Bundestagswahl - Münchner Direktkandidaten Kräftemessen im Norden: Florian Post gegen Bernhard Loos

Armdrücken im Atzinger: Bernhard Loos (CSU, li.) und Florian Post (SPD) kämpfen im Münchner Norden um den direkten Einzug in den Bundestag. Foto: Daniel von Loeper

Florian Post (SPD) und Bernhard Loos (CSU) wollen beide in den Bundestag – und plaudern in der AZ dafür auch aus dem Nähkästchen.

Egal, wer den Münchner Norden dieses Mal erobert: Er tritt auf jeden Fall in große Fußstapfen. Der Wahlkreis war zuletzt das Revier von Bundestags-Vizepräsident Johannes Singhammer (CSU). Der 64-Jährige tritt aus privaten Gründen aber nicht noch einmal zur Wahl an.

Für die Nachfolge hat die CSU mit Bernhard Loos ein politisch noch eher unbeschriebenes Blatt aus dem Kandidatenordner gefischt. Der 62-Jährige hat sich bei dem parteiinternen Vorentscheid gegen durchaus namhafte Konkurrenz durchgesetzt und geht aufgrund der politischen Großwetterlage als leichter Favorit ins Rennen um das Direktmandat.

Auch wenn der derzeitige Wahltrend nicht für sie spricht, wittert die SPD aber durchaus eine Chance. Der Wahlkreis München-Nord hat einen recht bunten Zuschnitt: Das szenige In-Viertel Schwabing gehört genauso dazu wie etwa das Hasenbergl, in dem traditionell eher die einfache Arbeiterschaft zu Hause ist. Die Sozialdemokraten haben der CSU im Norden deshalb auch in der Vergangenheit immer mal wieder das Direktmandat abluchsen können.

Mit Florian Post geht für die SPD zudem ein Kandidat an den Start, der einen gewissen Erfahrungsvorsprung mitbringt. Der 36-Jährige sitzt seit 2013 im Bundestag, hat deshalb das bekanntere Gesicht und dürfte bei den Wählern einen leichten Amtsbonus genießen. Obendrauf kann Post auf wortmächtige Unterstützung zählen: Der Münchner Alt-OB Christian Ude gehört zu seinem Wahlkampf-Gespann.

Loos sieht sich trotzdem vorne. Beim Treffen mit der AZ ziert sich der CSUler deshalb zunächst auch, für das Foto die Pose beim Armdrücken einzunehmen. Das könnte schließlich zu sehr nach Unentschieden aussehen.

Aber egal, wie die Wahl ausgeht: Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass man in den nächsten vier Jahren beide Kandidaten im Bundestag sehen wird. Denn sowohl Post, als auch Loos haben auf der Landesliste ihrer Partei einen Platz ergattert, der selbst dann für ein Ticket nach Berlin reichen sollte, wenn es mit dem Direktmandat nicht klappt. Post steht bei der SPD auf 9, Loos bei der CSU auf 20.


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Bernhard Loos (CSU) – „Das Handy könnte ich auch mal in die Ecke knallen“

Armdrücken im Atzinger: Bernhard Loos (CSU, li.) und Florian Post (SPD) kämpfen im Münchner Norden um den direkten Einzug in den Bundestag.

Bernhard Loos (62, Unternehmer) ist geborener Münchner und wohnt derzeit in der Maxvorstadt. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne (21 und 23). In seiner Freizeit geht er gerne Schwimmen, Bergsteigen oder Skifahren. Sein Lieblingsort in München ist der Chinesische Turm.

Wie lange schlafen Sie?
Momentan recht wenig. Meist vier, fünf Stunden. Ich arbeite bis spät in die Nacht. Um 7 Uhr bin ich wieder wach.

Was machen Sie morgens als Erstes?
Die Brille aufsetzen, sonst vergisst man das so schnell. Ich brauche sie im Alltag nicht unbedingt, aber zum Autofahren dann doch.

Lieber Sport oder Tatort auf dem Sofa?
Am liebsten Biergarten. Chinesischer Turm, Seehaus, Hirschgarten, Augustinerkeller – da bin ich überall gerne. Wenn dann die Blasmusik spielt, das mag ich.

Schweinsbraten oder Sojaschnitzel?
Schweinsbraten. Man sieht mir das vielleicht nicht an, aber ich liebe die bayerische Küche. Natürlich esse ich aber auch viel Salat und Gemüse. Ich war ja beruflich viel in China unterwegs, ein Mal im Monat, und das 20 Jahre lang. Da lernt man so ein Wok-Gemüse schon auch zu schätzen.

