AZ exklusiv So will Giovane Elber Philippe Coutinho jetzt aus der Krise helfen

"Er muss jetzt abliefern", sagt Giovane Elber (r.) über Bayerns Leihspieler Philippe Coutinho. Foto: Rauchensteiner/sampics/Augenklick, AZ-Montage

Giovane Elber spricht in der AZ über die schwierige Phase seines Landsmanns beim FC Bayern und verrät, wie er ihn nun persönlich unterstützen will. "Ich werde versuchen, ihn zu treffen und mit ihm zu sprechen."

 

München - Der Brasilianer Giovane Elber (47) stürmte früher für den FC Bayern. Im Trikot der Münchner wurde er vier Mal Deutscher Meister (1999, 2000, 2001, 2003) und drei Mal DFB-Pokalsieger (1998, 2000, 2003), je einmal gewann er die Champions League (2001) sowie den Weltpokal (2001). Aktuell arbeitet er als Markenbotschafter für den Klub.

AZ: Herr Elber, welche Erkenntnisse haben Sie aus dem 0:0 des FC Bayern am Sonntag gegen RB Leipzig gewonnen?
GIOVANE ELBER: Das war ein typisches Spitzenspiel. In so einem Spiel, in dem es um alles geht, gibt es sehr wenige Tormöglichkeiten. Da muss man die, die man bekommt, auch nutzen. Das haben beide nicht gemacht. Es hätte ja auch 1:1 oder 2:2 ausgehen können. Leon Goretzka hat am Ende eine hundertprozentige Torchance nicht reingemacht, genau wie zuvor Timo Werner.

Haben Sie da als ehemaliger Torjäger – trotz aller Sympathie für Bayern – ein wenig mit Werner mitgelitten?
(lacht) Um ehrlich zu sein, war ich froh, dass er das Ding nicht getroffen hat. Ansonsten hätte Leipzig wohl gewonnen.

Giovane Elber: FC Bayern weiter "großer Kandidat auf den Titel"

Ist Bayern nun der gefühlte Sieger des 0:0?
Mit dem Punkt kann Bayern zumindest ganz gut leben. Wir sind ja weiter Tabellenführer.

Und damit auf Meisterkurs?
Vielleicht hat Bayern da einen Big Point verpasst. Bei einem Sieg wäre der Vorsprung größer gewesen. Wir sind aber nach wie vor ein großer Kandidat für den Titel. Aber so ein Spiel entscheidet die Meisterschaft ja noch lange nicht.

Wie haben Sie Ihren Landsmann Philippe Coutinho gesehen, der eingewechselt wurde?
Philippe hatte leider schon gegen Hoffenheim im Pokal und auch jetzt gegen Leipzig ein paar unglückliche Aktionen. Ich weiß nicht, was ihm gerade fehlt, ob es vielleicht das Selbstvertrauen ist. Philippe weiß selbst, dass er viel besser spielen kann. Und wir brauchen einen guten Philippe Coutinho für die nächsten Spiele. Die schweren Partien kommen erst noch. Ich hoffe, dass ihm die Fehler, die jetzt passiert sind, in Zukunft nicht mehr passieren werden – und er seine Klasse zeigen kann.

Giovane Elber: Das sagt er über Thomas Müller

Warum kann er das im Moment nicht so richtig?
Schwer zu sagen. Die Mannschaft hat ihn eigentlich gut angenommen. Hansi Flick gibt ihm immer wieder Chancen. Leider hat er die bisher nicht genutzt. Er muss jetzt versuchen, den Kopf freizubekommen. Was passiert ist, ist passiert. Das kann man nicht ändern. Was man ändern kann, ist die Leistung in den nächsten Spielen: Dass man konzentriert ist, versucht, das Beste zu machen. Vielleicht sollte er damit anfangen, einfacher zu spielen – und nicht gleich immer besonders schönen Fußball. Er muss schauen, dass seine Pässe an den Mann kommen und er seine Mitspieler in Szene setzen kann.

Auf Coutinhos Wunschposition im offensiven Mittelfeld setzt Flick eigentlich auf Thomas Müller, der wieder in Topform ist.
Der Thomas macht das sehr gut. Seit er wieder vorne in der Mitte spielt, schießt er wieder Tore und gibt viele Vorlagen. Es ist schwer, einen Thomas Müller da zu verdrängen.

