Doch kein Abschied? Warum Jérôme Boateng noch Bock auf den FC Bayern hat

Kann sich "klar vorstellen, dass es auch beim FC Bayern weitergehen kann. Warum nicht?": Jérôme Boateng. Foto: Sina Schuldt/dpa

Boateng hat Bock – aber hat er auch eine Zukunft beim FC Bayern? "Ich werde bestimmt nicht wegrennen", sagt er. Der Verein fordert 20 Millionen Euro Ablöse.

 

München - Nach den harten Worten, die Präsident Uli Hoeneß am Rande der Doublefeier am Sonntag via Interviews an ihn richtete, gibt es eigentlich kein Zurück mehr für ihn beim FC Bayern. Das weiß auch Jérôme Boateng.

Umso überraschender waren die Aussagen des 30-Jährigen, die am Freitag veröffentlicht wurden. "Ich werde hier bestimmt nicht wegrennen. Situationen verändern sich schnell", sagte der Abwehrspieler im "kicker". Er könne sich "klar vorstellen, dass es auch beim FC Bayern weitergehen kann. Warum nicht?"

Pokerspiel zwischen Jérôme Boateng und dem FC Bayern

Vielleicht, weil Hoeneß ihn als "Fremdkörper" bezeichnet und gesagt hatte: "Ich würde ihm als Freund empfehlen, sich einen neuen Verein zu suchen." Boateng sei nämlich "kein Spieler für die Bank. Er ist kein Spieler, der das verträgt." Mit Blick auf die Verpflichtungen von 80-Millionen-Euro-Mann Lucas Hernández und Benjamin Pavard ergänzte Hoeneß: "Den Frust, den er derzeit hat, wird er nächstes Jahr noch mehr haben, wenn er da bleibt."

Aber auch Boatengs Berater Christian Nerlinger, der frühere Sportdirektor des FC Bayern, kündigte im "Kicker" an: Boateng werde nach seinem Urlaub "richtig angreifen, und das – Stand heute – beim FC Bayern München". Das Ganze dürfte aber wohl eher Teil eines Pokerspiels zwischen Boatengs Seite und den Bayern um die Ablösemodalitäten sein. Angeblich stellen sich die Münchner rund 20 Millionen Euro vor. Eine Trennung in diesem Sommer ist nach wie vor das wahrscheinlichste Szenario.

Boateng will sich beweisen

Eigentlich wollte sich Boateng, der noch bis 2021 in München unter Vertrag steht, ja bereits im vergangenen Sommer verabschieden und Paris Saint-Germain anschließen, bevor Bayern-Trainer Niko Kovac noch sein Veto einlegte. "Ich war mit dem Kopf schon weg. Wenn du eine so sichere Zusage bekommst und eine adäquate Summe gezahlt wird, es plötzlich aber Nein heißt, bricht etwas in dir zusammen. So ohne Weiteres ging das nicht spurlos an mir vorbei", sagt Boateng – und erinnert sich noch an die damaligen Worte von Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge und Sportdirektor Hasan Salihamidzic: "Sie sagten, der Trainer will dich unbedingt halten; für ihn bist du die Nummer eins."

Tatsächlich war Boateng spätestens ab der Rückrunde nur die Nummer drei hinter den anderen beiden Innenverteidigern Niklas Süle und Mats Hummels. Er sei "für mich unfairerweise" nicht mehr zum Einsatz gekommen und habe das Gefühl: "Ich hätte mich auf den Kopf stellen können, es war alles so in Stein gemeißelt." Als Folge dessen büßte Boateng auch seinen Platz in der Nationalelf ein. "Ich habe viel verloren in diesem Jahr", sagt Boateng.

All das hat aber den Kampfgeist bei ihm noch einmal geweckt. "Ich möchte keinesfalls meine Karriere ausklingen lassen, im Gegenteil", sagte er: "Ich bin Fußballer und will zeigen: ,Ich bin noch voll da. Ich brenne immer noch. Ich bin heiß.’" Boateng will nun "noch einmal meine Klasse nachweisen nach den Enttäuschungen dieser Saison und zeigen, dass ich zu den drei Top-Innenverteidigern der Welt gehöre". Beim FC Bayern wird er diesen Beweis mit ziemlicher Sicherheit nicht mehr erbringen können.

 

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