"Das Tor war extra-ordinär" Ganz großes Tennis: Kimmich ist auf dem Weg zum wichtigsten Bayern-Star

Joshua Kimmich (l.) sorgte gegen Dortmund für den entscheidenden Treffer. Foto: Federico Gambarini/dpa

Antreiber, Matchwinner, Kunsttorschütze: Beim FC Bayern ist Joshua Kimmich längst unverzichtbar. "Ich traue ihm in seiner Karriere alles zu", sagt Lothar Matthäus.

 

München - Ein Lob – und ganz viel Lob. Wie beim Tennis überlobte Joshua Kimmich BVB-Torhüter Roman Bürki. Der 1:0-Siegtreffer des FC Bayern bei Borussia Dortmund war ein Meisterwerk, Ex-Bayern-Profi Mehmet Scholl bezeichnete den eleganten Heber als "Gemälde".

Ausgerechnet Super-Techniker Scholl, der Kimmich vor Wochen wegen zu vieler öffentlicher Kommentare bissig mit der Klima-Aktivistin Greta Thunberg verglich. Typischer Scholl-Humor. "Das Tor war extra-ordinär", meinte Scholl bei "bild.de". Großes Tennis eben.

Tor zur Meisterschaft? Wenn Kimmich trifft, verliert Bayern nie

Scholl war nicht allein mit seiner Lobeshymne. Den ganzen Mittwoch über muss Kimmich mit öligem Rücken herumgelaufen sein, so viele Mittelfeld-Größen des Landes äußerten sich. "Es war sehr, sehr gut gemacht von Joshua. In dem Moment einen Chipball einzubauen, ist eine Überraschung für den Torwart", sagte Bastian Schweinsteiger in der ARD. Für Lothar Matthäus war der Heber in der 43. Minute "das Tor zur Meisterschaft", eines "mit Kopf".

Und mit Auge. Voller Gefühl – und effektiv. Denn: Wenn Kimmich trifft, verliert Bayern nie (neun Siege, zwei Unentschieden). Es war bereits sein drittes Weitschusstor in dieser Saison.

Der 25-Jährige bestach in Dortmund als umtriebiger, aggressiver Sechser, "als Spielmacher nach vorne und nach hinten" wie Trainer Hansi Flick seine Rolle bezeichnete. Der einstige Rechtsverteidiger füllt seine Lieblingsposition im Zentrum mit Leben, im Maschinenraum des Aufbauspiels hat er das Sagen. Wer das Sagen hat, bekommt den Ball.

Wer den Ball hat, hat die Macht. 102 Ballkontakte bildeten Bayerns Top-Wert. Mit 13,73 gelaufenen Kilometern stellte Kimmich zudem einen neuen Rekord für einen Bayern-Profi seit Erfassung der Tracking-Daten (2013/14) auf.

Auch beim Tennis gibt Kimmich immer hundert Prozent

Kimmich ist ein Mentalitätsspieler, ein Antreiber, stets voller Adrenalin und Ehrgeiz – wie Thomas Müller. Beim Schlusspfiff in Dortmund brüllte Kimmich (neben Müller natürlich!) seine Freude am lautesten heraus. "Ich habe mich umgeschaut und war mir nicht sicher, ob jeder wusste, wie wichtig diese drei Punkte waren", meinte der Schwabe, der aus Bösingen stammt und beim dortigen VfB das Fußballspielen lernte, ehe er mit zwölf Jahren ins Nachwuchsleistungszentrum des VfB Stuttgart wechselte.

Neben Kapitän Manuel Neuer hat sich Kimmich zum Nachwuchs-Chef etabliert, zum Sprecher der jüngeren Profis, wurde Mitglied im Mannschaftsrat. "Kimmich hat alles richtig gemacht, ist ein Leader geworden in jungen Jahren in einer Mannschaft, die so gespickt ist mit Stars", erklärte Matthäus (59), selbst viele Jahre Kapitän bei Bayern und in der Nationalelf.

Joshua Kimmich: Tennis ist sein Ding

Dass Kimmichs Weg vorgezeichnet ist, daran zweifelt keiner. "Er geht voran, bringt Leistung", so Matthäus. Für ihn ist Kimmich "ein Vorzeigeprofi. Ich traue ihm alles zu in seiner Karriere: Kapitän bei Bayern, Kapitän in der Nationalmannschaft." Darauf angesprochen, sagt Trainer Flick: "Was die Zukunft bringt, wird man sehen. Joshua ist ein Spieler, mit dem man als Trainer immer zufrieden ist, weil er immer hundert Prozent gibt." In jedem Sport, selbst auf Hobby-Basis.

Tennis ist Kimmichs Ding. Ob er mit dem Filzball Lobs auch so draufhat? Er gilt als Bewunderer von Roger Federer ("Ein Vorbild, Gentleman und ein sauberer Sportler, der für Eleganz und Klasse steht"), schlug einmal ein paar Bälle mit Tommy Haas und besuchte im Sommer 2019 das Wimbledon-Turnier, ließ sich dort mit Elina Svitolina fotografieren.

Mit seinem Hobby-Team "Pfeffys" gewann er im 2016 das Laienturnier des TC Herrenzimmern – samt Pokal. Den gab's während der EM 2016 nicht, als er bei einem Match Neuer unterlag. Ziemlich deutlich. Neuers hämischer Kommentar bei Facebook: "Gegen Kimmich kurzen Prozess gemacht. 6:0, 6:1, 6:0. Der eine Spielverlust ärgert mich."

Lesen Sie hier: Nach Bayern-Sieg - Ist die Meisterschaft wirklich schon entschieden?

 

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