Müller ist wahrscheinlich ein Spieler, mit dem auch Sie gerne zusammengespielt hätten, oder?
Oh ja. Ich glaube, ich hätte schon sehr viel Spaß gehabt, neben Thomas zu spielen. Sicher auch in der Kabine. Das mit Sicherheit auch noch. (lacht)

Giovane Elber: Philippe Coutinho "ist ein zurückhaltender Junge"

Haben Sie eigentlich Kontakt zu Coutinho?
Bei der Weihnachtsfeier haben wir zuletzt miteinander gesprochen. Wir haben unsere Nummern ausgetauscht, und ich habe zu ihm gesagt: "Wenn du und deine Familie irgendetwas brauchen, kannst du jederzeit bei mir anrufen." Ich bin ja wieder zurück in München und werde in den nächsten Tagen mal versuchen, ihn zu treffen – und ein bisschen mit ihm zu sprechen. Vielleicht kann ich ihm ja etwas mit auf den Weg geben.

Was genau?
Dass er ruhig bleiben muss vor den nächsten Aufgaben. Was gestern oder vorgestern war, kann man nicht ändern, nur daraus lernen. Und zum Beispiel sehen, was habe ich in den letzten beiden Spielen falsch gemacht. Die Fehlpassquote war da zu hoch. Dann muss ich das umstellen, mit einem einfacheren Passspiel und so wieder zu meinem Spiel finden. Danach kann man auch mal wieder den ein oder anderen schwierigeren Pass spielen.

Bayern hat für Coutinho im Sommer eine Kaufoption über 120 Millionen Euro. Belastet ihn das hohe Preisschild?
Er ist ein sehr zurückhaltender Junge, ohne irgendwelche Allüren. Ich glaube nicht, dass er groß über die hohe Ablösesumme nachdenkt. Ob das, was Barcelona damals für ihn gezahlt hat (145 Millionen Euro ohne Boni; d. Red.) zu viel war, müssen andere beurteilen. Philippe will jetzt einfach seine Form finden und Spaß haben mit dem Fußballspielen.

Glauben Sie, dass er eine Zukunft in München haben könnte?
Im Fußballgeschäft drehen sich die Dinge oft ziemlich schnell. Wenn Coutinho in den nächsten Spielen Leistung bringt und damit zeigt, dass er bei Bayern bleiben will, ist alles möglich. Es ist noch zu früh, um zu sagen: "So einen braucht man nicht." Es hängt jetzt aber von ihm ab. Er muss abliefern. Ansonsten ist es natürlich schwer, einen Spieler zu verpflichten, der seine Leistung nicht bringt.

Sind die K.o.-Spiele gegen Chelsea vielleicht die perfekte Bühne, um sein Können zu zeigen?
Das sind genau die entscheidenden Spiele, in denen er sich empfehlen kann. Da müssen die Spieler zeigen, welche Klasse sie haben.

Auch einige englische Vereine sollen an ihm interessiert sein. Passt Coutinhos Fußball besser in die Premier League?
Er ist ein Spieler, der immer gefragt sein wird, ob in der Premier League, der italienischen oder spanischen Liga. Wenn er nicht bei uns bleibt, wird er mit Sicherheit den ein oder anderen guten Verein finden.

Wie wird Coutinho in Brasilien wahrgenommen?
In Brasilien erwartet man von ihm noch, dass er das Ding mal in die Hand nimmt. Er ist ein sehr zurückhaltender Typ, keiner, der gerne im Vordergrund steht. Aber er ist auf einem Level, auf dem er das eigentlich tun müsste. Er hat einen großen Namen, ist ein guter Fußballer – und irgendwann muss er das auch zeigen. Er darf sich nicht mehr hinter Neymar oder Firmino verstecken. Coutinho ist ein Weltklassefußballer – und die Leute erwarten von ihm, dass er uns das auch zeigt. Genau wie beim FC Bayern.

Lesen Sie hier: Alaba spricht in der AZ über die Bayern-Abwehr

Lesen Sie auch: Bericht - Bayern-Legende Ribéry plant Comeback gegen Milan

 

1 Kommentar