Dein Freund und Helfer FC-Bayern-Coach Kovac nimmt Perisic in Schutz

Freund, Helfer, Sittenpolizist: Bayern-Trainer Niko Kovac nimmt Neuzugang Ivan Perisic gegen jede Kritik in Schutz und beklagt "mangelnden Respekt". Foto: AZ/Seebauer/Sven Hoppe/dpa

Nach dem 3:1-Sieg der Bayern im Pokal in Cottbus nimmt der Trainer Neuzugang Ivan Perisic in Schutz. "Jedem Einzelnen ist Respekt entgegen zu bringen. Dafür stehen wir, dafür stehe ich".

 

München - Es waren Gesten der Freundschaft im Stadion der Freundschaft. Um 23.16 Uhr schritten Niko Kovac und Claus-Dieter "Pele" Wollitz durch den Kabinengang der Arena. In den 90er-Jahren haben sie gemeinsam bei Hertha gespielt, nun waren sie auf dem Weg zur Pressekonferenz.

Arm in Arm. Sie lachten und scherzten wie Jungs, die sich gerade ihre tollsten Liebesgeschichten erzählen. Oft kommt es im Fußball nicht vor, dass ein Spiel zwei Sieger hat – diesmal schon.

Kovac und "Pele" loben sich gegenseitig

"Ich möchte die Gelegenheit nutzen, Pele und der gesamten Mannschaft ein Kompliment auszusprechen", sagte Kovac: "Das haben die Jungs klasse gemacht. Sie haben sich gewehrt von der ersten bis zur letzten Minute." Wollitz erwiderte die netten Worte und nannte die bayerischen Stars "sehr sympathisch": "Es zeigt Größe, wenn man als großer Spieler eine junge Mannschaft wie unsere aus der Regionalliga respektiert." Zum Abschied wünschte er seinem Freund Niko und Bayern "nur das Beste. Es ist ja kein Geheimnis, dass ich Fan bin". Dann umarmten sich die Trainer innig. Wann hat man schon so viel Harmonie erlebt?

Während Wollitz angemessen stolz sein konnte, gab es bei Kovac ein großes Aber. Der Bayern-Trainer regte sich darüber auf, wie in den vergangenen Tagen über Ivan Perisic berichtet wurde. "Teilweise wird mit Spielern nicht gut umgegangen, weil man sie in die zweite oder dritte Kategorie steckt. Entscheidend ist: Jedem Einzelnen ist Respekt entgegenzubringen. Dafür stehen wir, dafür stehe ich. Das erwarte ich von jedem anderen auch."

Kovac verteidigt Perisic

Mit seiner Forderung hatte der Coach Recht, doch er ließ dabei einiges außer Acht: Die Bayern-Führung selbst hatte Callum Hudson-Odoi (18) und Leroy Sané (23) öffentlich zu Transferzielen erklärt. Beide sind bis jetzt jedoch nicht in München. Unter diesen Umständen den erfahrenen, aber nicht gerade für einen Umbruch stehenden Perisic (30) als Königstransfer zu bezeichnen, fällt nicht nur den Fans schwer.

Kovac versuchte, die Verpflichtung des Kroaten, die nicht zuletzt seine Idee war, zu verteidigen. "Es ist leicht, immer zu kritisieren: Jetzt kriegst du den einen nicht und den anderen nicht. Man kann nicht über eine B-, C- oder X-Lösung sprechen. Wir müssen uns mal alle hinterfragen, was zuletzt hier lief und gerade läuft. Ob das rechtens ist." Kovac trat als Freund und Helfer für Perisic auf – und irgendwie auch als Sittenpolizist. Nicht zum ersten Mal. Schon in der vergangenen Saison hatte Kovac den mittlerweile üblichen rüden Umgangston angeprangert und für ein respektvolleres Miteinander plädiert – offensichtlich mit wenig Erfolg.

Kapitän Neuer lobt den Neuzugang

Aus der Mannschaft waren derweil positive Aussagen über Perisic zu hören. "Ein Spieler, der viel Erfahrung mitbringt, der in der Offensive stark ist und im Kopfballspiel", sagte David Alaba. Perisic könne Bayern sicher weiterhelfen: "Er weiß, wie man auf höchstem Level spielt." Auch Manuel Neuer lobte: "Er ist für uns ein Spieler, der die Bundesliga sehr gut kennt, der in der Offensive flexibel einsetzbar ist." Der Kapitän ließ aber durchblicken, dass es dies noch nicht gewesen sein dürfe in Sachen Verpflichtungen: "Die Transferperiode ist ja noch nicht zu Ende. Wir hatten in den vergangenen Jahren immer einen guten Kader, und den werden wir auch diesmal haben." Alaba meinte: "Wir haben nie das Vertrauen in unsere Bosse verloren. Wir wussten, dass da noch was kommen muss und kommen wird. Die Saison ist sehr lang, unser Kader nicht der größte."

Philippe Coutinho soll der nächste Neue werden. Laut der Zeitung "Mundo Deportivo" lehnte Barcelona ein erstes Angebot über eine zweijährige Leihe plus Kaufoption jedoch ab. Es bleibt für Kovac knifflig an allen Fronten – daran ändert auch der freundschaftliche Abend in Cottbus nichts.

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