Champions-League-Achtelfinale Vor dem Spiel gegen Chelsea: Was für den FC Bayern spricht

Jubeln die Bayern am Dienstagabend auch gegen den FC Chelsea? Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Am Dienstag trifft der FC Bayern in der Champions League auf den FC Chelsea. Warum im Achtelfinal-Duell vieles für die Münchner spricht – die AZ-Analyse.

 

München/London - Für den FC Bayern beginnt am kommenden Dienstag die heiße Phase der Champions League. Dann müssen die Münchner im Achtelfinale der Königsklasse beim FC Chelsea ran. Mit den Londonern bekommt es der deutsche Rekordmeister in der K.o.-Runde gleich mit einem prestigeträchtigen Gegner zu tun.

Die Bayern haben dank Trainer Hansi Flick in den vergangenen Wochen und Monaten eine erstaunliche Wandlung hingelegt: In der Bundesliga stehen die Münchner mittlerweile wieder an der Spitze, im DFB-Pokal geht es im Viertelfinale gegen Schalke und auch in der Champions League soll diese Saison mehr drin sein als im vergangenen Jahr. Damals schieden die Bayern im Achtelfinale gegen den späteren Sieger Liverpool aus.

Um etwas Zählbares holen zu können, muss jetzt der erste Schritt in London - an der altehrwürdigen Stamford Bridge - gemacht werden. Dass die Bayern durchaus gute Chancen haben, zeigt die AZ-Analyse.

Was vor dem Spiel gegen die "Blues" für den FC Bayern spricht:

1. Momentane Personalsituation

Bis auf die beiden Langzeitverletzten Niklas Süle (Kreuzbandriss) und Ivan Perisic (Knöchelbruch) ist mittlerweile wieder jeder Bayern-Star einsatzbereit – zuletzt kehrte 80-Millionen-Euro Mann Lucas Hernández nach längerer Pause in den Kader zurück. Flick hat gegen Chelsea also die Qual der Wahl.

Ganz anders sieht es beim Gegner aus London aus: Trainer Frank Lampard plagen enorme Verletzungssorgen. Allen voran fehlt Superstar N'Golo Kanté, der im Spiel gegen Manchester United bereits nach zwölf Minuten ausgewechselt werden musste. Wegen einer Muskelverletzung fällt der Mittelfeld-Motor, der zu den wichtigsten Spielern bei den "Blues" gehört, für zwei bis drei Wochen aus.

Als wäre das nicht Handicap genug, fehlen Lampard auch wichtige Offensivspieler. Neben Christian Pulisic fällt wohl auch Bayerns ehemaliger Wunschspieler Callum Hudson-Odoi (Oberschenkelprobleme) aus. Angeschlagen ist zudem Innenverteidiger Andreas Christensen, der sich gegen United die Nase gebrochen hat, aber einsatzbereit ist. Ebenfalls noch nicht bei 100 Prozent dürfte Stamm-Stürmer Tammy Abraham sein, der nach einer längeren Verletzungspause wieder zurückkehrt.

2. Internationale Erfahrung

Auch beim Blick auf den allgemeinen Kader hat der FC Bayern einen mutmaßlichen Vorteil. Denn wenn es um die internationale Erfahrung geht, ist der Rekordmeister den "Blues" um Längen voraus.

Die aktuell 21 Spieler im Profikader der Bayern kommen insgesamt auf 807 Champions-League-Spiele – im Schnitt sind das 38 Königsklassen-Partien pro Spieler. Chelseas 24 Spieler kommen aktuell auf 434 Spiele, also im Durchschnitt 18 Spiele pro Mann. Im Chelsea-Kader haben sechs Spieler 20-Champions-League-Partien oder mehr auf dem Konto, beim FC Bayern sind es zwölf, als exakt doppelt so viele.

Auch bei der Erfahrung einzelner Spieler gibt es teils gravierende Unterschiede: Bayerns Leistungsträger Thomas Müller (110 Spiele), Manuel Neuer (106) und Robert Lewandowski (85) stehen hier an der Spitze. Bei den Londonern sind es die Routiniers Pedro (75), Willian (70) und César Azpilicueta (49).

