"Betriebsunfall" gegen Stuttgart Schaler Beigeschmack bei Bayerns Titelsause

Das ist das Ding! Thomas Müller (Mitte) und die Bayern feiern den Meistertitel. Rechts: Der scheidende Trainer Jupp Heynckes. Foto: Andreas Gebert/dpa

Nach dem 1:4 gegen Stuttgart fällt die Feier des FC Bayern nicht ganz so feucht-fröhlich aus. Jupp Heynckes flüchtet vor der Bierdusche. Thomas Müller sagt: "Wir haken es als Betriebsunfall ab, ab Dienstag gilt wieder: Volle Kraft voraus!"

München - Plötzlich war er weg, der Heynckes, der Meistermacher – schwuppdijupp. Hatte sich einfach in die Katakomben der Allianz Arena verdrückt nach der Übergabe der Meisterschale im Konfettiregen.

Der 73-Jährige hatte einen guten Grund: Er wollte einfach trocken bleiben. "Die Aktion Bierdusche – ich meine, dass das überholt ist", sagte Heynckes später, "ich hatte mir schon vor dem Spiel überlegt, dass ich schnell in die Kabine gehe. In meinem Alter ist es nicht notwendig, noch mit Bier übergossen zu werden."

Bayern-Titelfeier: Co-Trainer Gerland zeiht sich Zerrung zu

Heynckes coachte ausnahmsweise im Trainingsanzug. Ein wenig Sorge hatte er wohl doch, dass es ihn wie seine Assistenten Peter Hermann (66) und Hermann Gerland (63) erwischt mit dem klebrigen Schwall. Gerland zog sich auf der Flucht vor Thomas Müller, bewaffnet mit einem Weißbierhumpen, eine Zerrung zu.

Die Weißbierduscherei machte Manuel Neuer am meisten Spaß, listig pirschte er sich mit großem Eifer an seine Opfer (Salihamidzic, Ulreich) heran – hoffentlich nicht das einzige Mal, dass man den Nationaltorhüter in nächster Zeit auf dem Platz in Aktion gesehen hat.

FC Bayern gegen Stuttgart: Erinnerungen an 1975 

Ach so, Fußball gespielt wurde zuvor auch. Allerdings nur von den Stuttgartern, die den Meister mit 4:1 auseinandernahmen. Die bayerischen Sommerfußballer bekamen eine kalte Dusche verpasst, verloren erstmals seit mehr als zwei Jahren ein Bundesliga-Heimspiel (am 2. März 2016 mit 1:2 gegen Mainz) und erstmals seit 1975 an einem letzten Spieltag zu Hause.

Von den Fans gab es vereinzelt Pfiffe, der Applaus für Torschützenkönig Robert Lewandowski (29 Treffer), wie in den Duellen mit Real Madrid weiterhin total außer Form, hielt sich bei der Übergabe der Torjäger-Kanone arg in Grenzen. Für den Serienmeister seit 2013 nahm der bis auf drei Liga-Partien verletzt abwesende Kapitän Neuer die Schale entgegen und reichte diese dann verabredungsgemäß an seinen Vertreter Müller weiter. (Lesen Sie hier die Stimmen zum Spiel)

Pokalsieg zum Heynckes-Abschied?

Alles in allem kam die Feier jedoch mit gebremstem Schaum daher, ein Liga-Abschluss mit schalem Beigeschmack. "Das Spiel schmälert die überragende Saison nicht, wischt sie nicht weg", meinte Heynckes nach der 28. Meisterschaft für Bayern und der vierten für ihn (nach vier Titeln als Spieler mit seinem Heimatverein Borussia Mönchengladbach).

Mit nun 73 ist er der älteste Meistertrainer der Liga-Geschichte und löste mit seinem 1038. und letzten Bundesligaspiel (669 als Trainer, 369 als Spieler) Otto Rehhagel (1037) als Rekordhalter ab. Doch vor der endgültigen Rückkehr in die Rente Teil zwei haben die Spieler die Chance, ihrem Trainer – neben einer riesigen Bilder-Collage samt persönlichen Widmungen – einen Titel zum Abschluss zu schenken.

FC Bayern im Pokalfinale: Reicht es für Robben und Alaba?

Kommenden Samstag in Berlin, wenn es im Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt ums Double geht. Dieses 1:4 sei ein "Weckruf" gewesen, so Müller. Findet man die Spannung in der Trainingswoche ab Dienstag wieder? "Nach Madrid war ein bisschen die Luft raus", gestand Mats Hummels, während sich Müller, der Teammotivator, kämpferisch äußerte: "Die Mentalität war nicht mehr vorhanden, wir haben es laufen lassen. Wir haken es als Betriebsunfall ab, ab Dienstag gilt: volle Kraft voraus! Jeder brennt auf den Titel."

Sie wollen den Pott für einen gewinnen, für Jupp Heynckes. Der wiederum versprach: "In Berlin wird eine andere Bayern-Mannschaft spielen."

Rein personell wohl kaum. In die Startelf könnte höchstens Javi Martínez für Ehrentreffer-Schütze Corentin Tolisso rücken. Dass David Alaba (Rücken) und Arjen Robben (Adduktoren) rechtzeitig fit werden, ist eher unwahrscheinlich. Was bleibt? Die Sehnsucht nach einer richtigen Party – mit dem Henkelpott.

"Ich wünsche Bayern jedes Jahr die Meisterschaft", sagte Vereinslegende Franz Beckenbauer, "und endlich mal wieder die Champions League.

 

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