AZ-Interview zum Bayern-Duell Kurt Beck: "Mainz war immer für Überraschungen gut"

"Mainz war immer mal wieder für Überraschungen in München gut", sagt Kurt Beck, früherer Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz. Foto: Andreas Arnold/dpa

Kurt Beck, der frühere Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, spricht in der AZ über die Zukunftspläne des FC Bayern, das Spiel gegen den FSV Mainz 05 und über den 1. FC Kaiserslautern.

 

München - Kurt Beck spricht im AZ-Interview anlässlich des Spiels des FSV Mainz 05 gegen den FC Bayern über seine enge Verbindung zum 1. FC Kaiserslautern und die Zukunft des FCB. Der 70-jährige SPD-Politiker war von 1994 bis 2013 Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und ist großer Fußball-Fan.

AZ: Herr Beck, am Sonntag tritt der FSV Mainz 05 beim FC Bayern an. Wünschen Sie sich als früherer Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz den Klassenerhalt der 05er?
KURT BECK: Ja, natürlich. Das würde dem Verein Ruhe und Planungssicherheit geben. Ich hoffe, dass der beachtliche Weg von Mainz 05 weitergeht. Der Klub hat begrenzte finanzielle Möglichkeiten, diese aber bislang immer sehr gut genutzt. Mainz ist eine sympathische Einheit – von der Führungsspitze bis zu Trainer Sandro Schwarz und der Mannschaft.

Was ist möglich für Mainz gegen Bayern?
Ich bin mir über die Stärkeverhältnisse natürlich bewusst, aber Mainz war in der Vergangenheit immer mal wieder für Überraschungen in München gut. Ich erhoffe mir ein 1:1. Es wäre auch für die Spannung in der Liga gut, wenn Dortmund noch nicht aufgibt und bis zum Schluss um die Meisterschaft kämpft.

Im Jahr 2014 haben Sie Ihre Dauerkarte bei Mainz zurückgegeben, weil Sie von Fans ausgepfiffen wurden. Wie ist Ihr Verhältnis zum Klub heute?
Das war bei der Einweihung des neuen Mainzer Stadions, zu dem wir als Land kräftig beigetragen haben. Es gab damals eine abgesprochene Aktion gegen mich. Viele Leute haben sich anschließend entschuldigt. Für mich ist das Thema erledigt, das liegt in der Vergangenheit. Ich drücke dem Verein fest die Daumen. Aber ich habe natürlich eine klare Präferenz, was Fußball angeht: Und das ist der 1. FC Kaiserslautern.

Kurt Beck über Bundesligaträume für den FCK

Neutral muss man als Ministerpräsident in Fußballfragen also nicht sein?
(lacht) Ich finde, das wäre zu viel der politischen Rücksichtnahme, das wäre ja geradezu gelogen! Ich habe von Kindesbeinen an eine enge Verbindung zum FCK. Damals haben wir auf der Straße gekickt, jeder wollte Fritz oder Ottmar Walter sein oder Horst Eckel. Werner Liebrich, nicht zu vergessen. Was 1954 bei der Weltmeisterschaft geleistet wurde, war großartig.

Ich durfte dann alle Lauterer Helden noch persönlich kennenlernen, mit Fritz Walter hat sich eine generationenübergreifende Freundschaft entwickelt. Seine sympathische Ausstrahlung jedem Menschen gegenüber findet man heute selten. Er hat mir später auch seine Fritz-Walter-Stiftung anvertraut, da bin ich heute noch Kuratoriumsvorsitzender. Das sind Wurzeln, die reichen sehr tief. Im Stadion ist mein Platz neben Horst Eckel. Sie können sich vorstellen, wie emotional das immer ist – selbst in der 3. Liga.

Mit Otto Rehhagel gab es in den 1990ern aber auch noch mal schöne Zeiten.
Da denke ich gern dran zurück, ich habe kein Heimspiel in der Meistersaison 1998 versäumt. Zu meinem 50. Geburtstag kam die Mannschaft als Überraschungsgast, einschließlich Trainer Otto Rehhagel. Mit vielen Spielern von damals, von Ronnie Hellström bis Andi Buck, ist eine persönliche Verbindung erhalten geblieben.