3. Aktuelle Form

Ein weiterer Punkt, der vor dem Spiel gegen Chelsea für den FC Bayern spricht, ist die aktuelle Form. Die Münchner befinden sich in guter Verfassung, in den letzten fünf Liga-Spielen gab es vier Siege und ein Unentschieden bei einem Torverhältnis von 15:4. Unter Flick haben es die Bayern wieder an die Tabellenspitze geschafft. Die Generalprobe für das Spiel am Dienstag gegen Tabellenschlusslicht SC Paderborn glückte - wenn auch gerade so. 

Bei Chelsea sieht die derzeitige Lage nicht ganz so gut aus: In den letzten fünf Spielen in der englischen Premier League hat die Lampard-Truppe zweimal Remis gespielt und zwei Spiele verloren – Torverhältnis 5:8. Die "Blues" befinden sich momentan auf dem vierten Tabellenplatz, der hart umkämpft ist. Die Verfolger Tottenham und Sheffield United lauern mit nur vier Punkten Rückstand auf den direkten Champions-League-Platz. Auf Rang drei sind es hingegen schon sechs Punkte Rückstand. Immerhin konnte sich Chelsea am Samstag gegen Tottenham mit 2:1 durchsetzen. 

4. Unruhe im Verein

Bayern-Trainer Flick ist besonders bei den Fans und Spielern hoch angesehen, beinahe wöchentlich schwärmen Neuer, Müller und Co. von ihrem Übungsleiter. Klar, dass sich da nicht nur die Münchner Anhänger ein Flick-Engagement über die Saison hinaus wünschen. Die aktuellen Ergebnisse geben dem Coach verständlicherweise recht.

Nur die Bayern-Bosse scheinen sich noch bitten zu lassen. Eine Entscheidung, ob Flick auch noch nach der Saison Trainer sein wird, soll erst im Mai gefällt werden. Der Coach selbst gibt sich im Hinblick auf seine Zukunft recht gelassen.

Bezeichnet man die noch offene Flick-Zukunft beim FC Bayern als kleines Störfeuer an der Säbener Straße, lässt sich die aktuelle Situation von Lampard beim FC Chelsea wohl als größerer Flächenbrand bezeichnen. Englischen Medienberichten zufolge soll die "Blues"-Legende nach den zuletzt nicht zufriedenstellenden Ergebnissen bei den Bossen auf dem Prüfstand stehen. Demnach könnte der Trainer möglicherweise entlassen werden, wenn am Ende der Saison nicht Tabellenplatz vier und somit die direkte Champions-League-Qualifikation herausspringt.

Lampard selbst scheint weiter Öl ins Feuer gießen zu wollen: Zuletzt verbannte er Stammtorhüter Kepa Arrizabalaga auf die Bank – der Spanier war 2018 für die Mega-Ablöse von 80 Millionen Euro nach London gewechselt. In den vergangenen beiden Liga-Partien war er also zum Zuschauen verdammt, Lampard setzte stattdessen auf den 38-jährigen Ersatzkeeper Willy Caballero. Da der Oldie seine Sache nicht schlecht machte, ist es durchaus wahrscheinlich, dass Lampard weiterhin auf ihn setzt – und wegen des degradierten Kepa weiterhin für Unruhe im Verein sorgt.

Ein weiterer Krisenherd: der Sturm. Nach der Verletzung von Abraham verzichtet Lampard weiterhin größtenteils auf Routinier Olivier Giroud. Stattdessen ließ er zuletzt den äußerst formschwachen Michy Batshuayi in der Startelf spielen. Eine Personalentscheidung, die in der nächsten Zeit für weiteren Zündstoff sorgen könnte.

5. Spielansetzung

Ein Punkt, der anfangs recht trivial erscheint, am Ende aber der entscheidende Faktor sein könnte: Die Spielansetzung.

Die Bayern müssen zunächst auswärts beim FC Chelsea an der Stamford Bridge ran – ein vermeintlicher Vorteil. Denn sollte im Hinspiel etwas schiefgehen, könnten die Münchner im Rückspiel (18. März) mit ihren Zuschauern im Rücken möglicherweise doch noch für die Wende sorgen und so in die nächste Runde einziehen.

Chelsea hingegen muss gleich im Hinspiel liefern und ein gutes Ergebnis einfahren, denn leicht ist es in der Allianz Arena für keinen Gegner.

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