sich auf.
Der Deutsche Journalisten-Verband warf ihm „Gutsherrnart” vor. Statt sich kritischen Fragen zu stellen, verlese er eine vorgefertigte Erklärung, vor einer Handvoll Journalisten. „Von einem Mitglied der Bundesregierung erwarten wir Transparenz.” Am Nachmittag entschuldigte sich Guttenberg bei den Journalisten. „Leider wird es gerade in meinem Ressort immer wieder Ereignisse geben, die einen gesetzten Zeitplan durcheinander bringen”, berief er sich auf den Tod eines Soldaten in Afghanistan.
Die SPD will den Minister wegen der „Plagiats-Affäre” nun vor den Bundestag zerren. Merkel steht (noch) zu ihrem Verteidigungsminister. Und auch von der eigenen Partei gabs Solidarität. CSU-General Alexander Dobrindt: „Karl-Theodor zu Guttenberg hat alles Notwendige erklärt.”

 
 

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