AZ-Interview Roland Hefter über seinen neuen Song für Wiesn-Liebhaber

Roland Hefter (l.) singt zusammen mit OB Dieter Reiter (r.). (Archivbild) Foto: imago images / Lindenthaler

Liedermacher Roland Hefter präsentiert mit "Es wird koa Wiesn gebn" den Song für all diejenigen, die das Oktoberfest über alles lieben, aber für die Absage in Zeiten von Corona vollstes Verständnis haben.

 

München - Der Münchner Roland Hefter (52) macht als Solo-Sänger und mit seiner Band "Isarrider" Musik für ein tolerantes Bayern. Er war auch als Schauspieler zum Beispiel in "München 7" zu sehen und sitzt seit diesem Jahr für die SPD im Stadtrat.

AZ: Herr Hefter, kaum war das Oktoberfest wegen der Corona-Krise endgültig abgesagt, haben Sie mit "Es wird koa Wiesn gebn" den dazu passenden Song inklusive Video präsentiert. Mal ehrlich, hatten Sie das Lied schon in der Schublade?
ROLAND HEFTER: Die Idee ist natürlich schon entstanden, als sich die Absage abzeichnete. Aber in die Umsetzung ging‘s erst, als es offiziell war.

Es sind Wirte, Security, Bedienungen oder Taxifahrer mit dabei. Die Protagonisten im Video kennen Sie alle persönlich?
Klar, ich mache ja selbst schon viele Jahre auf der Wiesn Musik, zum Beispiel im Volkssängerzelt "Zur Schönheitskönigin" auf der Oiden Wiesn. Dieses Jahr wäre ich in der "Bratwurst" und beim "FischBäda" aufgetreten.

Wiesn: "Das Risiko kann man einfach nicht eingehen"

Wie geht’s Ihnen mit der Absage?
Das ist wahnsinnig schade, da bricht irgendwo eine Welt zusammen. Und man darf ja auch nicht vergessen, was da alles dranhängt, wie viele Menschen mit der Wiesn ihren Lebensunterhalt verdienen. Aber es gibt wirklich Schlimmeres als diese Absage, wir sind immer noch in einer Generation, die keine Hungersnot und keinen Krieg erlebt hat. Respekt für Politik und Gesundheitswesen – dann gibt’s eben im nächsten Jahr eine gscheide Wiesn.

Gab’s in Ihren Augen eine Alternative für die Entscheidung?
Nein! Die Stadt braucht zwar dieses weltoffene Fest, aber unter diesen Umständen ist das einfach nicht machbar, das Risiko kann man einfach nicht eingehen. Unmöglich! Ischgl ist ein Kindergeburtstag dagegen, was uns dann hier in München erwartet hätte.

Großveranstaltungen und Corona: Finanzielle Einbußen

Was denken Sie, wie lange es noch keine Großveranstaltungen geben wird?
Das darf kein Dauerzustand werden, das ist klar. Was da alles dranhängt an Organisation, Technik usw., wie viele Menschen da jetzt leiden müssen. Aber wenn du ein Konzert gibst vor meinetwegen 120 Leuten, wo doch 700 hätten kommen können, weil du die Bestimmungen einhalten willst, dann rentiert sich das einfach nicht und macht auch keinen Spaß. Diese Events funktionieren eigentlich erst wieder, wenn es einen Impfstoff oder ein Medikament gibt. Wenn kein Impfstoff gefunden wird, sehe ich uns aber schon auf der Bühne hinter einer Plexiglasscheibe und das Publikum mit Mundschutz und Abstand. Aber daran will ich gar nicht denken.

Das bedeutet auch für Sie heftige finanzielle Einbußen…
…das stimmt, aber ich will nicht rumjammern. Ich mache mir mehr Sorgen um Menschen, die ohnehin psychische Probleme haben oder um Mittelschüler kurz vor dem Abschluss, die in schwierigen Familienverhältnissen leben und für die die Schule die Struktur des Tages war. Es gibt gerade kein normales Leben mehr. In den ersten drei Wochen der Krise sind sich die Menschen noch lächelnd und auf Abstand begegnet, jetzt ist da diese Angst spürbar. Es gehen sich viele nur noch mit genervtem und misstrauischem Blick aus dem Weg. Wir müssen positiv bleiben!

Liedermacher im Münchner Stadtrat

Am 4. Mai werden Sie im Deutschen Theater – dort können in Corona-Zeiten die erforderlichen Mindestabstände eingehalten werden – als einer der 80 neu gewählten Stadträte in Ihr Amt eingeführt. Sind Sie schon ein bisschen nervös vor dieser Premiere?
Besonders aufgeregt bin ich deshalb nicht, aber das ist natürlich eine große Ehre. Und ich habe großen Respekt vor dieser Aufgabe.

Welche Themen sind Ihnen als neuer SPD-Stadtrat wichtig?
Soziale Themen und die Kultur. Wobei ich in der jetzigen Situation klar sagen muss, dass es keinen Unterschied geben darf, ob nun einer als Solo-Selbständiger in der Kunst oder in einer anderen Branche staatliche Unterstützung in Form von Soforthilfen braucht. Viele Menschen müssen jetzt beißen, aber ich hoffe und bin mir auch sicher, dass die Gelder am Ende gerecht verteilt werden. Es wird ja ständig nachjustiert. Eine Neid-Debatte brauchen wir hier nicht. Die Auszahlung wird aber sicher noch dauern, denn die Mitarbeiter in den Ämtern können ja auch nicht zaubern.


Bei "Es wird koa Wiesn gebn" handelt es sich um die Coverversion eines alten russischen Volkslieds, am bekanntesten inst die Fassung "Those were the days" von Mary Hopkins. Der Hefter-Song steht ab Montag auf allen gängigen Online-Portalen zum Download bereit. Das Video verzeichnet auf Facebook und Youtube insgesamt bereits knapp eine Million Aufrufe, ab nächster Woche ist es auf "Gute Laune TV" zu sehen.

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