FCK in der Bundesliga? "Ich gebe die Hoffnung nicht auf"

Der Stadionumbau vor der WM 2006 hat den Klub über Jahre finanziell extrem belastet. Ist der FCK deshalb so tief abgestürzt?
Der Stadionbau wurde ja schon weit vor der WM 2006 begonnen. Ich finde es nach wie vor schade, dass die internationalen Fußballorganisationen so hohe Anforderungen an die Stadien stellen. Klar, unser Stadion ist teuer, erst recht für einen Drittligisten. Jetzt hat man aber einen Pachtpreis mit der Stadt vereinbart, der sehr fair ist.

Es wäre falsch, alles auf das Stadion zu schieben. In den Jahren nach der Meisterschaft sind Weichenstellungen zu optimistisch vorgenommen worden. Da sind Leute geholt worden, die zu teuer waren: Youri Djorkaeff oder Taribo West. Die Bindung der Spieler zum Klub ist verlorengegangen. Den Spirit FCK haben diese Spieler nie verstanden. Die jetzige Vereinsführung macht es sehr seriös. Ich hoffe, dass wir die Lizenz für die Dritte Liga erhalten und weiter nach oben angreifen.

Das wird aufgrund der finanziellen Situation aber schwer.
Richtig. Es wäre gut für den deutschen Fußball, wenn die Fernsehgelder zwischen der 1. und 3. Liga fairer verteilt werden würden. Der DFB müsste auch noch größere Anstrengungen unternehmen, um die Oberliga-Vereine zu fördern. Das kann auf Dauer für den Fußball nur gut sein. Diese für mich unglaublichen Ideen einer Weltliga würden den Fußball von den Menschen entfernen. Und dann ist er tot.

Was würde eine Bundesliga-Rückkehr des FCK für Sie persönlich bedeuten?
Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass es gelingt. Ich will den Aufstieg in die Bundesliga in meinem Leben noch feiern. Der Verein ist so verankert in der Region, sogar bis ins Saarland und nach Luxemburg. Zu fast jedem Heimspiel kommen 18.000 oder 19.000 Zuschauer. Es gibt Erstligisten, die können solche Zahlen nicht vorweisen. Die Bindung zwischen Fans und Verein ist tief. Deshalb wünsche ich es mir sehr, dass der Erfolg zurückkehrt.

Beck: "Kahn ist für eine Aufgabe im Management geeignet"

Zwischen Ihnen und Uli Hoeneß hat es in der Vergangenheit öfter gekracht. Wie sehen Sie den FC Bayern heute?
Ich will nicht heucheln und behaupten, dass die größte Sympathie herrschen würde. Aber es ist auf jeden Fall Respekt da. Die Bayern hatten damals mit dem Olympiastadion eine gute wirtschaftliche Voraussetzung. Und München ist dank seines Industriebesatzes ein gutes Umfeld. Aber der FC Bayern hat aus diesen Chancen viel gemacht, davor ziehe ich den Hut.

Was halten Sie davon, wie Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge den Klub auf die Zukunft vorbereiten?
Da sind Profis unterwegs. Die nächste Generation wird nun in die Führungsebene geholt, das ist verantwortungsvoll und vernünftig. Das zeugt davon, dass Hoeneß und Rummenigge nicht nur auf kurzfristigen Erfolg setzen, sondern die Zukunft des Klubs im Blick haben. Oliver Kahn ist ein guter Kandidat als neuer Vorstandsvorsitzender. Ich habe ihn in den Jahren erlebt, als er Experte beim ZDF war. In dieser Zeit war ich Vorsitzender des ZDF-Verwaltungsrates. Ich habe gesehen, dass da ein kluger Mann unterwegs ist. Kahn ist sicher geeignet für eine gehobene Management-Aufgabe.

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