DFB-Team in der Nations League Trotz des Abstiegs: Warum das Spiel gegen die Niederlande so wichtig ist

Hoffnung: Die verjüngte deutsche Elf nach dem 3:0-Sieg im Testspiel gegen Russland. Foto: imago/Sven Simon

Obwohl die deutsche Nationalmannschaft gegen die Niederlande den Abstieg in der Nations League nicht mehr verhindern kann, ist die Partie wichtig. Die AZ erklärt hier, worum es im Klassiker geht.

 

Gelsenkirchen - Ob die Oranje-Anhänger am Montagabend in der Gelsenkirchener Arena den Heim-Fans genussvoll "Ab-stei-ger! Ab-stei-ger!" entgegenschmettern werden? Oder "Zweite Liga, Deutschland ist dabei"? Es wäre die einmalige Gelegenheit, sich in der Begegnung (20.45 Uhr, ARD live) für die ständigen Schmäh-Songs "Ohne Holland fahr’n wir zur WM" (wahlweise auch EM) zu rächen.

Das DFB-Team ist seit Freitagabend zweitklassig, zumindest im Rahmen des Uefa-Konstrukts Nations League. Die Niederlande besiegte Weltmeister Frankreich mit 2:0, und so reicht der eine Punkt, den Deutschland in drei Partien – beim 0:0 gegen die Franzosen – geholt hat, nicht aus, um den Absturz in Liga B zu verhindern. Man ist raus aus Europas Top 12, spielt im Herbst 2020 bei der zweiten Auflage gegen Nationen, die wenig Glamour versprühen, etwa in Duellen mit Island, Finnland, Wales oder – immerhin – Österreich.

Im Vergleich zum WM-Vorrunden-Aus ist dieser Abstieg ein Betriebsunfall

Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff war von dem Schritt in die europäische Zweitklassigkeit "genervt und frustriert" – klar, Sponsoren (die Stakeholder!) und Fans werden von weniger attraktiven Heimspielen in zwei Jahren nicht begeistert sein. Bundestrainer Joachim Löw reagierte weniger emotional: "Kein Beinbruch – das müssen wir akzeptieren. Schade für uns, dass wir in der Nations League nichts mehr geradebiegen können." Im Vergleich zur Katastrophe Vorrunden-Aus bei der WM ist dieser Abstieg ein Betriebsunfall, kommt jedoch auf die Bilanz des Jahres 2018 noch on top.

Um was es für die Nationalelf am Montag gegen die Niederlande, bei Ausgabe Nummer 42 des Nachbarschaftsklassikers, dennoch geht:

Um einen Lostopf: Der DFB möchte unbedingt rein in den Lostopf 1 der zehn besten Mannschaften Europas, die dann bei der Auslosung zur EM-Qualifikation am 2. Dezember in Dublin als Gruppenköpfe gesetzt werden. Dazu muss man in der Gesamttabelle aller A-Gruppen mindestens zwei Teams hinter sich lassen – mit einer Niederlage unmöglich. Sonst drohen Top-Gegner wie Frankreich, Spanien oder England.

Um den Umbruch: Löw will auch in Gelsenkirchen weiter auf die neue Generation setzen, auf das Offensiv-Trio Timo Werner, Leroy Sané und Serge Gnabry. Toni Kroos, zuletzt geschont, dürfte ins Team rücken, Kai Havertz dürfte nur von Beginn an spielen, wenn Marco Reus, der weiterhin an einer Fußprellung leidet, auf die Partie verzichtet. "Kai gehört die Zukunft", sagte Löw, "er hat alle Voraussetzungen, um eine große Karriere zu starten."

Ums Prestige: In den letzten beiden Spielen gegen die Niederländer blieb Deutschland torlos – so oft wie in 33 Duellen zuvor zusammen. Und: Gegen Holland kassierte die DFB-Elf in der ewigen Länderspielgeschichte bereits 67 Gegentore, nur noch drei und der Rekord der Engländer (70) wird eingestellt. "Gegen Holland sind es immer Prestige-Duelle, immer wichtige Spiele. Wir wollen uns von der besten Seite zeigen", sagte Thilo Kehrer, "und an die letzten Spiele anknüpfen, die gut waren."

Um den Jahresabschluss: "Wir wollen uns mit zwei starken Leistungen aus diesem Jahr verabschieden, um uns und den Fans zu zeigen: Wir sind auf einem guten Weg." So die Forderung von Löw, der von "einem schweren Jahr mit einigen Rückschlägen" sprach. Man ist seit vier Pflichtspielen sieglos. Löw noch plastischer: "Jetzt haben wir mal eine richtige Ohrfeige kassiert. Aber es geht weiter. Wichtig ist, dass wir die richtigen Lehren ziehen und die richtigen Maßnahmen für die nächsten Jahre ergreifen." Das Motto: Aufbruch trotz Abstieg.

Apropos Abstieg: Dass Fans oder Spieler des DFB-Teams in Gelsenkirchen trotzig "Nur ein Jahr, dann sind wir wieder da" skandieren oder Shirts mit "#comebackstronger" tragen, ist eher unwahrscheinlich.

 

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