AZ-Analyse zur Bayern-Krise Drei Spiele sieglos: Daran krankt das Bayern-Spiel

Schwach wie selten: Die Bayern Thiago, Joshua Kimmich und Mats Hummels (v.l.) gegen Eintracht Frankfurt. Foto: dpa

Nach dem 2:2 in Frankfurt ist die Mannschaft von Ancelotti seit drei Spielen ohne Sieg. „Wir haben eine schlechte Einstellung gezeigt“, sagt der Trainer. Die AZ erklärt, woran es beim FC Bayern krankt.

 

München - Das K-Wort wollten die Spieler und Bosse des FC Bayern nach dem 2:2 bei Eintracht Frankfurt nicht aussprechen. Aber das mussten sie auch gar nicht. Denn was sie sagten – Trainer Carlo Ancelotti, der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge, und auch Stars wie Mats Hummels oder Arjen Robben –, genügte für die Feststellung, dass bei den Bayern einiges ganz und gar nicht stimmt.

Es klang eindeutig nach Krise. „Die Einstellung“, formulierte es Rummenigge so offen und klar, wie er es in den drei Jahren mit Pep Guardiola nie getan hat. „Die Einstellung war nicht da. „Das war nicht Bayern in der ersten Halbzeit, so kann man nicht auftreten.“ Ancelotti hat seine erste Krise.

Die AZ erklärt die Hauptprobleme des FC Bayern.

Die Mentalität

„Wir haben eine schlechte Einstellung gezeigt“, kritisierte Ancelotti. Der Coach war nach der Partie übel gelaunt. „Wir haben die ersten 45 Minuten geschlafen. Zehn Minuten unkonzentriert sein, kann passieren, aber nicht das.“ Die Eintracht war vor allem in der ersten Halbzeit deutlich bissiger, gieriger als die Bayern, die sich nach der Führung von Arjen Robben (10.) ausruhten.

„Wenn man denkt, dass es mit weniger als 100 Prozent geht, läuft man Gefahr, die Zweikämpfe und die Kontrolle zu verlieren“, sagte Kapitän Philipp Lahm. „Das ist uns passiert.“ Die Konsequenz: Szabolcs Husztis Ausgleich nach Boateng-Fehler (43.) und in der zweiten Hälfte das 2:2 durch Marco Fabian (78.), nachdem Joshua Kimmich die Bayern zwischenzeitlich in Führung gebracht hatte. Auch Husztis Platzverweis (65.) hatte den Bayern nicht geholfen. „Es stimmt, dass die Einstellung nicht da war“, sagte Hummels.

Das kranke Zentrum

Besonders in der schwachen ersten Halbzeit agierten die Bayern wie in einer lang vergessenen Zeit: mit langen Pässen aus der Abwehr in den Sturm. „Es war nicht so, dass der Trainer uns das vorgegeben hat, es lag eher am stumpfen Rasen und der Spielweise der Eintracht“, erklärte Hummels auf AZ-Nachfrage.

Bayerns Zentrum kam nicht ins Spiel, Xabi Alonso, Thiago und Kimmich lieferten sich zudem ein erstaunliches Duell um die höchste Fehlpassquote. Speziell Alonso fiel mit schlimmen Zuspielen auf, Thiago war über weite Strecken unsichtbar, Kimmich steigerte sich erst in der zweiten Hälfte. Der Youngster, der schon sein viertes Tor in dieser Bundesliga-Saison erzielte, ist aktuell der einzige konstante Spieler im Zentrum.

Der für Alonso eingewechselte Renato Sanches blieb einmal mehr hinter den Erwartungen zurück. Das Bayern-Herz krankt.

Die Verletzten

„Ich muss etwas ändern, ich will mein Team sehen“, fauchte Ancelotti: „Ich werde Wechsel vornehmen.“ Allerdings hat der Coach vor dem Champions-League-Spiel gegen die PSV Eindhoven am Mittwoch kaum Optionen. Franck Ribéry fällt weiter aus, auch Javi Martínez, Douglas Costa und Juan Bernat sind angeschlagen. Arturo Vidal kehrte matt von der Länderspielreise mit Chile zurück. Immerhin: Holger Badstuber stand nach langer Verletzungspause wieder im Kader.

Die Frechen Gegner

„Frankfurt hat teilweise das Heft des Handelns in die Hand genommen, das ist man als Bayern-Spieler nicht gewohnt“, sagte Thomas Müller: „Daran will man sich auch nicht gewöhnen.“ Es hat sich herumgesprochen, dass gegen die Bayern in dieser Saison etwas möglich ist. „Wir haben heute so viele Chancen gehabt gegen Bayern wie noch nie“, sagte Frankfurts Bastian Oczipka.

Stimmt! Zur Wahrheit gehört auch, dass Bayern schon gegen Hamburg, Schalke und Ingolstadt glücklich gewann, das Remis gegen Köln war ebenso leistungsgerecht wie die Pleite bei Atlético Madrid.

Der Pep-Schatten

Ja, der alte Trainer. Drei Pflichtspiele ohne Sieg hatte es für die Bayern zuletzt im Mai 2015 gegeben – unter Guardiola. Nur: Damals standen die Bayern schon als Meister fest! Man merkt den Bayern an, dass sie sich mit der Umstellung von der katalanischen Fußballlehre zur italienischen noch schwer tun. Die Außenverteidiger wie Lahm rückten unter Pep oft ins Mittelfeld-Zentrum gerückt, um Überzahl zu schaffen.

Ancelotti positioniert seine Flankenspieler weiter außen. Aktuell leidet die Spielkontrolle darunter. Aber das ist nicht das Hauptproblem. „Wir machen als Mannschaft im Moment zu viele Fehler – mit und ohne Ball. Daran müssen wir arbeiten“, brachte es Müller auf den Punkt. Mittwoch gegen Eindhoven stehen die Bayern nun schon gewaltig unter Druck.

 

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