AZ-Tauglichkeitstest TSV 1860: Sind die Löwen gut genug für die Dritte Liga?

In dieser Saison konnte bislang kaum ein Löwe überzeugen - ob sich das in Chemnitz ändern wird? Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Am Freitag muss der TSV 1860 beim Chemnitzer FC ran, Trainer Bierofka fordert eine "Reaktion" nach der Schmach in Magdeburg. Können die Löwen in der Dritten Liga überhaupt bestehen? Der AZ-Check.

 

München - Befähigung. Eignung. Qualifikation. Diese Beschreibungen führt der Duden an, geht es um die "Tauglichkeit". Ein Begriff, der aktuell reichlich Diskussionen losgetreten hat, verknüpft man ihn mit einem Fußballverein und einer Spielklasse: Sind die Löwen drittligatauglich?

Ja? Nein? Weiß nicht? "Wenn man die erste Halbzeit gegen Münster ausnimmt, die erste Halbzeit in Mannheim und das komplette Spiel in Magdeburg haben wir schon gezeigt, dass wir drittligatauglich sein können", erklärte Daniel Bierofka vor der Auswärtsfahrt des TSV 1860 zum Chemnitzer FC. Im Umkehrschluss: Sechzig ist nur bedingt drittligatauglich? Am Freitag um 18 Uhr misst sich der TSV mit dem Drittliga-Aufsteiger. Der konnte die beschriebene Drittliga-Eignung als Vorletzter mit null Siegen und je drei Remis und Niederlagen bislang nicht nachweisen. Und 1860? Mit fünf Punkten auf Rang 18 nicht viel besser. Die AZ macht den Drittliga-Tauglichkeits-Check.

TSV 1860: Können die Löwen in der Dritten Liga bestehen?

Die Einstellung: Bierofkas Ansage nach Sechzigs 1:5-Klatsche in Magdeburg hatte gesessen. Jetzt rechtfertigte sich ein sichtlich emotionaler Coach, der sich für seine Elf "geschämt" habe, für seine Worte: "Ich hatte gesagt: 'Heute waren wir nicht drittligatauglich.' Ich habe nie gesagt, dass die Mannschaft grundsätzlich nicht drittligatauglich ist. Das ist nur ein Wort, aber das ist ganz entscheidend", sagte Bierofka: "Es meine Aufgabe als Trainer, das auch mal schonungslos nach außen zu sagen, um die Mannschaft aufzuwecken."

Das sei geschehen, stellte der 1860-Trainer in Erwartung einer "Reaktion" klar. Über allem stehe dabei die richtige Einstellung seiner Kicker, die zuletzt in Magdeburg komplett gefehlt habe: "In einem Spiel kann viel passieren, durch äußere Einflüsse, Schiedsrichterentscheidungen oder Spielglück. Aber die Basis muss da sein, das muss ich von meiner Mannschaft verlangen können."

Löwen-Defensive so nicht drittligatauglich

Die Defensive: Zwei Auswärts-Klatschen mit je vier Treffern Differenz in Mannheim (0:4) und eben Magdeburg (1:5). Insgesamt zwölf Gegentreffer, also im Schnitt zwei pro Spiel – zu viel!

Ein Grund: Bierofka hat seine Stamm-Innenverteidigung noch nicht gefunden. Kapitän Felix Weber und Aaron Berzel duellieren sich, überzeugen konnte keiner. Neulöwe Dennis Erdmann schwächelt. Fazit: Alle Akteure haben ihre Drittliga-Tauglichkeit in vorherigen Spielzeiten bewiesen – 2019/20 sind sie diese meist schuldig geblieben.

Kein einziger Offensiv-Löwe ist im Soll

Die Offensive: Sechs Spiele, sechs Tore. Das wäre für einen Angreifer eine Top-Quote. Für ein Team ist es deutlich zu wenig. Stoßstürmer Sascha Mölders hat erst ein mageres Törchen auf dem Konto. Der vermeintliche Alpha-Löwe Timo Gebhart war mal erstligatauglich, jetzt kämpft er bei 1860 sichtlich mit Anpassungsschwierigkeiten.

Das 3:0 gegen Zwickau hat der TSV zu großen Teilen Doppeltorschütze Efkan Bekiroglu zu verdanken, doch auch der Deutsch-Türke unterliegt großen Formschwankungen. Somit gilt: Kein einziger Offensiv-Löwe ist im Soll – und in Chemnitz fehlt auch noch Benjamin Kindsvater mit einer Schulterverletzung.

Beweist 1860 in Chemnitz seine Tauglichkeit?

Die Transfers: Die Verpflichtungen von Verteidiger Erdmann, Spielmacher Gebhart und Allrounder Berzel sind hinlänglich bekannt. Überzeugen konnte das Trio bisher kaum. Umso wichtiger wäre, dass zur Steigerung der Torgefahr Neu-Löwe Nummer vier hinzukommt.

"Wir haben aber noch ein, zwei Personalien und diese versucht Günther Gorenzel abzuarbeiten", erklärte Bierofka über die zunehmend schwierige Suche des Geschäftsführers Sport: "Ich hoffe, dass bald Vollzug gemeldet wird."

Der Kandidatenkreis umfasste vor knapp einer Woche noch vier Spieler, jetzt sind es laut Bierofka noch weniger geworden. Solange Prince Owusu (Arminia Bielefeld) und Daniel Hanslik (Holstein Kiel) noch nicht bei anderen Klubs unterschrieben haben, gelten sie weiterhin als Optionen für den TSV 1860. Einstweilen arbeitet der Rest in Chemnitz daran, ihre Tauglichkeit unter Beweis zu stellen.

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