Debatte um Nationalmannschaft DFB-Abwehr zu grün hinter den Ohren: Zeit für ein Comeback von Mats Hummels?

Mats Hummels wurde 2018 von Joachim Löw aus dem DFB-Team gestrichen Foto: GES/Markus Gilliar/Augenklick

Die deutsche Nationalmannschaft offenbart bei der 2:4-Niederlage gegen die Niederlande eklatante Schwächen. Die Unerfahrenheit von Niklas Süle und Co. könnte zum Problem werden. Rafael van der Vaart fordert ein Comeback von Mats Hummels. 

 

München - Nach der katastrophalen Weltmeisterschaft 2018 forderte ganz Fußball-Deutschland einen Umbruch in der Nationalmannschaft. Joachim Löw reagierte und schickte die Bayern-Stars Thomas Müller, Jérôme Boateng und Mats Hummels in den vorzeitigen DFB-Ruhestand. Zwar gab es Kritik an der Art und Weise, wie die Löw die drei Weltmeister vor die Tür setzte, insgesamt waren sich die meisten Beobachter aber einig - die Verjüngung ist ein notwendiger Schritt. Nach der wackeligen Vorstellung der DFB-Abwehr bei der derben 2:4-Pleite gegen die Niederlande muss man sich fragen, ob diese Zäsur nicht doch zu voreilig kam - gerade im Fall Hummels.

In der ersten Halbzeit machte die Dreierkette aus Matthias Ginter, Jonathan Tah und Niklas Süle ihre Sache noch ganz ordentlich. Als in der 59. Minute der Ausgleich fiel, ließ das Trio, in dem keiner älter als 25 Jahre ist, sich mächtig aus dem Konzept bringen. Die Holländer kamen jetzt fast im Minutentakt zu Chancen, nur sieben Minuten nach dem Ausgleich - Tah machte bei seinem Eigentor eine unglückliche Figur - führten sie, als Donyell Malen in der 79. Minute den dritten Gegentreffer für die DFB-Elf binnen 20. Minuten markierte. Das Spiel war gelaufen. Fehlt Hummels der Nationalmannschaft doch?

Van der Vaart: DFB-Abwehr "unglaublich schlecht"    

Rafael van der Vaart glaubt, dass Löw auf lange Sicht nicht am gebürtigen Münchner vorbeikommt. "Ich glaube, dass Löw in zwei, drei Monaten Hummels wieder braucht. Die Verteidigung ist sein größtes Problem", sagte van der Vaart dem "ZDF". Der Niederländer beobachtet die Bundesliga genau. Der frühere offensive Mittelfeldspieler spielte viele Jahre beim HSV und brachte in seinen ersten beiden Spielzeiten sogar das Kunststück zustande, mit den Hamburgern zweimal beim FC Bayern zu gewinnen.

Natürlich hat er auch das Duell zwischen dem DFB-Team und seinen Landsleuten verfolgt. "Die Verteidigung ist für mich unglaublich schlecht. Ich verstehe nicht, dass Hummels und Boateng nicht mehr nominiert werden", so van der Vaart weiter. Der Umbruch in der Defensive kam seiner Meinung nach zu früh: "Ich finde, wenn man Spieler aussortiert, müssen die anderen deutlich besser sein." Gerade Hummels sei aber "immer noch besser als Süle oder Tah".

Ganz exklusiv dürfte der Holländer diese Meinung nicht haben. Insbesondere Tah wirkte überfordert und dürfte nach der Vorstellung gegen Oranje einen schweren Stand bei Löw haben. Selbst Süle, der Europas Fußballer des Jahres Virgil van Dijk über weite Strecken bei Standards gut im Griff hatte, hat noch Steigerungsbedarf. Nach dem Spiel zeigte er zwar Charakter und übte Selbstkritik, auf dem Platz konnte er aber auch keine Ruhe in das Abwehrverhalten bringen. Im Spielaufbau offenbarte er klare Schwächen - eine von Hummels' großen Stärken.

Niklas Süle fehlt die internationale Erfahrung

Süle hat das Zeug zum Weltklasse-Verteidiger, das steht außer Frage. Mit der Zeit wird er wahrscheinlich auch zu einer echten Führungspersönlichkeit heranreifen. Doch Hummels bringt jetzt schon die Erfahrung aus 70 Länderspielen mit - WM-Titel inklusive. Diese Abgeklärtheit würde der deutschen Hintermannschaft gut tun. Nico Schulz und Lukas Klostermann, die gegen die Niederlande in der Rückwärtsbewegung als Außenverteidiger fungieren sollten, verfügen auch noch nicht über die große internationale Erfahrung. Momentan wirkt die deutsche Abwehr zu grün hinter den Ohren, besonders gegen echte Top-Mannschaften. In den beiden EM-Qualifikationsspielen gegen Holland kassierte "Die Mannschaft" sechs Gegentore.

Vielleicht kam der vielzitierte Umbruch - zumindest in der Innerverteidigung - doch zu früh. Sollte die deutsche Abwehr sich im wichtigen Quali-Spiel gegen Nordirland (Montag, 20:45, RTL) erneut wackelig präsentieren, dürften die Rufe nach Hummels' Rückkehr noch lauter werden.

 

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