Ihre schönste Reise?
Ich war vor vier Jahren im Basislager vom Mount Everest. Wir haben da Leute kennengelernt, die waren schon acht Mal da und hatten den Mount Everest trotzdem noch nie gesehen. Wir hatten Glück: Bei uns stand er in der Früh groß und mächtig vor uns. Eine halbe Stunde später zogen dann wieder die Wolken auf.

Was liegt auf Ihrem Nachttisch?
Wenig. Eigentlich nur der Wecker und meine Brille.

Das Idol Ihrer Jugend?
Mick Jagger. Die Rolling Stones waren in meiner Jugend zwar schon ein bisschen durch. Die Musik habe ich aber trotzdem gerne gehört.

Was tragen Sie immer mit sich herum?
Mein Handy. Das erleichtert einem schon das Leben. Manchmal würde ich es aber am liebsten auch in die Ecke knallen.

Was ist Ihnen peinlich?
Wenn man mich zu sehr lobt. Ich bin mir bewusst, dass niemand 100-prozentig ist. Deshalb ist mir das unangenehm.

Worüber können Sie lachen?
Vieles, auch mal über ein eigenes Missgeschick. An meinem Geburtstag habe ich mal eine ganze Torte runtergeschmissen. Dann mussten die Gäste was anderes essen.

Ihr größtes Laster?
Die Gelegenheitszigarette.

Was wollten Sie als Kind werden (und warum)?
Förster, da ich als Kind gerne in der Natur unterwegs war.

Florian Post (SPD): „Ich wäre auch ein guter Geschichtslehrer geworden“

Florian Post (36, Bundestagsabgeordneter, gelernter Diplom-Kaufmann) wurde in Neustadt an der Waldnaab (Oberpfalz) geboren. Er wohnt in der Maxvorstadt. Kinder hat er noch keine, ist aber fest vergeben. In seiner Freizeit sitzt er gerne am Chinesischen Turm oder geht Joggen.

Wie lange schlafen Sie?
Fünf, sechs Stunden reichen mir. Am Wochenende sind’s auch mal ein bisschen mehr. In jedem Fall brauche ich aber meinen Kaffee, sonst bin ich unleidlich.

Was machen Sie morgens als Erstes?
Auf dem iPad nachsehen, was so alles in der Nacht in der ganzen Welt passiert ist. Ich bin kein klassischer Frühstücker. Ich lege mich lieber noch mal eine Viertelstunde hin und lese Nachrichten.

Lieber Sport oder Tatort auf dem Sofa?
Ganz klar Workout oder einfach nur im Englischen Garten spazieren gehen. Tatort war nie so mein Ding. Dafür gucke ich aber jeden Sonntag ZDF-History, das läuft erst um 23.30 Uhr. Deswegen komm ich am Sonntag auch immer zu spät ins Bett.

Schweinsbraten oder Sojaschnitzel?
Ganz klar Schweinsbraten. Gegen Soja habe ich eine Allergie – ernsthaft. Das scheint Teil des bayerischen Genoms zu sein.

Ihre schönste Reise bisher?
Ich bin vor einem Jahr gut zwei Wochen lang durch die USA gereist: von Washington über Texas bis nach Oregon. Zu der Zeit war Trump gerade im Wahlkampf – und ich hatte damals schon so ein mulmiges Gefühl. Ich habe da viele interessante Gespräche mit Einheimischen geführt. Und die haben gesagt: Der könnte das schon werden.

Was liegt auf Ihrem Nachttisch?
Sommer 1914, ein Buch von Tillmann Bendikowski über den Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Geschichte ist mein Hobby. Ich lese viele klassische Geschichtsbücher und Biografien. Ich wäre auch ein guter Geschichtslehrer geworden.

Das Idol Ihrer Jugend?
Indiana Jones – einfach eine Kultfigur.

Was tragen Sie immer mit sich herum?
Mein iPhone. Manchmal denke ich mir, wie schön das früher gewesen sein muss, als nur einmal am Tag die Post kam. Andererseits sind die Smartphones schon auch ein Segen.

Was ist Ihnen peinlich?
Zu spät zu Terminen zu kommen.

Worüber können Sie lachen?
Am besten über mich selbst. In manche Sachen kann ich mich ja leider ziemlich reinsteigern, zum Beispiel in Debatten bei Facebook. Da denke ich mir dann manchmal auch: Wie blöd, dass du dich da jetzt so aufgeregt hast.

Ihr größtes Laster?
Zu viel Kaffee. Drei, vier Espressi in der Früh – und dann geht es tagsüber so weiter: Wo es Kaffee gibt, wird einer getrunken.

Was wollten Sie als Kind werden (und warum)?
Ganz klassisch: Feuerwehrmann, Polizist oder Pilot – wegen des Abenteuers.

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