Doch keine Haftstrafe? Steuerhinterziehung: Hoeneß kann auf Milde hoffen

Läuft es für den Steuersünder und FC-Bayern-Präsidenten doch auf eine Bewährungsstrafe hinaus? Adidas-Chef Herbert Hainer will ihn weiter als Aufsichtsratschef

 

München - 100.000 Euro könnten über Uli Hoeneß’ Zukunft entscheiden. 100.000 Euro, die zu der magischen Grenze von einer Million Euro hinterzogenen Steuern fehlen, ab der eine Bewährungsstrafe nicht mehr möglich ist. Wenn alles gut läuft für den Präsidenten des FC Bayern, bleibt er ein freier Mann und Aufsichtsratschef des Vereins – auch nach dem Gerichtsverfahren um seine hinterzogenen Millionen.

Die Staatsanwaltschaft erwägt zurzeit die Möglichkeit, im Verfahren gegen Hoeneß nur zwei Jahre Haft auf Bewährung plus 720 Tagessätze zu fordern. Dies berichtet jedenfalls der „Spiegel“. Auch der Münchner Experte für Steuerrecht Markus Birkenmaier hält einen solchen Fortgang der Steuerstrafsache Hoeneß für denkbar.

„Ein Teil der Steuer wurde wohl vor mehr als fünf Jahren hinterzogen“, sagt Birkenmaier. Die vor in der jüngeren Vergangenheit hinterzogene Summe betrug wahrscheinlich nur 900.000 Euro, liegt also 100.000 Euro unter der Grenze, die der Bundesgerichtshof für Bewährungsstrafen vorgegeben hat. Weitere 2,3 Millionen hinterzogene Steuern datieren wahrscheinlich aus älteren Zeiträumen.

Bei Steuerhinterziehung, die fünf Jahre oder länger zurückliegt, greift die Verjährung, falls kein besonders schwerer Fall vorliegt. Über die Frage, wie schwer das Vergehen eines Steuersünders zu werten sei, entscheidet das Gericht, sagt Birkenmaier. „Dabei spielt die Höhe der hinterzogenen Summe eine Rolle, aber auch die Frage, ob jemand Unterlagen gefälscht oder Belege neu gefertigt hat.“ Beides scheint im Fall Hoeneß nicht der Fall gewesen zu sein, im Gegenteil: Mit seiner – missglückten – Selbstanzeige bewies Hoeneß, dass ihm selbst daran gelegen war, die Sache wieder in Ordnung zu bringen. Auch die merkwürdig anmutende Kombination aus Haftstrafe auf Bewährung und hoher Geldstrafe sei nicht selten, berichtet Birkenmaier.

Weniger gewöhnlich ist dagegen, dass Details aus der Vorbereitung auf das Strafverfahren an die Presse herausgegeben werden. Könnte die bayerische Staatsregierung versuchen, die Reaktion der Öffentlichkeit auf eine Nicht-Verurteilung des prominenten Steuersünders zu testen? Denkbar ist dies zumindest – schließlich ist die Staatsanwaltschaft weisungsgebunden, kann sich schlecht taub stellen, wenn ein Anruf aus dem Justizministerium kommt.

Während der „Spiegel“ berichtet, dass der Prozess „wahrscheinlich“ vor dem Amtsgericht Miesbach stattfinden werde, ist dies nach AZ-Informationen eher unwahrscheinlich: Wirtschaftsdelikte, für die wie in diesem Fall die Staatsanwaltschaft München II zuständig ist, werden auch auf dieser Ebene im Justizzentrum an der Nymphenburger Straße verhandelt. Das ist auch in diesem Fall so.

Bleibt Hoeneß tatsächlich frei, kann er auch in Bezug auf seine berufliche Zukunft beim FC Bayern hoffen. Adidas-Vorstandsboss Herbert Hainer, selbst im Aufsichtsrat der FC Bayern München AG Vize unter dem Vorsitzenden Hoeneß, spricht sich dafür aus, dass der 61-Jährige auch im Falle einer Anklage seine Ämter behält. „Ich bin der Meinung, dass es keinen Besseren für diese Position gibt“, sagte Herbert Hainer dem „Focus“. Hoeneß sollte „eine zweite Chance“ bekommen: „Dass er eine Riesendummheit begangen hat, weiß er selbst.“ Die Stimme des Adidas-Chefs hat beim FC Bayern großes Gewicht, denn der Hersteller ist mit zehn Prozent am Verein beteiligt. Für die Anteile hatte Adidas 77 Millionen Euro bezahlt

 

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