DFB-Elf Schweinsteiger und Lahm: Vereint zum Erfolg

astian Schweinsteiger und Philipp Lahm, Weggefährten bei Bayern und dem DFB. Foto: sampics/Matzke

Die Kapitäne Lahm und Schweinsteiger sind unterschiedliche Typen – doch die Hoffnung auf den EM-Titel schweißt sie zusammen. Özil, Klose und Gomez sind fraglich im Spiel gegen die Türkei.

 

Istanbul - Eigentlich hat die Sponsoren-Stellwand nur gestört, verhinderte sie während der Pressekonferenz den Blick auf den Prunk im Hotel Ceylan Intercontinental. Eine Fünf-Sterne-Herberge am belebten Taksim-Platz, mit Aussicht auf Blaue Moschee und Bosporus, mit großen Kuppeln und goldenen Vorhängen. Aus dieser Residenz hat Bundestrainer Joachim Löw von seinen Sorgen für das EM-Qualifikationsspiel gegen die Türkei (20.30 Uhr/live ARD) berichtet, das eigentlich nur Testcharakter besitzt. Doch dumm ist es schon, dass im neuen Galatasaray-Stadion um drei Leistungsträger gebangt wird.

Mit der muskulären Reizung im Adduktorenbereich von Mario Gomez sei „nicht zu spaßen", meinte Löw. Gomez’ Konkurrenten Miroslav Klose mache ein Bluterguss im Knie zu schaffen, und Spielmacher Mesut Özil klage neben dem Schlag aufs Sprunggelenk auch über eine Achillessehnenreizung. „Ich hoffe, dass alle drei einsatzfähig sind", sagte Löw, „aber ich kann es noch nicht sagen."

Gut, dass nach seinen 40-minütigen Ausführungen – ausführlich vom Dolmetscher ins Türkische übersetzt – unfall- und beschwerdefrei der Kapitän Platz nahm. Philipp Lahm erweckte nicht den Eindruck, als bestände wegen ein, zwei Ausfällen plötzlich Not. „Wir sind durchmarschiert in der Qualifikation – und das zeigt unsere Qualität.“ Heute gegen die Türkei und am Dienstag dann in Düsseldorf gegen Belgien „wäre es schön, wieder zu gewinnen, aber die Preise werden erst nächstes Jahr verteilt“. Der Münchner Lahm personifiziert längst die Fixierung auf den kommenden EM-Sommer in Polen und der Ukraine: Der 27-Jährige möchte die maßgeblich von ihm mitgestaltete Umstrukturierung der DFB-Elite mit einem Titel krönen.

Jenes Ziel lässt auch Bastian Schweinsteiger bei keiner Gelegenheit unerwähnt, und der Mittelfeldmann, der heute sein 90. Länderspiel macht, hat sich deshalb auch mit seinem Mitspieler arrangiert. Er hege keinen Neid auf den in Verein und Nationalmannschaft mit dem Kapitänsamt ausstaffierten Linksverteidiger. „Ich spiele nicht anders Fußball, wenn ich am Arm eine Binde haben“, sagte Schweinsteiger unlängst dem „Kicker“. Das Verhältnis zum Kollegen ist professioneller Prägung. „Wir haben beide die gleichen Ziele, sind aber sicher unterschiedlich. Ich bin schon emotionaler, aber wir ergänzen und verstehen uns gut.“ Geeint im Sinne des Erfolges.

Dazu braucht es weder für Schweinsteiger noch für Lahm der Ratschläge eines Oliver Kahn und erst recht nicht der Hilfe eines Michael Ballack. „Die Zeiten haben sich geändert, die Spielertypen genauso. Man kann nicht von außen das Innenleben der Mannschaft beurteilen“, versicherte Schweinsteiger, der die Führungsspieler-Debatte leid ist und sich gegen die Titulierung Chefchen einst zur Wehr setzte.

Auch Kollege Lahm hält wenig von Kampfesreden vom Kaliber Kahn oder Zurechtweisungen von der Tonart Ballack. Dies sei, so der Kapitän, im Jahr 2011 nicht mehr nötig. „Bei diesem breiten Kader ist das überflüssig. Die jetzige Nationalmannschaft hat eine ganz einfache Motivation: Es geht für jeden um die EM-Plätze.“

Lahm zählt nach 83 Länderspielen zur uneingeschränkten Führungskraft, auch wenn er heikle Fragen etwa zum internen Status eines Arjen Robben ("Nur eine Diskussion der Öffentlichkeit“) oder persönlichen Lehren aus seiner Buchveröffentlichung („Habe ich genug zu gesagt“) in Istanbul nicht beantworten wollte. Aber seine Macht ist auch deshalb immens, weil aller Voraussicht nach acht Bayern-Spieler im EM-Aufgebot stehen werden. Angeführt von Lahm und Schweinsteiger – wenn auch auf unterschiedliche Art.

 

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